OTS0092 / 08.02.2010 / 11:32 / Channel: Wirtschaft / Aussender: ÖGB Österreichischer Gewerkschaftsbund
Stichworte: Arbeitsmarkt / Gewerkschaften / Soziales


Kaske zu Hundstorfer: Mehr als die Hälfte der ArbeitnehmerInnen pendelt

Utl.: Situation am deutschen Arbeitsmarkt nicht mit Österreich vergleichbar =


   Wien (OTS/ÖGB) - Die Aussagen von Sozialminister Rudolf
Hundstorfer zur angeblich mangelnden Mobilität der Arbeit Suchenden
in Österreich weist Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida
und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher, zurück. Hundstofer hatte in einem
Interview mit der Zeitung "Die Presse" die Mobilität der Deutschen im
Vergleich zu jener der ÖsterreicherInnen gelobt. Kaske: "Die
wirtschaftliche Situation im Osten Deutschlands ist eine völlig
andere als hierzulande. Es ist klar, dass man eher zum Auswandern
bereit ist, wenn die Perspektiven im eigenen Land gegen Null
tendieren. Erfreulicherweise ist das bei uns nicht der Fall."++++
Ein schlecht bezahlter Job in einer anderen Region oder gar kein Job,
das seien im Osten Deutschlands oft die einzigen Alternativen. Das
gelte auch für die 15- bis 19-Jährigen, deren Arbeitslosenrate
besonders hoch sei. "Hierzulande ist die Situation, auch dank der
überbetrieblichen Ausbildungsgarantie und vieler anderer Maßnahmen,
nicht so dramatisch", so Kaske. Dazu komme, dass die angebotenen
Lehrstellen im Hotel- und Gastgewerbe beim Berufswunsch der
Jugendlichen oft bestenfalls zweite Wahl seien. "Angesichts der
unattraktiven Arbeitsbedingungen und der häufigen Missachtung der
Jugendschutzbestimmungen, für welche die Branche bekannt ist,
verwundert das nicht", so Kaske. Bei einer Befragung der Gewerkschaft
vida im Jahr 2008 haben drei Viertel der Lehrlinge unter 18 aus dem
Hotel und Gastgewerbe angegeben, dass sie jeden Monat Überstunden
leisten müssten - obwohl dies gesetzlich nicht zulässig ist. Auch die
Abend- und Nachtruhe wird häufig missachtet. "Welche Mutter, welcher
Vater eines 15-Jährigen aus Wien oder Niederösterreich wird
angesichts derartiger Zustände sein Kind nach Tirol in die Lehre
schicken?", meint Kaske.
Auch für "ältere" ArbeitnehmerInnen lässt Kaske Hundstorfers Aussagen
nicht unwidersprochen. "Das Wifo hat erst gestern darauf verwiesen,
dass mehr als die Hälfte der ArbeitnehmerInnen in Österreich
pendelt." ArbeitnehmerInnen, die innerhalb Österreichs auf Saison
gingen, seien häufig mit sehr hohen Mobilitätskosten konfrontiert.
"Die Miete für die Wohnung am Herkunftsort muss weiterbezahlt werden.
Mit dem mäßigen Lohn aus einem Saisonjob ist das alles andere als
einfach." Als für Arbeitslose sehr hoch sieht Kaske auch die Kosten
für eine gänzliche Übersiedlung in eine andere Region an. "Die
Übersiedlungsbeihilfe in Höhe von maximal 4.632 Euro, auf die der
Sozialminister gern verweist, ist da bestenfalls ein Tropfen auf den
heißen Stein", so Kaske abschließend.
ÖGB, 8. Februar 2010
Rückfragehinweis:
   vida Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
   Martina Fassler
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