Österreichs kleine und mittlere Unternehmen in der Finanzmarktkrise

Wien (OTS) - Mehr als 99% aller österreichischen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie sind vom Nachfragerückgang und einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen im Gefolge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise besonders betroffen. Die befürchtete allgemeine "Kreditklemme" für KMU stellte sich aber nicht ein: Das Kreditvolumen wuchs auch 2009. Die Finanzierungsbedingungen verschärften sich, und die durchschnittlichen Kreditaufschläge der Banken waren 2009 deutlich höher als in den Vorjahren, lagen aber nahe am Durchschnittswert der letzten 10 Jahre. Um für mögliche künftige Krisen besser gerüstet zu sein, sollten die KMU ihre Eigenkapitalstruktur verbessern.

Die internationale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise erschütterte weltweit das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des modernen Banken-und Finanzsystems. Diese Situation birgt die Gefahr einer ungewöhnlich starken Verknappung des Kreditangebotes ("Kreditklemme") und einer Verschärfung der Kreditbedingungen. Wegen des eingeschränkten Zugangs zu Kapitalmärkten wären KMU von einer Kreditklemme besonders betroffen.

In Österreich sind keine Hinweise auf eine Kreditklemme für KMU im Gefolge der Finanzmarktkrise zu erkennen, wenngleich sich das Wachstum des Kreditvolumens 2009 deutlich verlangsamt hat. Die Veränderungsrate war 2009 aber immer noch positiv, während das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte. Die Zinskonditionen für Unternehmenskredite wurden mit den Zinssatzsenkungen der EZB günstiger. Im Bereich der kurzfristigen Kredite, die in Österreich überwiegen, wurden die Zinssatzsenkungen nahezu vollständig weitergegeben. Für längerfristige Kredite ist ein größerer Abstand zwischen Geldmarkt- und Kreditzinssätzen zu beobachten. Die Finanzierungsbedingungen für Kredite verschärften sich im Durchschnitt: Die durchschnittlichen Kreditaufschläge der Banken waren 2009 deutlich höher als in den Vorjahren, aber insgesamt lagen sie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Verschärfung der Kreditbedingungen kann durch die Risiko- und Kostenüberlegungen der Banken erklärt werden, vor allem angesichts der Verschlechterung der Bonität vieler Unternehmen im Zuge der Finanzmarktkrise und der hohen Refinanzierungskosten der Banken insbesondere im langfristigen Segment.

Das österreichische Kreditsystem hat seine Aufgabe der Bereitstellung von Liquidität für Unternehmen und insbesondere KMU auch in der Finanzmarktkrise erfüllt. Damit erwies es sich als stabiler, als bei Ausbruch der Finanzmarktkrise befürchtet wurde. Frühzeitig setzte die Wirtschaftspolitik Maßnahmen wie die Ausweitung von Staatshaftungen für die Unternehmensfinanzierung und das Bankenpaket, um die Entstehung einer Kreditklemme zu vermeiden. Gleichwohl spüren die KMU die Auswirkungen der Krise auf dem Kreditmarkt: Insbesondere KMU mit bereits vor der Krise niedriger Eigenkapitalquote und Rentabilität sowie in Branchen, die von der Krise heftig getroffen wurden, beobachten eine deutliche Verschärfung ihrer Kreditbedingungen.

Um die österreichischen KMU auf künftige Krisen besser vorzubereiten, sollte ihre Eigenkapitalstruktur verbessert werden. Grundlegend ist eine gegenüber der Unternehmensfinanzierung neutrale Ausgestaltung des Steuersystem: Die steuerliche Absetzbarkeit von Kreditzinsen, aber nicht von Eigenkapitalzinsen macht die Bankenfinanzierung für KMU attraktiver als die Eigenkapitalfinanzierung.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 12/2009, http://www.ots.at/redirect/wifo2 .

Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden Sie jeweils auf der WIFO-Website,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 .

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Werner Hölzl
Tel. (1) 798 26 01-0, Werner.Hoelzl@wifo.ac.at.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0001