OTS0294 / 09.03.2010 / 17:32 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Kulturausschuss / Parlament


Bund will Literaturmuseum eröffnen Bundesministerin Schmied steht Kulturausschuss Rede und Antwort =


   Wien (PK) - In seiner heutigen Sitzung befasste sich der 
Kulturausschuss des Nationalrates im Rahmen einer aktuellen 
Aussprache mit den Vorhaben des Bundesministeriums.
Bundesministerin Claudia Schmied verwies eingangs auf aktuelle 
Investitionsmaßnahmen im Bereich der Bundesmuseen. Es stünden 
genügend Mittel zur Verfügung, um mittel- und langfristig wichtige 
Innovationsvorhaben zu realisieren, so namentlich die Wiedereröffnung 
der Kunstkammer im KHM, die Wiedereröffnung des 20er Hauses, in dem 
die Wotruba-Stiftung und die Artothek ihre neue Heimstatt finden 
sollen, und die Schaffung eines Literaturmuseums innerhalb der ÖNB, 
wobei dies nicht nur eine kulturpolitische Maßnahme sein solle, 
sondern auch einen bildungspolitischen Impetus habe. Als weitere 
Projekte, die derzeit im Planungsstadium seien, nannte die Ministerin 
die Erweiterung des MUMOK, die Zusammenlegung von Völkerkunde- und 
Volkskundemuseum, sowie die Errichtung eines Tiefenspeichers der ÖNB. 
Abgeordnete Silvia Fuhrmann (V) sah die Maßnahmen positiv, zeigte 
sich aber auch interessiert an den Kosten der Projekte und am 
Finanzrahmen im Allgemeinen. Wie auch Abgeordnete Heidemarie 
Unterreiner (F) und Abgeordneter Wolfgang Zinggl (G) wollte Fuhrmann 
wissen, wie die Ministerin zu den Empfehlungen des Rechnungshofs 
stehe. Unterreiner zeigte sich skeptisch hinsichtlich der 
Zusammenlegung mehrerer Häuser und verband dies mit der Frage, 
welchen konkreten Arbeitsauftrag diese neue Institution bekommen 
solle. Zinggl wiederum begehrte zu wissen, wo das genannte 
Literaturmuseum untergebracht werden solle und welche Konsequenzen 
sich aus diesem für das Literaturhaus ergeben mögen. Schließlich 
wollte er noch wissen, wie lange die Provenienzforschung noch 
brauchen werde.
Abgeordneter Stefan Petzner (B) befasste sich mit dem 
Finanzierungskonzept und mit Gedanken zu einem Masterplan zur 
Museumslandschaft. Abgeordnete Ruth Becher (S) erkundigte sich nach 
der weiteren Vorgangsweise in Sachen Wasserschaden in der Albertina. 
Abgeordneter Werner Neubauer (F) brachte eine Reihe von Detailfragen 
zu Linz vor, und Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) interessierte 
sich dafür, ob bei der Prüfung der Sammlung Leopold auch 
zivilrechtliche Aspekte berücksichtigt würden. 
Schmied erklärte, die drei genannten Projekte seien ausfinanziert. 
Das Literaturmuseum werde im ehemaligen Hofkammerarchiv untergebracht 
und soll bis Anfang 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht 
werden. Die Kosten hiefür betragen knapp mehr als 2 Mio. Euro. Die 
Wiedereröffnung der Kunstkammer sei für das Jahresende 2012 geplant, 
die Kosten hiefür belaufen sich auf 18 Mio. Euro. Das 20er Haus 
schließlich soll schon 2011 wiedereröffnet werden, wobei es hier zu 
Kosten von 31 Mio. Euro kommen werde. 
Zu den Empfehlungen des Rechnungshofs gebe es eine in 13 Punkte 
gegliederte Reaktion ihres Hauses, erläuterte die Ministerin, die 
sodann meinte, bei der Museumsarbeit solle auch der interkulturelle 
Dialog mitgedacht werden. Der Aspekt der Vermittlung sei neben dem 
Sammeln, Bewahren und Forschen von besonderer Wichtigkeit. Das 
Konzept der Zusammenlegung des Völkerkunde- und des Volkskundemuseums 
erscheine attraktiv, einzelne Umsetzungsszenarien müssten aber jetzt 
erst angedacht werden. 
Zum Thema Leopoldmuseum sei eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt 
worden, welche die vorliegenden Berichte bis zum Sommer bewerten 
solle. Die Arbeiten der Forscher gingen inzwischen weiter. Ähnlich 
äußerte sich die Ministerin zum Thema Wasserschaden in der Albertina. 
Hier würden rechtliche Fragen geklärt, bis Mai soll eine 
entsprechende Stellungnahme vorliegen. 
In einer weiteren Fragerunde erkundigte sich Abgeordneter Ewald 
Sacher (S) nach der Entwicklung des Bibliothekswesens sowie nach der 
Filmförderung. Abgeordneter Stefan Markowitz (B) befasste sich mit 
der Zukunft des Narrenturms, Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill 
(G) mit der Zukunft von Volks- und Völkerkunde. Abgeordneter Wilhelm 
Molterer (V) sprach die Weltausstellung in Shanghai an und setzte 
sich wie seine Fraktionskollegin Fuhrmann mit Budgetfragen 
auseinander. Abgeordneter Stefan Petzner (B) wollte wissen, ob die 
aktuelle Installation in der Sezession mit Bundesmitteln 
subventioniert werde.
Schmied sagte, man sei gerade dabei, die Bibliotheksförderung auf 
neue Beine zu stellen, auch seien die Fördermittel für das ÖFI und 
die heimischen Programmkinos aufgestockt worden. Erfreut zeigte sich 
die Ministerin, dass es gelungen sei, das Film- und Fernsehabkommen 
mit dem ORF gesetzlich zu verankern. Der österreichische Beitrag zu 
Shanghai konzentriere sich auf Mode und Design, bei der Sezession 
gebe es jeweils eine Jahressubvention ohne Einzelprüfung der jeweils 
gesetzten Aktivitäten. Das Regierungsmitglied erklärte schließlich, 
die aufgeworfenen Detailfragen auf schriftlichem Wege beantworten zu 
wollen und würdigte abschließend den Rechnungshof als wichtigen 
Partner, dessen Empfehlungen sie sehr ernst nehme. 
Als nächstes befasste sich der Ausschuss mit einem F-Antrag 
betreffend den Gratiseintritt von Jugendlichen in die Bundesmuseen.
Die neu geschaffene Möglichkeit für Jugendliche, gratis die 
Bundesmuseen zu besuchen, muss von den musealen Einrichtungen derzeit 
über die Basissubvention finanziert werden. Geht es nach dem Willen 
der Freiheitlichen, so soll die Bundesregierung ein Sonderbudget 
einrichten, aus dem diese Maßnahme finanziert wird. Damit würden die 
Budgets der Museen entlastet, heißt es in dem Antrag. (971/A [E]) 
Abgeordnete Christine Lapp (S) hielt es für wichtig, aus dem 
gesetzten Schritt eine dauerhafte Maßnahme zu machen, wofür die 
eingesetzten Mittel vorgesehen seien. Dem Antrag der F sei daher 
nicht zuzustimmen. Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) sagte, seine 
Fraktion sei fraglos für den Gratiseintritt, doch erwarte man sich 
für die Museen eben einen entsprechend höheren Betrag. Abgeordnete 
Silvia Fuhrmann (V) erklärte, die Maßnahme sei erst seit zwei Monaten 
in Kraft, man müsse sich konkret ansehen, welche Auswirkungen sie 
habe. Zum derzeitigen Zeitpunkt sei der Antrag daher abzulehnen. 
Der Antrag wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien abgelehnt. 
Vertagt wurden schließlich die beiden restlichen auf der Tagesordnung 
stehenden Oppositionsanträge.
Die jüngsten Skandale rund um die Salzburger Festspiele nehmen die 
Grünen zum Anlass, eine zeitgemäße Neuorganisation der dortigen 
Unternehmensstrukturen zu fordern (987/A [E]). Diese stammten, wie 
die Grünen festhalten, aus den 50er Jahren und seien, wie sich im 
Lichte der aktuellen Entwicklungen zeige, überholt. Die Grünen 
fordern daher die zuständige Bundesministerin auf, einen 
Gesetzesentwurf vorzulegen, mit dem die Unternehmensstrukturen der 
Salzburger Festspiele klar strukturiert und den Erfordernissen des 
21. Jahrhunderts mit geeigneten wirtschaftlichen 
Kontrollinstrumentarien angepasst werden.
Das BZÖ spricht sich in einem eigenen Entschließungsantrag für ein 
Entwicklungskonzept für öffentliche Bibliotheken aus, für welches die 
Bundesministerin in Zusammenarbeit mit den Ländern, Städten und 
Gemeinden Sorge tragen soll. Dies deshalb, das Lesen einen besonderen 
Wert für Kinder und ihre geistige Entwicklung habe, Lesen ein 
hervorragendes Training für die grauen Zellen und die beste 
Alternative zum passiven Konsum von TV und Internet sei. (1012/A [E]) 
(Schluss)
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