OTS0346 / 01.12.2009 / 19:30 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Dienstleistungsgesetz / Parlament / Wirtschaftsausschuss


Dienstleistungsgesetz nach wie vor ohne Zweidrittel-Mehrheit Opposition einig gegen "Machtmissbrauch der Regierung" =


   Wien (PK) - Wie kommt die Regierung angesichts ihrer aktuellen 
Probleme mit den Oppositionsparteien - Stichwort 
Untersuchungsausschuss - im Nationalrat zu einer Zweidrittelmehrheit 
für jene "kleine Verwaltungsreform", die notwendig ist, damit der 
europäische Binnenmarkt für Dienstleistungen auch in Österreich 
funktionieren kann? - Tatsächlich geht es um Regeln für die 
grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden, die 
Einrichtung eines einheitlichen Ansprechpartners für Kunden und 
Betriebe und um Anpassungen im Preisauszeichnungs- und 
Konsumentenschutzgesetz. 
Die am 7.10.2009 unterbrochene Debatte über ein Dienstleistungsgesetz 
setzte der Wirtschaftsausschuss heute unter der Leitung von 
Ausschussobmann Konrad Steindl fort und reichte den Entwurf mit SV-
Mehrheit samt Abänderungen mit Klarstellungen, formalen 
Verbesserungen und Korrekturen sowie einer Feststellung zur 
Sicherstellung von Informationen über die Themen Arbeits-, 
Ausländerbeschäftigungs- und Arbeitnehmerschutzrecht an das Plenum 
weiter. Die dort für einen Beschluss des Nationalrats notwendige 
Zweidrittelmehrheit ist aber mehr als fraglich, weil die 
Oppositionsparteien eine Zustimmung mit Hinweis auf die 
"Regierungsblockade" gegen die Ladung von Ministern und Exministern 
im Untersuchungsausschuss verweigern. Über Zustimmung zu 
Verfassungsgesetzen sei er erst wieder gesprächsbereit, wenn der 
"Parlamentarismus in Österreich den internationalen Standards" 
entspreche, formulierte etwa Abgeordneter Werner Kogler (G) und 
Abgeordneter Robert Lugar (B) untermauerte die "Notwendigkeit einer 
Notgemeinschaft der Oppositionsparteien", während die FPÖ das Recht 
der Minderheit auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses 
einmahnte. 
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner appellierte mit 
Unterstützung der Abgeordneten Christoph Matznetter (S) und Peter 
Haubner (V) an die Oppositionsparteien, Entscheidungen in der 
Wirtschaftspolitik nicht aus Gründen zu blockieren, die außerhalb des 
Wirtschaftsausschusses liegen.   
Plenumsreif machte der Ausschuss das neue Tropenholzabkommen sowie 
Vorlagen, mit denen das Weisungsrecht des Wirtschaftsministers 
gegenüber den Kammern im übertragenen Wirkungsbereich gesichert und 
ein Informationsrecht bei der E-Control normiert wird. Die Debatte 
über das Nabucco-Abkommen, die in eine S-V-Zustimmung mündete, 
nützten die Oppositionsparteien zu einer grundsätzlichen 
Energiedebatte. Die Grünen legten Entschließungsanträge für eine 
ambitionierte Energiestrategie in Richtung erneuerbare Energieträger, 
konkret auch für neue Biogas-Technologien vor. Diese Anträge wurden 
ebenso vertagt wie ein BZÖ-Antrag auf transparentere 
Energierechnungen und für einen leichteren Wechsel des 
Energieanbieters für Strom- und Gaskunden sowie ein FPÖ-Antrag auf 
Einrichtung eines Kompetenzzetrums für Luftfahrttechnik in der Region 
Aichfeld/Murboden.
Steiniger Weg zum Dienstleistungs-Binnenmarkt in Österreich 
Abgeordnete Ruperta Lichtenecker (G) forderte die Regierungsparteien 
auf, ihre Blockade im Untersuchungsausschuss zu beenden, damit die 
Oppositionsparteien 2/3-Materien wiederum zustimmen könnten. 
Abgeordneter Christoph Matznetter (S) warnte die 
Oppositionsabgeordneten vor den Folgen einer weiteren Verzögerung bei 
der Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie in Österreich. Österreich 
habe bei der Formulierung der Dienstleistungsrichtlinie viel 
erreicht, es wäre daher doppelt peinlich, wenn es bei der Umsetzung 
dieser Richtlinie Probleme gebe. 
Abgeordneter Robert Lugar (B) wies jeden Vorwurf von Seiten der 
Regierungsparteien an die Oppositionsparteien zurück und konterte mit 
dem Vorwurf, SPÖ und ÖVP missbrauchten ihre Macht im 
Untersuchungsausschuss. Dazu kommen inhaltliche Bedenken des BZÖ 
gegen den Gesetzentwurf. 
Abgeordneter Bernhard Themessl (F) erinnerte die SPÖ an ihr 
Versprechen, sich für ein Minderheitenrecht auf Einsetzung von 
Untersuchungsausschüssen einzusetzen. Inhaltlich kritisierte Themessl 
die geplante Schaffung von neun zusätzlichen Landesstellen, die 
lediglich Poststellen ohne Entscheidungskompetenz darstellen sollen. 
Abgeordneter Peter Haubner (V) machte darauf aufmerksam, die 
Errichtung eines europäischen Dienstleistungs-Binnenmarktes stelle 
ein Herzstück der EU-Wirtschaftpolitik dar und hielt es für schade, 
wenn die Opposition die Umsetzung der diesbezüglichen Richtlinie in 
Österreich verhindere. 
Abgeordneter Werner Kogler (G) begründete die Ablehnung des von den 
Beamten im Ressorts gut ausgearbeiteten Gesetzes mit der Absicht 
aller drei Oppositionsparteien, erst dann wieder über die Zustimmung 
zu Zweidrittel-Materien zu verhandeln, wenn das "österreichische 
Parlament den Standard eines Parlaments einer westlichen  
Demokratie erreicht". Der Vorwurf, Exminister Strasser habe die 
Staatsanwaltschaft dazu missbraucht um gegen einen Abgeordneten 
vorzugehen, der Strassers Interventionen bei Postenbesetzungen 
aufdeckte, bedürfe der Aufklärung im Untersuchungsausschuss. Dazu 
gehöre die Ladung von Exminister Strasser sowie von aktuellen 
Regierungsmitgliedern. Außerdem bestehen bei allen 
Oppositionsparteien inhaltliche Bedenken gegen das 
Dienstleistungsgesetz, bei den Grünen etwa wegen der 
"Genehmigungsfiktion". 
Abgeordneter Christoph Matznetter (S) kritisierte die Grünen wegen 
deren "Gesprächsverweigerung", bemühte sich um Zerstreuung 
inhaltlicher Bedenken und warnte vor der Vorstellung, beim Thema 
Dienstleistungsbinnenmarkt durch Nichthandeln etwas erreichen zu 
wollen. 
Bundesminister Reinhold Mitterlehner hielt fest, Österreich sei 
verpflichtet, die Dienstleistungsrichtlinie bis 28.12.2009 
umzusetzen. Vom Dienstleistungsbinnenmarkt seien Wirtschaftsbelebung, 
Wachstum und Arbeitsmarkteffekte zu erwarten. Der Gesetzentwurf halte 
sich eng an die Richtlinie, sollte das Gesetz und die vorgesehene 
Kompetenzdeckungsklausel nicht in Kraft treten, werde es notwendig 
und auch möglich sein, alle auftretenden Einzelfälle zu erledigen. 
Auf Bedenken der Abgeordneter Christiane Brunner (G), die vorgesehene 
einheitliche Ansprechstelle würde Umweltorganisationen nicht zur 
Verfügung stehen, reagierte der Minister mit dem Hinweis darauf, die 
Richtlinie sehe nur eine Ansprechstelle für Unternehmen vor. 
Auch Abgeordneter Konrad Steindl (V) appellierte an die 
Oppositionsparteien, dem Gesetz im Interesse vieler Handwerker-
Arbeitsplätze zuzustimmen. 
Abgeordnetem Sigisbert Dolinschek (B), der durch den 
Dienstleistungsbinnenmarkt Sozialdumping, Lohnkürzungen und 
schlechtere Arbeitsbedingungen befürchtete, sagte der Minister, bei 
Löhnen, Sozialrecht und Qualitätsstandards gelte österreichisches 
Recht. Im Falle einer Nichtumsetzung der Richtlinie befürchte er ein 
Vertragsverletzungsverfahren und rechtliche Maßnahmen gegen 
Österreich. 
Übertragene Aufgaben der Kammern: Minister sichert Weisungsrecht  
Änderungen in Gewerbeordnung, Wirtschaftstreuhandberufsgesetz und 
Abschlussprüfungs-Qualitätssicherungsgesetz sollen das 
verfassungsrechtlich gebotene Weisungsrecht des Wirtschaftsministers 
gegenüber Selbstverwaltungskörpern (Wirtschaftskammer Österreich, 
Kammer der Wirtschaftstreuhänder) in übertragenen Wirkungsbereichen 
sichern. Konkret geht es um Verwaltungs-, Aufsicht- und 
Ausbildungsaufgaben im Bereich von Gewerbeordnung, 
Wirtschaftstreuhandberufen und bei der Abschlussprüfungs-
Qualitätssicherung. - Die Zustimmung des Ausschusses erfolgte mit S-
V-G-Mehrheit.
Neues Tropenholzabkommen zur Ratifizierung empfohlen
In weiterer Folge sprach der Wirtschaftsausschuss mit SVFB-Mehrheit 
die Empfehlung an das Plenum aus, einem neuen Internationalen 
Tropenholz-Übereinkommen die Zustimmung zu geben. Ziel des Abkommens 
ist die Förderung der nachhaltigen Erzeugung von Tropenholz und die 
Ausweitung und Diversifizierung des internationalen Handels mit 
Tropenholz aus forstgerecht bewirtschafteten Wäldern.
Abgeordnete Christiane Brunner (G) stimmte dem Abkommen grundsätzlich 
zu, wollte aber bis zu ihrer definitiven Entscheidung im Plenum 
wissen, was nachhaltige Nutzung von Tropenholz in den Exportländern 
tatsächlich bedeute. Ihr Fraktionskollege Werner Kogler wies auf die 
Kritik von Umweltorganisationen an Umsetzungsdefiziten bei 
internationalen Tropenholz-Bestimmungen hin und meinte, "an der 
Ausbeuterei" habe sich wenig geändert. 
Bundesminister Reinhold Mitterlehner informierte die Abgeordneten, 
"nachhaltig" im Sinne des Abkommens bedeute, geschlägert werde nur, 
was nachwachse. Maßnahmen gegen illegalen Handel und illegalen 
Holzeinschlag seien vorgesehen. 
Ein von F-Abgeordnetem Christian Höbart erläuterter 
Entschließungsantrag zur Schaffung eines Kompetenzzentrums für 
Luftfahrttechnik in der Region Aichfeld/Murboden wurde auf Antrag des 
Abgeordneten Franz Hörl (V) vertagt. Es fehle nicht an den 
notwendigen Förderungen für dieses Projekt, sondern an einem 
Projektbetreiber, der das vorgeschlagene Kompetenzzentrum initiiert. 
Abgeordneter Werner Kogler (G) zeigte Verständnis für das Anliegen im 
Interesse der Region, sah den Antrag aber zu sehr als Versuch, 
Versprechen einzumahnen, die der Region in der Diskussion um die 
Eurofighter-Gegengeschäfte gemacht wurden und plädierte seinerseits 
dafür, Förderungen in grüne Jobs, etwa auf dem Energiesektor, zu 
investieren. (Fortsetzung) 
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0346    2009-12-01/19:30
011930 Dez 09
NPA0009 1091