• 09.03.2010, 14:17:29
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Frauenberger: Ehrenzeichen an Rudolf Sarközy und Edith Saurer

Verdienstzeichen der Republik Österreich an Renata M. Erich

Wien (OTS) - Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land
Wien überreichte Personalstadträtin Sandra Frauenberger dem Obmann
des Kulturvereins Österreichischer Roma, Professor Rudolf Sarközi, am
Dienstag im Wiener Rathaus. Frauenberger würdigte Sarközi als einen
Brückenbauer. Gerade im Kampf gegen Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit brauche es Gallionsfiguren wie Prof. Sarközi, so
die Stadträtin. Auch die Wiener Historikerin, Universitätsprofessorin
Edith Saurer wurde mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um
das Land Wien ausgezeichnet. Edith Saurers Arbeit zeichnet sich durch
die Etablierung neuer, oftmals origineller Perspektiven und Themen in
den Geschichtswissenschaften aus. Sie hat maßgeblich zur Etablierung
der Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Wien
beigetragen. Mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik
Österreich wurde die ehemalige Fernsehjournalistin Renata M. Erich
ausgezeichnet. Frau Erich war Gründungsmitglied des Roma-Vereins
"Romano Centro". Ihr besonderes Engagement galt der Organisation
einer Lernbetreuung für Roma-Schulkinder. ****

Sarközi, der 1944 im Konzentrationslager Lackenbach geboren wurde,
engagierte sich schon früh für die gleichberechtigte Anerkennung und
die Förderung der Identität der Volksgruppe der Roma. Sarközi gehörte
zu den Gründern des ersten Roma-Vereins im Jahr 1989 in Oberwart und
des in Wien ansässigen Kulturvereins Österreichischer Roma, dessen
Obmann er bis heute ist. Zu den Zielen des Vereins zählen die
Stärkung des Volksgruppenbewusstseins unter den Roma und Sinti, der
Erhalt von Sprache und Kultur, die Verbesserung der sozialen und
politischen Integration der Roma und Sinti, die wissenschaftliche
Erforschung von Geschichte und Kultur der Volksgruppe sowie die
Förderung von Kunst- und Kulturprogrammen.

Das wichtigste Ziel - die Anerkennung als österreichische
Volksgruppe - wurde durch einen Entschließungsantrag aller
Parlamentsparteien im Nationalrat im Oktober 1992 eingeleitet. Prof.
Sarközi war daran im Vorfeld federführend beteiligt. Im Dezember 1993
erlangte die Anerkennung offiziell Rechtskraft und 1995 konnte die
konstituierende Sitzung des Volksgruppenbeirates stattfinden. Zum
Vorsitzenden des achtköpfigen Gremiums wurde Prof. Rudolf Sarközi
gewählt.

Eine Reihe weiterer Aktivitäten gehen auf sein Bemühen zurück,
seiner Volksgruppe Gehör und Anerkennung zu verschaffen. Unter
anderem wurde 1996 die von ihm geleitete "Roma-Doku", eine
Informations-, Dokumentations- und Begegnungsstätte, eröffnet. Seit
1995 gibt es den "Roma Fonds" zur Förderung der Bildung von
Angehörigen der Volksgruppe. Auf Sarközis Initiative hin wurden an
mehreren Orten, so etwa in Lackenbach, Mauthausen und Auschwitz,
Mahnmale und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Vernichtung der Roma
im Nationalsozialismus errichtet sowie Ausstellungen und
Veranstaltungen initiiert.

Für sein konsequentes Engagement wurde Sarközi mit zahlreichen
Ehrungen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1999 das Goldene
Verdienstzeichen der Republik Österreich und das Goldene
Verdienstzeichen des Landes Wien, 2001 die "Solidar Silver Rose",
eine Auszeichnung der EU für Verdienste um die Menschenrechte und
2002 wurde ihm der Berufstitel "Professor" verliehen.

Stadträtin Frauenberger würdigte die Leistungen Sarközis in ihrer
Rede: "Professor Sarközi war und ist eine mahnende Stimme, niemals
den Schrecken des Nationalsozialismus zu vergessen. Gerade deshalb
setzt er sich so unermüdlich für den Zusammenhalt in unserer
Gesellschaft ein. Prof. Sarközi ist im wahrsten Sinne des Wortes ein
Brückenbauer." Gerade im Kampf gegen Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit brauche es Gallionsfiguren wie ihn, "die nicht
mit erhobenem Zeigefinger, sondern im Sinne von gegenseitigem
Verständnis und Respekt agieren und die ob ihrer klaren Botschaften
auch auf breites Gehör in der Bevölkerung stoßen", unterstrich
Frauenberger. "Gerade heute ist es ein Gebot der Stunde, entschieden
gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufzutreten", so
Frauenberger.

Edith Saurer - Doyenne der Geschlechter- und Frauenforschung

Univ.-Prof.in Dr.in Edith Saurer ist seit 1992 Professorin für
Neuere Geschichte an der Universität Wien, Gastprofessuren führten
sie nach Bielefeld, Neapel, Leipzig und an das European University
Institute in Florenz. Neben ihren umfangreichen Lehr- und
Forschungstätigkeiten leitete sie ab 1982 die Arbeitsgruppe Frauen-
und Geschlechtergeschichte, sie gründete die Zeitschrift "L'Homme"
mit, die nun "Europäische Zeitschrift für feministische
Geschichtswissenschaften" heißt, fungierte als Vorsitzende der
Kommission der Interuniversitären Koordinationsstelle für
Frauenforschung und ist Mitherausgeberin der Zeitschriften
"Historische Anthropologie" und "Wiener Zeitschrift für die
Geschichte der Neuzeit".

Im Rahmen der von ihr 1989 organisierten Ausstellung "Wer wählt,
gewinnt? 70 Jahre Frauenwahlrecht" wurde die schwere Zugänglichkeit
von Dokumenten zu weiblichen Alltags- und Lebensverhältnissen
evident, sodass sie kurzerhand die von der Stadt Wien teilgeförderte
"Sammlung Frauennachlässe" mitgründete. Dort sind mittlerweile 91
Nachlässe von Frauen (Tagebücher, Briefe, Fotos etc.) archiviert.

Letzthin (2007) publizierte Saurer in "Politiken der
Verwandschaft" über Beziehungsnetze, Geschlecht und Recht und widmet
sich ihrem Werk "Liebe und Arbeit. Geschlechtergeschichte in Europa
im 19. und 20. Jahrhundert". Für ihre vielseitigen Tätigkeiten
erhielt sie 1991 den Käthe-Leichter-Staatspreis und 1997 den
Gabriele-Possanner-Staatspreis. Auch ihre zahlreichen Bemühungen um
internationalen Dialog mit KollegInnen vor allem aus Italien und
Osteuropa sind hervorzuheben, was im Projekt "Netzwerkbildung
zwischen Ost und West" seinen Ausdruck fand.

"Nicht nur vergangene Generationen von Frauen verdanken Edith
Saurers Engagement eine Aufnahme in das Geschichtsbewusstsein,
sondern auch mehrere Generationen von Studentinnen und Studenten an
der Uni Wien, die sie mit ansteckender Begeisterung durch die
Geschichte und durchs Studium begleitete", erklärte Sandra
Frauenberger in ihrer Laudatio. "Durch die Erforschung früherer
Frauengenerationen geben sie diesen Frauen, ihren Rollen und ihren
Leistungen einen Platz in der Geschichte und retten sie vor dem
Vergessen. Uns allen geben Sie damit die Chance zu lernen. Die
Geschlechter- und Frauengeschichte zeigt Zusammenhänge auf, die uns
helfen, Machtstrukturen zu erkennen und sie ist schließlich auch die
Grundlage für ein neues Bewusstsein, um diskriminierende Strukturen
zu durchbrechen", so Frauenberger.

Renata M. Erich - Einsatz für Roma-Kinder

Die ehemalige Fernsehjournalistin Renate M. Erich hat für den
Wiener Roma-Verein "Romano Centro" seit dessen Gründung mit
unermüdlicher Energie gearbeitet. Als Vorstandsmitglied des Vereins
übernahm sie zunächst die Funktion einer Sozialreferentin, 1995 wurde
sie Schriftführerin. Bereits 1993 beendete Erich ihre Anstellung beim
Bayrischen Fernsehen, um sich ganztägig der Arbeit im "Romano Centro"
zu widmen. Unter ihrer Leitung entwickelte sich der Verein zu einer
effizienten Interessensvertretung der Roma und brachte es zu
internationalem Ansehen.

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war die Organisation
einer Lernbetreuung für Roma-Schulkinder durch mobile LernhelferInnen
bei den Familien zu Hause, an der derzeit über 60 StudentInnen und
150 Kinder beteiligt sind. Renata M. Erich war und ist für dieses
Projekt Initiatorin und treibende, aufrechterhaltende Kraft. Ihr
Engagement war von der Erkenntnis geleitet, dass wirkungsvolle und
nachhaltige Hilfe für unterprivilegierte Gruppen bereits bei den
Kindern ansetzen muss.

Sandra Frauenberger: "Frau Erich's Verdienste im Kampf gegen die
Marginalisierung von Roma-Kindern in der Gesellschaft und an den
Schulen können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Menschen wie
Sie, die sich für benachteiligte Gruppen einsetzen, um Ihnen den
sozialen Aufstieg zu erleichtern, und die sich für den Dialog, das
Miteinander und ein gutes, respektvolles Zusammenleben stark machen,
leisten für diese Gesellschaft unbezahlbare Dienste. Dafür möchte ich
Renata Erich heute auch namens der Stadt Wien auf's Allerherzlichste
danken." (Schluss) lac

Rückfragehinweis:
Büro Stadträtin Sandra Frauenberger
Mediensprecherin Mag.a Marianne Lackner
Tel.: +43 1 4000 81853
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/174

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