Wien (OTS/WIFO) - Wie kein anderes Land tritt Österreich schon
seit Anfang der 1990er-Jahre als starker Investor in Mittel- und
Osteuropa auf - bis zum Jahr 2000 vor allem auf den nahegelegenen
Märkten, seither auch in den anderen Ländern der Region mit höherem
Risiko. Die Marktposition ist außerordentlich gut und stabil, die
Ertragskraft entwickelt sich schon seit Mitte der 1990er-Jahre
überdurchschnittlich. Eine wichtige Rolle spielen die
Ostbeteiligungen des österreichischen Finanzsektors. Für Unternehmen
sind Direktinvestitionen ein wichtiges Instrument zur Erschließung
und Sicherung neuer Märkte, aber auch zur Nutzung niedriger
Produktionskosten im Ausland und zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit. Befürchtungen, dass mit der Direktinvestition
im Ausland eine Verringerung der Beschäftigung in den heimischen
Mutterunternehmen einhergehen würde, werden durch eine Analyse des
WIFO nicht bestätigt.
Die aufstrebenden Märkte in Mittel- und Osteuropa eröffneten vor
allem österreichischen Unternehmen viele Chancen zur Expansion des
Geschäftsfeldes. Immer mehr Unternehmen exportieren nicht nur auf
diese Märkte, sondern gründen Tochterunternehmen zur Erschließung und
Sicherung der neuen Märkte, aber auch zur Nutzung der niedrigen
Produktionskosten und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
Österreichische Unternehmen nutzten die Investitionschancen dabei
früher als die internationale Konkurrenz und investierten bereits
1990 rund 0,3 Mrd. Euro in den mittel- und osteuropäischen Ländern
(MOEL). Seit 2000 verstärkte sich die Direktinvestitionstätigkeit in
der Region erheblich: Die jährlichen Investitionen erhöhten sich von
2,5 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf über 5 Mrd. Euro nach 2005 und
erreichten im Jahr 2008 10,7 Mrd. Euro. Der Bestand an
österreichischen Direktinvestitionen in den MOEL stieg von 0,4 Mrd.
Euro 1990 auf 51,1 Mrd. Euro 2007. Dieser Wert entspricht knapp 50%
der gesamten Direktinvestitionen Österreichs im Ausland. Die
österreichische Investitionstätigkeit ist damit auch im
internationalen Vergleich außerordentlich stark auf die MOEL
konzentriert.
Bis Mitte der 1990er-Jahre lag das Interesse der österreichischen
Investoren vor allem in Ungarn, danach wurden insbesondere Tschechien
und Polen zu wichtigen Zielländern. Ab 2002 verlagerte sich die
Investitionstätigkeit auf Bulgarien und Rumänien und seit 2005
vermehrt auch auf Südosteuropa und die anderen MOEL und damit
teilweise auch auf Märkte mit erhöhtem Risiko.
Österreichische Unternehmen haben bisher vom Engagement in den
MOEL profitiert und durch die starke Investitionstätigkeit das
Nachfragepotential der Region hervorragend genutzt. Die Finanzmarkt-
und Wirtschaftskrise brachte einen Rückschlag: Die
Investitionstätigkeit verlor schon im Jahresverlauf 2008 an Dynamik
und brach im Jahr 2009 ein. In den ersten drei Quartalen 2009 betrug
der Wert der Neuinvestitionen in den MOEL 20 nur mehr rund 0,7 Mrd.
Euro.
Die Entwicklung der Direktinvestitionstätigkeit in Mittel- und
Osteuropa wurde vor allem durch die Ostbeteiligungen des
österreichischen Finanzsektors (Banken, Versicherungen), des
Einzelhandels und der Unternehmensdienste getragen. Seit 2000 ist
eine außerordentliche Expansion des österreichischen Banken- und
Versicherungssektors in der Region zu beobachten. Im Jahr 2007
entfiel bereits mehr als die Hälfte des Direktinvestitionsbestandes
in Mittel- und Osteuropa auf diesen Sektor. Innerhalb der
Sachgütererzeugung kommt die größte Bedeutung der Chemie-, Mineralöl-
und Kunststoffindustrie, der Nahrungsmittelindustrie und der Glas-
und Steinwarenindustrie zu.
Der Marktanteil Österreichs an den weltweiten Direktinvestitionen
in Mittel- und Osteuropa betrug in den meisten Jahren seit 2000 rund
8%. Österreich ist damit einer der führenden Investoren in der
Region. In Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Rumänien und
Bulgarien erreicht Österreich den 1. Rang, in Ungarn, Tschechien und
der Slowakei den 3. Rang. Die Ertragslage der österreichischen
Tochterunternehmen in Mittel- und Osteuropa entwickelt sich schon
seit Mitte der 1990er-Jahre außerordentlich gut. Die
Eigenkapitalrentabilität war mit 14,5% im Jahr 2007 deutlich höher
als die der österreichischen Direktinvestitionen im Euroraum (6,4%).
Im Jahr 2007 waren insgesamt 407.905 Arbeitskräfte in den
Tochterunternehmen österreichischer Investoren in den MOEL
beschäftigt. Dies entsprach rund 12% der gesamten unselbständigen
Beschäftigung in Österreich. Im Zeitraum 1993 bis 2007 stieg die
Beschäftigung österreichischer Tochterunternehmen in den MOEL um
16,1% pro Jahr und hat sich damit verachtfacht.
Begleitet werden diese Entwicklungen von Befürchtungen, dass mit
dem Aufbau von Beschäftigung in den Auslandstochterunternehmen auch
eine spürbare Verringerung der Beschäftigung im Inland einhergehen
könnte. Die Beschäftigungseffekte der Direktinvestitionstätigkeit im
Ausland sind aber keineswegs eindeutig. Dem Abbau von Arbeitsplätzen
durch Produktionsverlagerung stehen gemäß der bisher vorliegenden
Literatur positive wie auch teils (schwach) negative Effekte
gegenüber. So steigert das Engagement in den MOEL die
Wettbewerbsfähigkeit vieler heimischer Unternehmen und sichert damit
auch Arbeitsplätze. Marktorientierte Direktinvestitionen im Ausland
sind eine wichtige Basis für Exporterfolge auf den Auslandsmärkten.
Eine aktuelle WIFO-Studie auf Basis verbesserter Methoden und anhand
von Unternehmensdaten kommt zum Ergebnis, dass mit der Expansion auf
die mittel- und osteuropäische Märkte insgesamt keine negativen
Beschäftigungseffekte in den österreichischen Mutterunternehmen
verbunden waren.
Übersicht 1: Entwicklung der aktiven Direktinvestitionen Österreichs
- auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Übersicht 2: Österreichs Position unter den Top-10-Investoren in
Mittel- und Osteuropa im Jahr 2007 - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Abbildung 1: Regionale Gliederung der aktiven Direktinvestitionen
Österreichs in den MOEL - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
2/2010,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=38387&typeid=8&d
isplay_mode=2.
Rückfragehinweis:
Mag. Yvonne Wolfmayr
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-253 * Fax. +43 1 798 93 86
Yvonne.Wolfmayr@wifo.ac.at
http://www.ots.at/pressemappe/235
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OTS0023 2010-03-04/09:00
040900 Mär 10
WFO0001 0817