OTS0340 / 01.12.2009 / 18:51 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Parlament / Universitäten / Wissenschaftsausschuss


Wissenschaftsausschuss befasst sich mit Lage der Universitäten Opposition fordert eigenen Unterausschuss zur Zukunft der Bildung =


   Wien (PK) - Eine umfassende Tagesordnung stand heute auf dem Programm 
des Wissenschaftsausschusses des Nationalrates. Aus gegebenem Anlass 
begann die Sitzung mit einer aktuellen Aussprache.
Eingangs der aktuellen Aussprache berichtete Bundesminister Johannes 
Hahn über den Stand der Diskussionen rund um den tertiären Sektor. In 
der Vorwoche habe es einen umfangreichen Dialog mit 70 teilnehmenden 
Personen und entsprechenden Expertenstatements gegeben, nun werde die 
Debatte in fünf Arbeitsforen, die sich dem gesellschaftlichen 
Bildungsauftrag, der koordinierten Entwicklung des Sektors, dem 
Bologna-Prozess, dem Studienzugang und der Finanzierung widmen 
sollen, fortgesetzt. Diese Foren sollen einmal im Monat tagen, ein 
erstes Treffen sei für die Woche vom 14. Dezember geplant. Ziel sei 
es, am Ende des ersten Quartals 2010 einen Zwischenbericht vorlegen 
zu können, wobei die weiteren Schlussfolgerungen seitens der Politik 
bis zum Sommer erfolgen sollen. 
Abgeordneter Kurt Grünewald (G) mahnte eine Verbindlichkeit des 
Dialogs ein. Zudem solle auch das Parlament stärker eingebunden 
werden, denn dieses habe den Auftrag, Strömungen der Bevölkerung 
abzubilden. Außerdem, so Grünewald, gehe es auch um die politische 
Gewichtung der Dialogteilnehmer. 
Abgeordnete Beatrix Karl (V) zeigte sich dankbar für die Einrichtung 
des Hochschuldialogs, denn es gebe viel Diskussionsbedarf. Positiv 
sei, dass alle Parlamentsparteien im Dialog vertreten seien. Es 
brauche daher keine Parallelstrukturen, vielmehr solle man den Dialog 
in Ruhe arbeiten lassen, dann habe man immer noch genügend Zeit, auf 
parlamentarischer Ebene tätig zu werden. Abgeordneter Rainer Widmann 
(B) sprach sich gegen weiteres Zuwarten aus, man müsse jetzt handeln, 
und deshalb solle der Wissenschaftsausschuss schon jetzt adäquat 
eingebunden sein. Zur Klärung der in Rede stehenden Fragen sei, so 
Widmann, ein Unterausschuss einzusetzen. 
Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) nannte den Hochschuldialog einen 
wichtigen Schritt. Sie sei nicht grundsätzlich gegen die Einsetzung 
eines Unterausschusses, man solle sich aber erst einmal ansehen, wie 
diese Foren arbeiteten und welche Ergebnisse sie erzielten. Dann sei 
wieder das Parlament am Zug. Abgeordneter Martin Graf (F) vertrat die 
Auffassung, dass die Abgeordneten stärker in den Dialogprozess 
eingebunden gehörten. Ein außerparlamentarischer Prozess könnte einen 
parlamentarischen Prozess nicht ersetzen, weshalb auch er für die 
Einsetzung eines Unterausschusses plädierte, der diese Themen 
effizient aufarbeiten könne. Graf würdigte in diesem Zusammenhang die 
Studenten, die diesen Dialog erst initiiert hätten. Ohne 
Unterausschuss, warnte Graf, bestehe die Gefahr, dass die 
diesbezügliche Entwicklung am Parlament vorbeigehe. 
Bundesminister Hahn sprach von einem klaren Arbeitsprogramm für diese 
Legislaturperiode und sah das Ressort auf einem guten Weg. Er 
hinterlasse keine Baustelle, sondern es gebe eine wohl geplante 
Agenda, die in sich völlig stringent sei und Punkt für Punkt 
umgesetzt werde. Insgesamt gebe es fast eine Milliarde in alter 
Währung (68 Mio. Euro) an Sofortförderung, und diese Mittel sollen 
eine nachhaltige Wirkung entfalten.
Mit den Stimmen der Regierungsparteien vertagt wurden sodann aktuelle 
Oppositionsanträge zur Situation an den Hochschulen. Es handelte sich 
dabei um Anträge zur Uni-Milliarde (848/A [E]), zum Zwölfpunkteplan 
(858/A [E]), zur Qualitätsverbesserung (844/A [E]), zu einem 
sofortigen Notbudget (845/A [E]), zum UNI-Bonus (854/A [E]) und zu 
einer behindertenfreundlichen Uni (856/A [E], 857/A [E])
Abgeordneter Andreas Karlsböck (F) beantragte die Einsetzung eines 
Unterausschusses. Dieser wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien 
abgelehnt. Abgeordnete Beatrix Karl (V) stellte einen 
Vertagungsantrag für alle in Rede stehenden Materien, da, so Karl, 
die Ergebnisse des Hochschuldialogs abgewartet werden sollten. 
Abgeordneter Kurt Grünewald (G) zeichnete ein tristes Bild der 
heimischen Universitäten und forderte ein Raumprogramm sowie 
entsprechende Investitionen in Forschung und Lehre ein. 
Karlsböck übte Kritik an der überhasteten Einführung des Bologna-
Prozesses. Hierzulande habe man sich stets der forschungsgeleiteten 
Lehre im Sinne Humboldts verschrieben, nun habe man das 
angelsächsische Modell übernommen, was nicht zu entsprechenden 
Ergebnissen führen könne, da es eben nicht organisch gewachsen sei. 
Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) zeigte sich besorgt darüber, dass 
die Ablehnung des Antrags auf Einsetzug eines Unterausschusses zu 
einer übermäßigen Verzögerung der parlamentarischen Behandlung dieser 
Materien führen werde. Dem schloss sich auch Abgeordneter Rainer 
Widmann (B) an, der die Befürchtung äußerte, durch diese 
Vorgangsweise ein halbes Jahr zu verlieren. Schließlich sprach sich 
Abgeordneter Gerhard Deimek (F) gegen jede Form der 
Zugangsbeschränkung aus. 
Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) votierte für einen sinnvollen Ablauf, 
der Parallelaktivitäten vermeide. Daher solle man sich jetzt massiv 
in den Hochschuldialog einbringen und danach eine politische 
Bewertung im Parlament vornehmen, wobei sich zeigen werde, welches 
parlamentarische Instrument dann das geeignete ist. Überdies 
verwahrte sich auch Kuntzl gegen Zugangsbeschränkungen. 
Abgeordneter Martin Graf (F) unterstrich dieses Eintreten gegen 
Zugangsbeschränkungen, denn Qualität über Quantität steuern zu 
wollen, sei zum Scheitern verurteilt. Sodann meinte er, die Thematik 
verdiente sich eine intensivere Befassung im Parlament, denn sie sei 
so bedeutsam, dass der Unterausschuss das richtige Instrument wäre. 
Sämtliche in Diskussion stehende Tagesordnungspunkte wurden mit den 
Stimmen der Regierungsparteien vertagt. 
Einstimmig zur Kenntnis genommen wurde der Bericht des 
Fachhochschulrates.
Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) nannte zuvor die Fachhochschulen eine 
wichtige Bereicherung der heimischen Hochschullandschaft und eine 
bedeutende Ergänzung der heimischen Universitäten. Nun aber brauche 
es eine Weiterentwicklung, weshalb sich die Frage stelle, wann der 
Entwicklungs- und Finanzierungsplan vorliegen werde. Abgeordneter 
Kurt Grünewald (G) sagte, die Frage sei, welche Schlüsse man aus 
diesen Berichten ziehe. Der Sektor solle ausgebaut werden, und die 
Fachhochschulen wünschten dies auch. 
Bundesminister Johannes Hahn erläuterte, es gebe gerade Gespräche 
bezüglich des Fachhochschulplans 4, der den heuer auslaufenden 
Fachhochschulplan 3 ersetzten solle. Eine Novelle des Gesetzes werde 
gleichfalls angedacht, ergänzte der Minister.
Ebenfalls einstimmig zur Kenntnis genommen wurde der 
Tätigkeitsbericht des Wissenschaftsrates über die Jahre 2006,2007 und 
2008. In der Debatte teilte Minister Johannes Hahn auf Fragen der 
Abgeordneten Andrea Kuntzl (S) mit, dass der Rat für seinen laufenden 
Betrieb ein Jahresbudget von 900.000 € erhält und einzelne Projekte 
einer Sonderdotation bedürfen. Der Aufnahme von Vertretern des 
Fachhochschulbeirats, wie sie ebenfalls von Kuntzl vorgeschlagen 
wurde, stand Hahn positiv gegenüber.
Anträge der Opposition vertagt
Eine Reihe von Anträgen der Opposition wurden unter einem verhandelt. 
So verlangte Abgeordnete Birgit Schatz in ihrer Initiative 
Qualitätskriterien für Pflichtpraktika (29/A(E)) sowie mehr Daten und 
Informationen zur Lage der PraktikantInnen (597/A(E)), während ihr 
Fraktionskollege Abgeordneter Kurt Grünewald (G) für eine Erhöhung 
des Regelbudgets und für mehr Finanzierungssicherheit beim FWF 
eintraf (467/A(E)). Abgeordneter Martin Graf (F) verlangte eine 
Bündelung der Forschungskompetenzen in einem Ministerium (415/A(E)) 
sowie eine Erhöhung der Finanzierung der Fachhochschulen (419/A(E)). 
Die Abgeordneten Lutz Weinzinger (F) und Ursula Haubner drängten in 
getrennten Anträgen auf Schaffung einer Medizin-Universität in Linz 
(531/A(E), 512/A/(E)). Ein weiterer Antrag des BZÖ hatte die 
Aufstockung des wissenschaftlichen Personals an der Uni Klagenfurt 
zum Inhalt (567/A(E)).
Zur Frage der Med-Uni Linz bemerkte Bundesminister Johannes Hahn, ein 
allfälliger Mehrbedarf könne von den bestehenden medizinischen 
Universitäten in Österreich bewältigt werden. Dies sei billiger als 
die Errichtung einer neuen Universität.
Sämtliche Anträge wurden bei der Abstimmung mit S-V-Mehrheit vertagt. 
Jeweils einstimmig wurden schließlich Änderungen des Abkommens mit 
Slowenien über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (328 d.B.) 
sowie ein Abkommen mit Montenegro über wissenschaftlich-technische 
Zusammenarbeit (341 d.B.) genehmigt. (Schluss)
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