- 04.03.2010, 07:56:58
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bodenseer gestärkt, die Kammer nicht" (Von PETER NINDLER)
Ausgabe vom 4. März 2010
Innsbruck (OTS) - Dass nur 36 Prozent der Unternehmer ihre
Interessenvertretung wählten, schmälert den Erfolg Bodenseers.
Jürgen Bodenseer (63) darf zufrieden sein: Als Tiroler
Wirtschaftskammerpräsident ist er anerkannt, als Interessenvertreter
und Sozialpartner geschätzt und als hochrangiger VP-Funktionär traut
er sich auch gegenüber der eigenen Partei aufzubegehren wie zuletzt
beim Grundverkehrs- und Agrargesetz. VP-intern gilt er als
Querdenker, was einem Kompliment sehr nahekommt. Das hervorragende
Wahlergebnis für den Wirtschaftsbund bei der Wirtschaftskammerwahl
mit 80,2 Prozent ist deshalb auch eine Auszeichnung für Bodenseer,
der die heterogene VP-Teilorganisation seit 20 Jahren anführt.
So stark das Ergebnis für Bodenseer ist, so schwach war das
Engagement der Unternehmer selbst. Denn mit der auf 36 Prozent
gesunkenen Wahlbeteiligung schwächen sie ihre Interessenvertretung in
der Öffentlichkeit und im politischen Kräfteparallelogramm. Die
Mobilisierungsschwäche bleibt der Klotz am Bein der
Wirtschaftskammer. Ausreden, dass Tirol im Bundesländervergleich
ohnehin besser dastehe oder der Konkurrenzkampf gefehlt habe, sind
fehl am Platz: Denn das Recht zu wählen, beinhaltet auch die
staatsbürgerliche Pflicht, sich an demokratischen Vorgängen zu
beteiligen.
Interessenvertretungen benötigen letztlich alle fünf Jahre die
Legitimation ihrer Mitglieder: Je höher diese ausfällt, desto stärker
kann sie auftreten. Deshalb kann ein Absacken der Wahlbeteiligung auf
Hochschülerschaftsniveau von 25 Prozent wohl kein Ziel sein.
An der Mobilisierung scheiterten auch die Herausforderer des
Wirtschaftsbundes: Die Zugewinne der Freiheitlichen können als mäßig
bis enttäuschend eingestuft werden. Zwischen HC Straches Populismus
und unternehmerischen Realitäten klaffen doch Welten. Dass die Grünen
vor den Sozialdemokraten liegen, ist lediglich ein marginaler Erfolg.
Die Verluste der SPÖ reihen sich hingegen nahtlos in die
Niederlagenserie der vergangenen Monate ein.
Rückfragehinweis:
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