- 28.10.2009, 09:47:29
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Pensionen: Mut zum Schließen der Lücke gefordert
32% der unselbständig Beschäftigten haben Anspruch auf eine Betriebspension
Wien (OTS/WIFO) -
Dass sich die heute Jungen auf eine Pensionslücke einstellen müssen,
davor warnt die Wirtschaftsforschung seit mehreren Jahren. Wie groß
die Lücke für manche sein wird, hat das WIFO errechnet. Für Personen,
denen Versicherungszeiten fehlen und die eine herkömmliche Laufbahn
mit steigendem Einkommen absolviert haben, wird sie besonders groß
ausfallen: Im Jahr 2050 wird deren Anfangspension gemessen am
Letztbezug deutlich geringer sein als für jene, die heute in den
Ruhestand treten.
Damit die Pensionslücke geringer ausfällt, empfiehlt das WIFO den
Ausbau zusätzlicher Formen der Altersvorsorge, wie z. B. der
Betriebspensionen. "Da wir über die absehbare Lücke schon heute
Bescheid wissen, können wir rechtzeitig etwas dagegen unternehmen.
Der Ausbau ergänzender Betriebspensionen wäre ein sinnvoller Weg,
damit die heute jungen Arbeitskräfte in der Pension ihren
Lebensstandard annähernd halten können", so der Pensionsexperte des
WIFO, Thomas Url.
In einer aktuellen Studie hat das WIFO erhoben, wie groß der
Beitrag der Betriebspensionen als Ergänzung der gesetzlichen Pension
ist. Demnach hat bereits ein Drittel aller unselbstständig
Beschäftigten (865.000 Personen) Anspruch auf eine Betriebspension.
Ein Viertel aller heimischen Unternehmen ist damit erfasst. Die Zahl
der Arbeitskräfte mit Anspruch auf eine Betriebspension hat sich seit
dem Jahr 2000 von 16,1% auf 31,7% zwar fast verdoppelt (Abbildung 1).
Dennoch geht das Wachstum aus Sicht der Wirtschaftsforschung viel zu
langsam vor sich. Url: "Vor allem in kleinen und mittleren
Unternehmen mit kleinerer Belegschaft ist die Betriebspension noch
nicht angekommen."
Christian Böhm, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen, ortet
als Ursache des langsamen Wachstums eine Vogel-Strauß-Mentalität der
Bevölkerung: "Viele glauben, dass die Pensionslücke nicht kommt, wenn
man sie einfach ignoriert. Dieses Denken ist sowohl bei
Entscheidungsträgern als auch in der Bevölkerung zu beobachten. Wenn
wir nicht bald Maßnahmen für eine Ausweitung der Betriebspensionen
setzen, dann werden die heute Jungen sich im Alter weit weniger
leisten können."
Den größten Anteil an den Betriebspensionen verwalten die
Pensionskassen: Bereits 620.000 Personen haben ein Konto bei einer
Kasse. Das Wachstum ist laut Fachverband trotz der Finanzkrise
ungebremst: "Allein 2009 haben die Pensionskassen schon 60.000 neue
Kundinnen und Kunden gewonnen", so Böhm.
Abbildung: Vergleich der Kennzahlen für die betriebliche
Altersvorsorge - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Die Entscheidung für oder gegen eine Betriebspension wird in den
Unternehmen hauptsächlich von finanziellen Überlegungen beeinflusst:
85% der Unternehmen ohne Betriebspension meinen, dass die
Arbeitskräfte Lohnerhöhungen einer Betriebspension vorziehen würden,
und rund 80% scheuen die langfristige finanzielle Bindung. In der
WIFO-Umfrage meinen fast 90% aller Unternehmen, der größte Anreiz für
die Einrichtung einer Betriebspension wäre die Steuererleichterung
über die Beitragszahlung.
Sehr unterschiedlich ist die Verbreitung von Betriebspensionen in
den einzelnen Branchen. In der Finanzbranche, im Unterrichtswesen und
in der Gesundheitsbranche ist die Betriebspension ein fixer
Bestandteil für nahezu alle Betriebe: 99,3% (Unterrichtswesen), 96,4%
(Finanzberufe) und 90,4% (Gesundheitsberufe) der Unternehmen haben
dort eine betriebliche Vorsorge eingerichtet. Nachzügler sind die
öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen (13,1% der Betriebe)
sowie erwartungsgemäß die Branchen mit Saisonarbeit: Bauwesen (7,6%)
und Gastgewerbe (3,7%).
Der internationale Vergleich zeigt, dass in vielen Ländern derzeit
die kapitalgedeckte Altersvorsorge verstärkt wird. Vor allem in
Osteuropa werden einkommensabhängige Pensionszahlungen zunehmend über
kapitalgedeckte Betriebspensionen abgewickelt. In Frankreich und der
Schweiz besteht sogar eine gesetzliche Pflicht zur Einrichtung einer
Betriebspension. Für Böhm würde eine Verpflichtung in Österreich
allerdings zu weit gehen: "Es reicht schon, wenn den Unternehmen
zusätzliche Anreize für Betriebspensionen geboten werden, wie etwa
eine Steuererleichterung. Damit würde die zu erwartende Pensionslücke
für alle weniger schmerzhaft ausfallen."
Die Performance entwickelt sich laut Pensionskassen heuer günstig.
Per Ende September hatten die Pensionskassen bereits einen Ertrag von
7,4% für die veranlagten Pensionsgelder erwirtschaftet. Laut Böhm
wird für das Jahresende eine positive Nachricht für Versicherte und
Personen mit Betriebspension immer wahrscheinlicher: "Derzeit liegen
wir deutlich über dem langjährigen Veranlagungserfolg von
durchschnittlich 5,74%."
Für eine Betriebspension zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte in
Pensionskassen monatlich Beiträge ein, die später in der Pension
verzinst ausgezahlt werden. Die durchschnittliche Zusatzpension
beträgt 490 Euro pro Monat. Insgesamt veranlagen die 19
Pensionskassen ein Vermögen von 12,4 Mrd. Euro. Sie sind damit der
größte private Pensionszahler Österreichs.
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34640&typeid=8&d
isplay_mode=2
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der folgenden WIFO-Studie im
Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich, Fachverband der
Pensionskassen: Thomas Url, Die Verbreitung der betrieblichen
Altersvorsorge in Österreich 2007 (September 2009, 148 Seiten, 50
Euro, Download 40 Euro:
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=36861&typeid=8&d
isplay_mode=2)
Rückfragehinweis:
Dr. Thomas Url Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO Tel. +43 1 798 26 01-279 * Fax. +43 1 798 93 86 mailto:[email protected] Dr. Fritz Janda Wirtschaftskammer Österreich, Fachverband der Pensionskassen Tel. +43 1 590 90 0-4108 mailto:[email protected]
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