OTS0305 / 18.01.2010 / 19:46 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Lupac-Stiftung / Parlament / Prammer / Sickinger / Stourzh / Wissenschaftspreis


Prammer überreicht Wissenschaftspreis 2009 der Lupac-Stiftung Stourzh und Sickinger für ihre Forschungsarbeiten ausgezeichnet =


   Wien (PK) - Sowohl im Bereich der Parteienfinanzierung als auch im 
Bereich der Politikereinkommen, sei man, was Transparenz betrifft, 
"noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt". Das erklärte 
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute anlässlich der 
Überreichung des Wissenschaftspreis 2009 der Margaretha Lupac-
Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie im Parlament. Es brauche 
in zweifacher Hinsicht eine andere Kultur in Österreich, mahnte sie. 
Es solle, so Prammer, keine Sorge und Angst vor dem Offenlegen geben, 
ebenso sei aber auch eine allgemeine Akzeptanz politischer Parteien 
und von PolitikerInnen erforderlich.
Ausgezeichnet mit dem mit 15.000 € dotierten Wissenschaftspreis der 
Lupac-Stiftung wurden der Historiker Gerald Stourzh und der 
Politikwissenschafter Hubert Sickinger. Das Kuratorium der Stiftung 
sei damit, unterstrich Prammer, einem einstimmigen Vorschlag der Jury 
gefolgt. Stourzh, ein Doyen der österreichischen Geschichtsforschung, 
beschäftigte sich in seiner Lehrtätigkeit und seinen 
Forschungsarbeiten mehr als 50 Jahre lang mit Demokratie, Verfassung, 
Diktatur sowie Menschen- und Bürgerrechten. Sickinger ist vor allem 
als Experte für das Thema Parteienfinanzierung in der Öffentlichkeit 
bekannt, befasst sich aber auch generell mit der Rolle von Parteien, 
etwa in der Lokalpolitik. 
Jurymitglied Sonja Puntscher-Riekmann nannte in ihrer Laudatio Gerald 
Stourzh einen außergewöhnlichen Menschen und Wissenschafter, dessen 
Leben von großer Mobilität und zahlreichen Begegnungen geprägt worden 
sei und dessem umfangreichen Werk sie in ihrer Rede nicht annähernd 
gerecht werden könne. Der Wissenschaftspreis werde nicht nur einem 
großen Historiker verliehen, bekräftigte sie, sondern auch einem 
wichtigen österreichischen Intellektuellen im klassischen Sinn des 
Wortes.
Jury-Vorsitzender Manfried Welan hob hervor, den zweiten Preisträger 
Hubert Sickinger habe das Thema politische Partei seit seiner 
Dissertation nicht mehr losgelassen. Seine Arbeit sei nicht nur von 
Sachlichkeit und Genauigkeit geprägt, sondern auch von 
wissenschaftlicher Leidenschaftlichkeit, meinte er. Sickinger befasse 
sich mit vielen verschiedenen Aspekten des Themas Parteien und sei 
auch ein ausgewiesener internationaler Experte auf dem Gebiet der 
Korruptionsbekämpfung.
Gerald Stourzh wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass seine 
Beziehung zum österreichischen Parlament im Winter 1950/51 begonnen 
habe, als er in der Parlamentsbibliothek für eine wissenschaftliche 
Arbeit recherchierte. Mit der aktuellen Politik setzte er sich 
überaus kritisch auseinander und beklagte unter anderem eine 
"Privatisierung der Geister". Er ortet zunehmenden Egoismus und 
"Wurschtigkeit" gegenüber öffentlichen Belangen und prangerte in 
diesem Zusammenhang auch die Geringschätzung rechtlicher Vorschriften 
an. Dem Parlament maß er die wichtige Aufgabe zu, über die 
Verständlichkeit der Gesetzessprache und die Transparenz der 
Gesetzgebung zu achten, wobei er in diesem Zusammenhang Kritik an 
umfangreichen Sammelgesetzen übte. Eine fortgesetzte Diskussion 
wünscht sich Stourzh über das vom Politikwissenschafter Klaus Pojer 
angeregte Modell eines minderheitenfreundlichen Mehrheitswahlrechts.
Hubert Sickinger mahnte eine grundsätzliche Diskussion über die 
Spielregeln für Parteienfinanzierung in Österreich ein. Er sei kein 
Kritiker der Parteienfinanzierung aus öffentlichen Hand, versicherte 
er, es gehe aber um die Frage der angemessenen, ausgewogenen 
Finanzierung, um Kontrolle und Transparenz sowie gegebenenfalls um 
Sanktionen. Sein allgemeines Interesse am Thema Parteien begründete 
der Politikwissenschafter unter anderem damit, dass diese spannende 
Organisationen seien, die über weite Strecken auf ehrenamtlicher 
Basis funktionierten.
Der Wissenschaftspreis der beim Parlament eingerichteten Lupac-
Stiftung wurde 2009 bereits zum dritten Mal verliehen. 
PreisträgerInnen im Jahr 2005 waren Patricia Heidl für ihre 
Dissertation zum Parteienbegriff und ein Autorenteam rund um Wolfgang 
C. Müller für eine Publikation über die österreichischen 
Abgeordneten. 2007 wurden eine Publikation von Emmerich Talos und 
Herbert Obinger zum Politikwechsel des Jahres 2000 und die 
Dissertation von Astrid Dietrich über Medien und EU ausgezeichnet.
Wie Nationalratspräsidentin Prammer bei der Preisübergabe betonte, 
hätte Margaretha Lupac, die der Republik Österreich in besonderer 
Weise verbunden gewesen ist und ihr Vermögen in der Höhe von rund 1,5 
Mill. € dem österreichischen Parlament vermacht hat, im Jahr 2010 
ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Heuer hat die Stiftung wieder 
einen Demokratiepreis ausgeschrieben. Nähere Informationen dazu gibt 
es auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at). Bewerbungen 
sind noch bis zum 31. März möglich. (Schluss)
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zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum: 
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