OTS0297 / 09.03.2010 / 17:54 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Parlament / außenpolitischer Ausschuss


Spindelegger: Einsparungen ohne Strukturmaßnahmen nicht zu bewältigen Aussprache im außenpolitischen Ausschuss über aktuelle Themen =


   Wien (PK) - Der vom Ministerrat beschlossene Budgetrahmenplan stelle 
sein Ressort vor grundlegende Herausforderungen und sei ohne 
strukturelle Maßnahmen nicht zu bewältigen, meinte Außenminister 
Michael Spindelegger heute im Außenpolitischen Ausschuss im Rahmen 
einer Aussprache über aktuelle Fragen. Gegenüber dem bisherigen 
Budgetrahmen werde das Budget für sein Ressort 2011 um 15 Mill. €, 
2012 um 24 Mill. € und 2013 um 28 Mill. € zurückbleiben, teilte er 
den Abgeordneten mit. Dieser Einsparungsbedarf werde Maßnahmen 
erfordern, "die keinen Stein auf dem anderen lassen", gab 
Spindelegger zu bedenken und kündigte bis Juni die Ausarbeitung von 
konkreten Plänen an, die vor allem das Ziel verfolgen werden, neue 
Strukturen für die Bewältigung der Aufgaben zu entwickeln.
Besorgt äußerten sich auch die Abgeordneten über das Ausmaß der nun 
notwendigen Einsparungen im Außenministerium. So bemerkte etwa 
Abgeordneter Alexander Van der Bellen (G), ein Zurückfahren sei 
angesichts des ohnehin schon knappen Budgets problematisch. 
Abgeordneter Herbert Scheibner (B) wiederum warnte vor Kürzungen nach 
dem "Rasenmäherprinzip" und betonte, es sollte nur dort gespart 
werden, wo dies auch sinnvoll sei. Die Vorschläge des Rechnungshofs 
jedenfalls hätten andere Ministerien als das Außenministerium 
betroffen, warf er überdies ein. Befürchtungen der Abgeordneten Petra 
Bayr (S) und Judith Schwentner (G), dass es auch zu Kürzungen bei der 
Entwicklungszusammenarbeit kommen werde, konnte Minister Spindelegger 
nicht zerstreuen.
Ein weiteres zentrales Thema der Aussprache war die geplante 
Einrichtung eines Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD). Die 
Abgeordneten Josef Cap (S) und Ursula Plassnik (V) wiesen in diesem 
Zusammenhang auf die schwierige Abgrenzung zwischen den europäischen 
und den nationalen Diensten hin, während Abgeordneter Johannes Hübner 
(F) vor Parallelstrukturen warnte und die Schließung von nationalen 
Botschaften zur Diskussion stellte. Für den Abgeordneten Herbert 
Scheibner (B) erschien die Schaffung eines Auswärtigen Dienstes der 
EU nur unter der Vorraussetzung sinnvoll, dass die einzelnen 
Mitgliedsländer auf ihre Botschaften verzichten und die EU-Stellen 
als Ersthilfestellen für EU-Bürger dienen. 
Außenminister Michael Spindelegger deponierte seine Unzufriedenheit 
über die derzeitige Vorgangsweise beim Aufbau des EAD und meinte, es 
fehle vor allem an der Transparenz, auch sei die Strukturierung noch 
völlig unklar. Was die Funktionsweise betrifft, erwartete er sich 
eine klare Trennung zwischen europäischen und nationalen Strukturen, 
wobei Staatsbürgerschaftsangelegenheiten und Fragen von nationalem 
Interesse seiner Meinung nach auch in Zukunft jedenfalls von den 
nationalen Diensten behandelt werden sollten. Als Ziel der Errichtung 
des EAD sah Spindelegger in erster Linie die Nutzung von Synergien 
und die Verstärkung der Politik der EU vor Ort. Klar war für den 
Minister im übrigen, dass der europäische Dienst als Ersthilfe für 
EU-Bürger zu fungieren habe. Der Dienst werde, wie er ferner 
mitteilte, rund 8.000 Personen umfassen. Österreich könne die eine 
oder andere Position besetzen. Diesbezügliches Interesse bestehe vor 
allem hinsichtlich des Balkanraums. 
Pläne zur Errichtung eines Europäischen Nachrichtendienstes, von 
denen Abgeordneter Peter Pilz (G) sprach, seien "eher ein Gerücht", 
meinte Spindelegger und betonte, eine österreichische Initiative in 
diese Richtung gebe es nicht und würde von ihm auch nicht unterstützt 
werden. 
Terrorbekämpfung, Meteorologie: Ausschuss genehmigt Abkommen
Einstimmig genehmigt wurden im weiteren Verlauf der Sitzung zwei 
Abkommen, mit denen dem Terror auf hoher See Einhalt geboten werden 
soll. In diesem Sinn sieht eine Änderung des Übereinkommens zur 
Bekämpfung von Handlungen gegen die Sicherheit der Seeschifffahrt 
vor, dass auch der Transport von Sprengsätzen, von biologischen, 
chemischen und nuklearen Waffen und Substanzen durch Schiffe in 
terroristischer Absicht ebenso unter Strafe gestellt wird, und 
schafft überdies die Möglichkeit strafrechtlicher Verfolgung 
juristischer Personen in diesem Zusammenhang. Einen ähnlichen Inhalt 
weist die Anpassung des Protokolls zur Bekämpfung widerrechtlicher 
Handlungen gegen die Sicherheit fester Plattformen, die sich auf 
einem Festlandssockel befinden, auf. 
Einstimmig angepasst wurde auch das Übereinkommen zur Errichtung des 
Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage. 
Insbesondere geht es darum, neue Mitgliedsländer aufzunehmen, wodurch 
sich auch die Kosten der bisherigen Mitgliedsstaaten einschließlich 
Österreichs entsprechend verringern. 
Fünf Parteien für eine atomwaffenfreie Welt
Ihr Bekenntnis zu einer atomwaffenfreien Welt brachten die fünf 
Fraktionen in einem gemeinsam unterbreiteten und einstimmig 
angenommenen Entschließungsantrag zum Ausdruck, der an die aktuellen 
Verhandlungen über einen Vertrag zum vollständigen Bann von 
Atomwaffen erinnert und den Außenminister auffordert, den 
diesbezüglichen Plan des UN-Generalsekretärs nach Kräften zu 
unterstützen und sich auf internationaler Ebene für das Ziel einer 
atomwaffenfreien Welt einzusetzen.
Unterausschuss behandelt Weltagrarbericht
Ein Antrag der Grünen auf Unterzeichung des von Weltbank, FAO, UNDP, 
UNEP und UNESCO initiierten Weltagrarberichts durch Österreich wurde 
schließlich einem bereits bestehenden Unterausschuss zugewiesen, der 
sich mit Themen aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit 
beschäftigt. (Schluss)
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