- 29.01.2010, 13:56:01
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Mailath-Pokorny überreicht hohe Ehrungen für Historiker Hodik und Steiner
Wien (OTS) - Courage, Respekt und Toleranz: Als Historiker, die
Anfang der 90er Jahre die Grundlagen vieler weiterer
Restitutionsverhandlungen schufen bzw. beförderten, hätten sich beide
Wissenschaftler, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny am Freitag
im Rathaus, "große Verdienste für Wien, aber auch für die
Gesellschaft erworben." Hofrat Dr. Avshalom Hodik, langjähriger
Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, wurde für seine
Verdienste mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber,
Hofrat Dr. Hubert Steiner vom Österreichischen Staatsarchiv mit dem
Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien in Anwesenheit
vieler Festgäste, darunter auch der Generalsekretärin des
NS-Opferfonds, Hannah Lessing, geehrt.
Hodik wie auch Steiner spielten Anfang der 90er Jahre, als die
Aufarbeitung der Akten der ehemaligen NS-Vermögensverkehrsstelle von
Steiner und seinem Team durchgeführt worden war (1993), eine wichtige
Rolle für die Einleitung nachfolgender Restitutionsverfahren, wie
auch dabei, die "lange Zeit übertünchter Brüche und Verwerfungen"
(Pokorny) in Sachen Österreichs Stellung in der NS-Zeit offenzulegen.
"Es war keine leichte Zeit, auch nicht für die eigene Familie",
erinnerte sich Steiner in seiner Dankesrede, in der er auch mit einer
Schweigeminute an die Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee
am 27. Jänner 1945 erinnerte. Nach der Waldheim-Affäre Mitte der 80er
Jahre war es die Regierung Vranitzky - Pokorny arbeitete damals im
Kabinett des Bundeskanzlers -, welche die "Opferrolle" Österreichs
hinterfragte und mit der Rückgabe geraubten jüdischen
Privatvermögens, etwa jener Güter, die in der Kartause Mauerbach
aufbewahrt wurden, begann. Auch die Stadt Wien habe, so Pokorny
weiter, in den darauf folgenden Jahren ihre historischen Bestände
gesichtet: Von den rund 60.000 Objekten wurden bislang etwa 5.000
Objekte an Erben zurück gegeben. Einen Schlussstrich setzen wolle er
nicht, so Pokorny, "die Forschung müsse weiter gehen." In Richtung
Hodik hob der Stadtrat hervor, dass dieser maßgeblich an der
Wiederbelegung eines lebendigen, selbstbewussten jüdischen Lebens in
Wien mitgewirkt habe. Ähnlich äußerte sich auch Lorenz Mikoletzky,
Leiter des Österreichischen Staatsarchives, der die Laudatio für
Hodik hielt. "Vieles sei hinter dem Vorhang geschehen", erinnerte
Mikoletzky, der auch an das reiche wissenschaftliche Schaffen des
Geehrten erinnerte, "welches sicherlich noch weitergehen werde."
Für "jenen kleinen Mann mit Schnurrbart" - diese Beschreibung
über Hubert Steiner stammt von Ari Rath, der durch eine Verletzung
die Laudatio nicht halten konnte - übernahm der Regisseur Herbert
Gantschacher die Laudatio. In engagierten Worten, die an das
Fortleben von Antisemitismus in der Gegenwart erinnerten, betonte
Gantschacher das große Engagement des Historikers im Staatsarchiv,
der "sachlich und präzise" die Raubzüge an zehntausenden verfolgten
jüdischen Mitbürgern aufgearbeitet, und das Ergebnis 1993 unter dem
Titel "Recht als Unrecht" publiziert habe.
Daten zu Avshalom Hodik
Geboren als Fritz Peter Hodik am 2. April 1944 in Wien,
studierte Hodik an der Universität Wien Geschichte und Judaistik,
unter anderem auch bei Kurt Schubert. Das Studium schloss er 1972 mit
einer Dissertation über die Geschichte der Mattersburger
Judengemeinde ab. Im Jahr 1982 wurde Hodik Generalsekretär der
Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Eine enge Freundschaft zu Simon
Wiesenthal und sein Engagement für dessen "Bund jüdischer Verfolgter
des Naziregimes" führten dazu, dass sich Hodik für den Nachlass
Wiesenthals für die Forschung einsetzte bzw. für die Schaffung des
"Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien" eintrat. Im
Frühjahr 2006 ging Hodik als Generalsekretär der Kultusgemeinde in
Pension.
Daten zu Hubert Steiner
Steiner wurde am 28. September 1957 in Klagenfurt geboren. In
Graz studierte er Geschichte, Alte Geschichte und Altertumskunde. Das
Studium beendete er mit einer Dissertation über Klagenfurt im Ersten
Weltkrieg. Im Jahr 1987 trat Steiner in das Österreichische
Staatsarchiv ein, wo er den Bestand "Finanzen" im Archiv der Republik
betreut. Neben seiner Aufarbeitung der Akten der
NS-Vermögensverkehrsstelle arbeitete Steiner in den Jahren 1998 bis
2003 auch bei der Österreichischen Historikerkommission mit. Steiner
ist Träger der Friedrich-Torberg-Medaille der Israelitischen
Kultusgemeinde (1999), wie auch des Goldenen Ehrenzeichens für
Verdienste um die Republik Österreich (2002). (Schluss) hch
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