• 05.03.2010, 10:01:31
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Symposium und Wiener Vorlesung zum 100. Todestag von Karl Lueger

Zwiespältige Erinnerungen an den Wiener Bürgermeister (1844-1910) - Ausstellung von 10.3. bis 31.5. in der Wienbibliothek

Wien (OTS) - Eine bemerkenswerte Biographie des US-Historikers
John Boyer ("Karl Lueger. Christlichsoziale Politik als Beruf. Eine
Biographie", erschienen im Böhlau Verlag 2010), kommunale
Großprojekte, wie die Stadtbahn oder die zweite
Hochquellwasserleitung, aber auch regelmäßige Diskussionen im
Gemeinderat über die taktisch angelegte antisemitische Politik von
Bürgermeister Dr. Karl Lueger: Am 10. März widmet sich ein
interessant konzipiertes Symposium von 10.00 bis kurz vor 19.00 Uhr
der Person und dem (Nach)Wirken Luegers, unter dem die
Christlichsozialen zur Massenpartei wurden. Im Anschluss an das
Symposium , welches im Nordbuffet des Rathauses stattfindet, widmet
sich ab 19.00 Uhr im Festsaal des Rathauses auch noch eine Wiener
Vorlesung "Karl Lueger und seine Zeit in der Historiographie und
Geschichtspolitik des 21. Jahrhunderts" in Form einer
Podiumsdiskussion mit Margarete Grandner, Oliver Rathkolb, Heidemarie
Uhl und Manfried Welan. Die Moderation hat Hubert Christian Ehalt
inne.

Eröffnet wird das Symposium "Karl Lueger - Historische
Verhandlungen über Mythen und Perzeptionen" am 10.3. durch John Boyer
("Lueger and the ambivalent models of Vienna") ab 10.00 Uhr. Hernach
sind 3 Panel-Veranstaltungen vorgesehen, die "Lueger und die Künste",
"Politik" und "Konstruktion einer Biographie" thematisieren. Unter
den Wissenschaftlern, die sich zu Aspekten von Lueger äußern, finden
sich unter anderem Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos ("Warum eine
Karl-Lueger-Ausstellung in Wien überfällig ist"), Karlheinz
Rossbacher von der Uni Salzburg ("Die Geburt der Politik aus dem
Geist des Theaters. Die Rezeption Karl Luegers bei einigen
literarischen Zeitgenossen"), Wolfgang Maderthaner ("Die
Sozialdemokratie - Karl Lueger und die Politik der Massen") oder etwa
Heidemarie Uhl ("Die Wiederentdeckung Luegers nach 1945 und die
Konstruktion eines negativen Erinnerungsortes").

Der "Lueger-Tag" verdankt sich einer Zusammenarbeit der Wiener
Vorlesungen, des Institutes für Zeitgeschichte der Uni Wien und der
Wienbibliothek im Rathaus. Letztere bietet zum Thema einen virtuellen
Rundgang zu den Lueger-Beständen der Bibliothek an (10.3.-31.5.).

Daten zu Karl Lueger

Karl Lueger wurde am 24.10.1844 als Sohn eines Saaldieners am
Wiener Polytechnikum geboren. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend
besuchte er das Theresianum, danach studierte er Jus in Wien, 1874
eröffnete er als Rechtsanwalt seine Kanzlei. Bereits ein Jahr später
saß Lueger zuerst einmal nur für ein Jahr im Wiener Gemeinderat
(1875-1876), hernach wieder von 1878 bis 1910. Zwischen 1897 und
seinem Todesjahr 1910 war er Bürgermeister der damaligen
Residenzstadt Wien. 1893 gründete er die Christlichsoziale Partei,
die, gestützt auf dem kleinen und mittleren Bürgertum, rasch zur
gestalterischen Massenpartei wurde. Die Politik war antisemitisch
geprägt. Gegen Ende seiner Amtszeit erklärte er den Antisemitismus
als rein taktisches Instrument - "Wenn man aber einmal oben is`, kann
man ihn nimmer brauchen, denn des is a Pöbelsport!" - ebenso wie er
antiliberal versuchte, das Handwerk in Zeiten allgemeiner
Modernisierung zu schützen. Berühmt wurde Lueger vor allem aber durch
seine konsequente Kommunalisierungspolitik: So wurde die Gas- und
Elektrizitätsversorgung in den Besitz der Stadt Wien gebracht, die
zweite Hochquellwasserleitung eröffnet und das Versorgungsheim Lainz
sowie das Psychiatrische Krankenhaus am Steinhof, welches damals ein
europaweites Vorzeigeprojekt war, errichtet. Auch die Stadtbahn und
ein massiver Ausbau der Straßenbahn fallen in seine Amtszeit. Laut
Historischem Lexikon Wien von Felix Czeike zählen zu den nicht
ausgeführten Projekten Luegers der Bau einer elektrischen U-Bahn, ein
Museumsviertel auf der Schmelz und eine Moschee für bosnische
Soldaten. Am 10.3.1910 verstarb Lueger an einer fortgeschrittenen
Zuckerkrankheit. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof, in der
Bürgermeister-Gruft der populär so benannten Lueger-Gedächtniskirche
(eigentlich: Karl Borromäus-Kirche) begraben.

Infos zu den Veranstaltungen auch unter: www.wienbibliothek.at
und www.wienervorlesungen.at

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) hch

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   Mag. Hans-Christian Heintschel 
   Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53)
   Telefon: 01 4000-81082
   Mobil: 0676 8118 81082
   E-Mail: [email protected]

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