• 09.03.2010, 10:42:25
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WWF an ÖBB: Neue Führung muss Notbremse ziehen

Stoppt das Flusszerstörungs-Projekt am Tiroler Lech

Wien (OTS) - Trotz massiver Proteste von
Umweltschutzorganisationen, Wissenschaftlern und von der Enteignung
betroffenen Bauern halten die ÖBB an ihren Kraftwerksplänen im
Einzugsgebiet des Lechflusses in Vorarlberg fest. Die Projektgegner
haben den ÖBB bis zum 8. März Zeit gegeben, ohne Gesichtsverlust aus
dem umstrittenen Spullersee-Projekt auszusteigen. Dieses Ultimatum
ist abgelaufen. "Anlässlich der heutigen Aufsichtsratssitzung rufen
wir die neue Führung der ÖBB eindringlich dazu auf, die Notbremse zu
ziehen und von den Enteignungs-Plänen abzusehen und darüber hinaus
vom Projekt Spullersee Abstand zu nehmen", so WWF-Flussexperte
Christoph Walder.

Hält die ÖBB Bau AG an ihren Ausbauplänen für das Wasserkraftwerk
Spullersee fest, müssen 100 Bergbauern zwangsenteignet und massive
Eingriffe des Flussökosystems in Kauf genommen werden. "Es ist
ungeheuerlich, dass die ?saubere? Bundesbahn mit derartigen Mitteln
vorgeht, Bauern enteignen und Natur zerstören will!", ist Walder
empört.

Die ÖBB haben in einem Schreiben an die Umweltorganisationen WWF und
Greenpeace am 3. März bekräftigt, am Projekt festzuhalten. Für Ende
März 2010 sind deshalb Zwangsenteignungen an über 100 Bergbauern
zweier Alpgemeinschaften, die das Wasserrecht an den drei von den ÖBB
benötigten Lechquellen besitzen, zu erwarten. "Vom angeblichen
Bestreben nach einer gütlichen Einigung haben die betroffenen Bauern
bisher noch nichts gemerkt", kritisiert Walder.

Wird die Enteignung eingeleitet, so ist das ein unwiderruflicher
Schritt. Dann wird es kaum noch zu verhindern sein, dass dem Lech
jährlich 24 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen und ins
ÖBB-Kraftwerk Spullersee gepumpt werden. "Als Ausgleichsmaßnahmen für
die massiven Beeinträchtigungen im Oberlauf des Lechs durch das
Kraftwerk haben die ÖBB Flussbettaufweitungen im Unterlauf
angekündigt. Das ist, als würde man eine Hand erst amputieren und
danach die Finger maniküren", erklärt Walder.

Er kündigt an, dass der WWF und 10 weitere
Umweltschutzorganisationen, die am 25. Februar in Innsbruck ein
"Manifest für den Lech" verabschiedet haben, alle legitimen Mittel
des Widerstandes anwenden werden, sollten die ÖBB dieses Projekt
nicht zurückziehen.

Der Lech ist europaweit Referenz für ein alpines Wildflusssystem mit
natürlichen und naturnahen Gewässerabschnitten, Aulandschaften und
Schluchten. Er ist durch nationales und internationales
Naturschutzrecht streng geschützt.

Erst vor wenigen Jahren haben die ÖBB den Lech zum "Fahrziel Natur"
und als besonders schützenswert erklärt, erinnert Walder. Mit der
geplanten Erweiterung des Spullersee-Kraftwerks schaffen sie nun
einen Präzedenzfall für den weiteren rücksichtslosen
energiewirtschaftlichen Ausbau des Lechs und seines Einzugsgebietes.

Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 0676/83 488 203
Christoph Walder, WWF-Flussexperte, Tel. 0676/92 55 430

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/246

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