- 07.01.2010, 16:54:16
- /
- OTS0171 OTW0171
"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Pfusch-Boom in Krisenzeiten" (Von ALOIS VAHRNER)
Ausgabe vom 8. Jänner 2010
Innsbruck (OTS) - Mit der Arbeitslosigkeit nimmt fast automatisch
auch der Pfusch zu. Um die Schwarzarbeit zu bremsen, wäre der Staat
gefordert.
Auch in Hochkonjunktur-Zeiten, aber ganz speziell während einer
Wirtschaftskrise: Der Pfusch ist und bleibt nicht nur in Österreich
die Boombranche schlechthin. Die Schwarzarbeit hat im längerfristigen
Vergleich doppelt bis dreimal so hohe Wachstumsraten wie die legale
Wirtschaft. In den letzten 20 Jahren haben sich die Pfusch-Umsätze
verzehnfacht.
Die Schätzungen reichen von 500.000 bis 700.000 Österreichern, die
sich zumindest hie und da "schwarz" ihren Verdienst aufbessern. Die
Zahl ihrer Auftraggeber, die es lieber ohne Rechnung wollen, liegt
noch deutlich höher.
Bisher haben weder Appelle noch schärfere Kontrollen dem Pfusch
wirklich etwas anhaben können. Und das liegt auch im System. Ein
Beispiel: Wenn ein Pfuscher 20 Euro pro Stunde kostet, eine Firma
aber 60 bis 70 Euro für die Handwerkerstunde verrechnet (und dem
Handwerker selbst netto meist nicht einmal die Hälfte des
Pfusch-Lohnes bleibt) ist der Pfusch-Anreiz für beide Seiten zu groß.
Wie Umfragen zeigen, wird der Pfusch bei der Mehrheit der Bevölkerung
als Kavaliersdelikt und als Notwehr gegen den als unverschämt
angesehenen Zugriff des Staates gesehen. Und viele könnten sich -
gerade in Zeiten von Krise und kräftig steigenden Arbeitslosenzahlen
- die regulären Preise auch gar nicht leisten. Und so lange werden
auch Strafen wenig nützen. Um Schwarzarbeit einzubremsen, kommt der
Staat um Entlastungen des Faktors Arbeit nicht herum. Auch wenn dafür
in der gähnend leeren Staatskasse derzeit kein Spielraum besteht.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/213
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






