• 11.02.2010, 09:00:13
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Wirtschaft belebt sich weiter

Wien (OTS/WIFO) - Die langsame Erholung der Wirtschaft, die seit
einigen Monaten zu verzeichnen ist, setzt sich fort. In allen
wichtigen Wirtschaftsräumen zeigen die Indikatoren eine Verbesserung
an. Diese positive Tendenz dürfte in den kommenden Monaten zwar
anhalten, doch muss immer wieder mit kleinen Rückschlägen gerechnet
werden. Bislang fehlen Hinweise auf eine selbsttragende
Stabilisierung. Die Wachstumsimpulse gehen nach wie vor von den
Maßnahmen der öffentlichen Hand aus. Auch in Österreich verstärkt
sich die Wirtschaftsaktivität zunehmend. Die angespannte Lage auf dem
Arbeitsmarkt stabilisierte sich gegen Ende 2009 vorübergehend. Im
Jänner hatte allerdings das kalte Wetter einen Rückgang der
Beschäftigung und einen Wiederanstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge.

Gemäß den internationalen Umfragen unter Unternehmen und privaten
Haushalten verbessert sich die Stimmung seit dem Tiefpunkt der Krise
im 1. Halbjahr 2009 kontinuierlich. In den USA stieg der Purchasing
Manager Index des ISM im Jänner 2010 auf den höchsten Stand seit
2004. Auch das Verbrauchervertrauen nahm im Jänner 2010 weiter zu.
Die Wirtschaft der USA wuchs im IV. Quartal 2009 außerordentlich
kräftig (real +1,4% gegenüber der Vorperiode). Der Hauptimpuls ging
dabei von der Lagerveränderung aus, aber auch der private Konsum
gewann an Dynamik. Der Außenbeitrag wie auch die Anlageinvestitionen
stiegen hingegen kaum. Kritisch erscheinen in den USA die Entwicklung
auf dem Arbeitsmarkt - die Arbeitslosenquote erhöhte sich wie im
Euro-Raum auf 10% und sank erst im Jänner wieder etwas auf 9,7% - und
das enorme Defizit des öffentlichen Sektors.

Im Euro-Raum deuten nahezu alle Konjunkturindikatoren auf eine
weitere Expansion hin. Bereits im Dezember 2009 und noch stärker im
Jänner 2010 überwog die Zahl der Unternehmen, die für die kommenden
drei Monate eine Produktionssteigerung erwarteten. Die
Industrieproduktion erholt sich seit einigen Monaten, jedoch viel
langsamer, als es in den Umfragewerten zum Ausdruck kommt. Die Lage
auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich anhaltend. Im Dezember 2009
stieg die Arbeitslosenquote auf 10,0% und war damit gleich hoch wie
in den USA. Die Inflation zog leicht an (auf 1,0%); sie liegt seit
mehr als einem Jahr deutlich unter dem von der EZB vorgegebenen
Höchstwert von 2%.

Auch in Österreich überwiegt in den Umfragen mittlerweile wieder
die Zahl der Unternehmen, die in den kommenden Monaten eine
Produktionssteigerung erwarten. Im WIFO-Konjunkturtest vom Jänner
2010 waren sogar die Kfz-Hersteller wieder deutlich optimistischer.
Die Kapazitätsauslastung stieg in der Sachgütererzeugung laut
Befragung auf über 76%; den niedrigsten Wert hatte sie mit 73,1% in
der April-Umfrage 2009 erreicht, im Durchschnitt der letzten fünf
Jahre war sie bei etwas über 81% gelegen.

Im IV. Quartal 2009 dürfte die österreichische Wirtschaftsleistung
abermals ausgeweitet worden sein. Der Index der Industrieproduktion
hatte weiter steigende Tendenz, wenngleich er im November etwas
niedriger war als im Oktober.

In der Bauwirtschaft fehlen hingegen Hinweise auf eine Erholung
weitgehend. Zwar entwickelte sich der Hochbau laut den
Unternehmensumfragen seit Mitte 2009 günstiger, im Tiefbau
verschlechterte sich die Situation hingegen kontinuierlich. Für den
Jänner 2010 ist aufgrund des kalten Wetters mit keiner wesentlichen
Besserung zu rechnen.

Vor dem Hintergrund der angespannten internationalen
Konjunkturlage war der heimische Tourismus 2009 erfolgreich. In der
Sommersaison sank die Zahl der Nächtigungen wegen der Preisnachlässe
der Anbieter nur leicht. In den ersten zwei Monaten der Wintersaison
(November und Dezember 2009) zeigte sich ein ähnliches Bild, die
österreichischen Betriebe gewannen deutlich Marktanteile.

Der Preisauftrieb verstärkte sich in den letzten Monaten wieder,
im Dezember erreichte die Inflationsrate 1%. Mitte 2009 war sie durch
den Rückgang der Rohölnotierungen negativ gewesen.

Während sich die Arbeitsmarktindikatoren in den vergangenen
Monaten gegenüber dem Vorjahr noch anhaltend verschlechterten, war im
Vergleich mit der jeweiligen Vorperiode keine weitere Verschärfung
festzustellen. Erst im Jänner erhöhte sich wegen des für die
Bauwirtschaft ungünstigen Wetters wieder die Zahl der Arbeitslosen,
und auch die Beschäftigung nahm ab. Die unbereinigte
Arbeitslosenquote stieg gemäß der österreichischen Definition auf
8,9%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen"
gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine relative Veränderung gegenüber der gleichen
Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Konsumentenpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen,
sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragehinweis:
Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235

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