OTS0012 / 04.02.2010 / 08:13 / Channel: Politik / Aussender: Tiroler Tageszeitung
Stichworte: Politik / Pressestimmen / Vorausmeldung


"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Denn sie haben gar nichts gelernt!" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Utl.: Ausgabe vom 4. Jänner 2010 =


   Innsbruck (OTS) - Obwohl die Krise noch nicht überwunden ist,
schanzen sich US-Banker Boni zu. Das ist blanker Hohn.
   Nur langsam erholt sich die Weltwirtschaft vom Krisenjahr 2009.
Die Konjunkturkurve zeigt zwar in vielen Ländern - dazu zählt auch
Österreich - leicht nach oben, durchwandert aber ist die Talsohle
noch lange nicht. Vor allem am Arbeitsmarkt werden die Auswirkungen
noch lange zu spüren sein. Als eine der vielen Konsequenzen aus dem
Finanzkollaps des Vorjahrs wird die Zahl der Arbeitslosen in den
nächsten beiden Jahren nochmals deutlich ansteigen.
   Vor diesem Hintergrund ist es blanker Hohn, dass die
amerikanischen Banker und Versicherungsmanager sich wieder
Bonuszahlungen zuschanzen, als ob nichts geschehen wäre. Als ob die
weltweite Finanzkrise, die in Amerika ihren Ausgang genommen hat, nie
stattgefunden hätte. Der Versicherer AIG zum Beispiel, eben erst mit
182 Milliarden Dollar aus dem Staatshaushalt vor der Pleite gerettet,
schüttet 100 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter aus, die Bank of
America hat ihren Investmentbankern und Händlern im Vorjahr sogar
vier Milliarden Dollar ausbezahlt. Bonuszahlungen für Misswirtschaft?
Es scheint, dass die Verantwortlichen aus den Vorgängen nach dem
Lehman-Konkurs nichts, aber auch gar nichts gelernt hätten.
   US-Präsident Barack Obama hat mehrfach angekündigt, den riskanten
Spekulanten an der Wall Street das Handwerk legen zu wollen. Bislang
ist davon wenig zu spüren. Es wird Zeit, dass den großen Worten des
mächtigsten Mannes der Welt auch entsprechende Taten folgen. Sonst
zerbröselt das Bild Obamas, bevor die Farbe trocken ist.
Gelegenheit zu zeigen, dass es ihm ernst ist mit seinen
Ankündigungen, hätte Obama beim Versicherer AIG. Der befindet sich
seit der spektakulären Rettungsaktion zu 80 Prozent in Staatsbesitz.
Also könnte der erste Repräsentant des Staates auch dafür sorgen,
dass die Bonuszahlungen eingestellt werden.
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