OTS0287 / 20.10.2009 / 17:50 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: EU-Unterausschuss / Nationalrat / Parlament


Stockholm-Programm der EU: Abgeordnete äußern Bedenken Umfangreiche Ausschussfeststellung im EU-Unterausschuss =


   Wien (PK) - Neben dem EU-Ausschuss des Bundesrats (PK-Meldung 
Nr.881/2009) diskutierte heute auch der EU-Unterausschuss des 
Nationalrats die Mitteilung der EU-Kommission über das so genannte 
"Stockholm-Programm" und nahm damit seine am 17. September 2009 
unterbrochenen Verhandlungen wieder auf (siehe PK-Meldung Nr. 
758/2009). Mit den Stimmen der beiden Koalitionsparteien wurde eine 
von SPÖ und ÖVP eingebrachte umfassende Ausschussfeststellung 
verabschiedet. Die Anträge der Opposition fanden nicht die 
erforderliche Mehrheit.
Diesmal nahmen Innenministerin Maria Theresia Fekter und 
Sozialminister Rudolf Hundstorfer zu dem Thema Stellung, im September 
war die Justizministerin den Abgeordneten zur Verfügung gestanden.
Die Mitteilung unter dem Titel "Ein Raum der Freiheit, der Sicherheit 
und des Rechts im Dienst der Bürger" sieht eine weitere 
Intensivierung der Zusammenarbeit der Justiz- und Polizeibehörden bei 
der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität, wie Terrorismus, 
Cyberkriminalität, Menschenhandel, sowie bessere Vorkehrungen bei der 
Einreise in die EU vor. Die EU beabsichtigt aber auch im Hinblick auf 
den zunehmenden Migrationsdruck weitere Harmonisierungsschritte in 
den Bereichen Zuwanderung und Asyl. Gleichzeitig soll die Union für 
die Bürgerinnen und Bürger ein gemeinsamer Raum des 
Grundrechtsschutzes sein. Der steigenden Mobilität Rechnung tragend, 
sollen weiters EU-Bürgerinnen und -Bürger für ihr Handeln in jedem 
Mitgliedstaat die gleichen Voraussetzungen finden, sodass sie auch 
sicher sein können, dass ein Grenzübertritt zu keinen 
Verschlechterung bei Verfahren für die jeweiligen Personen führt. 
Die Mitteilung der Kommission stellt lediglich die 
Diskussionsgrundlage für das "Stockholm-Programm" dar, das von der 
schwedischen Präsidentschaft ausgearbeitet wurde, und seit heute 
vorliegt. Es soll noch im Dezember dieses Jahres beschlossen werden. 
Sowohl Ministerin Fekter als auch Minister Hundstorfer äußerten 
Bedenken gegen einige konkrete Vorhaben, wenngleich sie die 
Zielsetzungen der Kommission, Europa als Garant der Grundrechte und 
Grundfreiheiten zu festigen, begrüßten. Vor allem befürchteten die 
beiden Regierungsmitglieder negative Auswirkungen auf den 
Arbeitsmarkt und einen Eingriff in nationale Kompetenzen. Darüber 
hinaus bewerteten sie einige Punkte aus datenschutzrechtlicher Sicht 
mit Skepsis. 
Auch die Abgeordneten nahmen dazu differenziert Stellung. Während FPÖ 
und BZÖ eine noch deutlichere Ablehnung einiger 
Harmonisierungsvorhaben in Fragen des Asylwesens und der Migration 
durch die Bundesregierung verlangten und dies in ihren Anträgen auf 
Ausschussfeststellung formulierten, sprachen sich die Grünen für eine 
stärkere Vereinheitlichung auf diesem Gebiet aus. 
Ausschussfeststellung zum Stockholm-Programm
In der von den Koalitionsparteien beschlossenen Ausschussfeststellung 
wird das Bemühen der Kommission im Kampf gegen Diskriminierung, 
Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie 
positiv bewertet. Ebenso fanden die Überlegungen der Kommission, 
Europa als Raum des Rechts und der justiziellen Zusammenarbeit zu 
stärken, Unterstützung. Insbesondere sahen die Abgeordneten von SPÖ 
und ÖVP das Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Recht in 
allen Mitgliedstaaten zu erleichtern, als einen wichtigen Schritt zu 
mehr Bürgernähe. Grundvoraussetzung dafür seien aber gemeinsame 
Mindeststandards und die Wahrung des Subsidiaritätsprinzips, heißt es 
in dem Antrag. 
Des weiteren stimmten die Abgeordneten der Koalitionsparteien der 
Kommission zu, wonach der Kampf gegen Menschenhandel, sexuelle 
Ausbeutung von Kindern und Kinderpornographie, Cyberkriminalität, 
Wirtschaftskriminalität und Drogenhandel Priorität hat. Zusätzlich 
wurde das Anliegen der Innenministerin, dem wachsenden Problem der 
grenzüberschreitenden Massenkriminalität in Form von 
Eigentumsdelikten im gleichen Maß Augenmerk zu schenken, in die 
Ausschussfeststellung aufgenommen. Im Zusammenhang mit der 
Notwendigkeit eines besseren Datenaustausches wird in der 
Ausschussfeststellung angeregt, die im Rahmen des Prümer Vertrags 
eingeführten Datenaustauschprogramme zu evaluieren und 
erforderlichenfalls Überlegungen in Richtung eines Gesamtkonzepts für 
den Datenschutz im grenzüberschreitenden Datenverkehr zur 
Verbrechensbekämpfung und Strafverfolgung vorzunehmen. 
In Bezug auf die Auswirkungen des Entwurfs für das Stockholm-Programm 
auf den Arbeitsmarkt wird festgehalten, dass Einwanderung und 
Bedürfnisse des Arbeitsmarkts enger miteinander verknüpft werden und 
auch die langfristigen Auswirkungen von Migration auf den 
Arbeitsmarkt und die soziale Lage der MigrantInnen stärker beachtet 
werden müssen. Es sei wichtig, den Konnex von Integration und 
Immigration mitzubedenken. Die Abgeordneten sprechen sich dabei für 
eine verantwortungsvolle Arbeitsmigrationspolitik aus. Das Konzept 
der Kommission zur zirkulären Migration, das heißt zu einer 
befristeten Zulassung für einige Jahre mit obligatorischer Rückkehr 
und ohne Integration, wird strikt abgelehnt. Jedenfalls dürfe es zu 
keiner Erweiterung der Zulassungsmöglichkeiten von 
Drittstaatsangehörigen zum Arbeitsmarkt durch die EU geben, 
bekräftigen die AntragstellerInnen. Einen Eingriff in nationale 
Kompetenzen sehen die Abgeordneten auch in den Überlegungen der 
Kommission, einen einheitlichen Rechtsstatus für legale Einwanderer 
zu schaffen, der Vergleichbar mit jenem der EU-BürgerInnen ist. 
Fekter: Integration hat Vorrang vor Neuzuzug 
Bundesministerin Maria-Theresia Fekter erläuterte nochmals kurz die 
Punkte des von der schwedischen Ratspräsidentschaft ausgearbeiteten 
Programms und wies darauf hin, dass die InnenministerInnen noch diese 
Woche zusammentreffen würden. 
Integration hat Vorrang vor Neuzuzug, sagte sie und äußerte sich 
reserviert gegenüber dem Vorhaben des schwedischen Vorsitzes, der 
gesteuerten Zuwanderung in Zusammenarbeit mit dem UNHCR Priorität 
einzuräumen. Sie sprach sich für Resettlement-Programme auf 
freiwilliger Basis aus und meinte, bevor man Neuerungen einführt 
sollte man zunächst die Mechanismen bereits implementierter Maßnahmen 
überprüfen. Fekter befürwortete im Hinblick auf illegale Migration 
eine Westafrika- und Mittelmeerstrategie zu entwickeln, auch vor dem 
Hintergrund der humanitären Katastrophen in diesen Regionen. Sie 
fügte jedoch hinzu, dass Österreich einen Schwerpunkt auch an der 
Ostgrenze der EU setzen möchte. Auch werde sie die geplante Stärkung 
von FRONTEX unterstützen, bemerkte sie, um das "Border-Management" zu 
verbessern. 
Dezidiert abgelehnt würde seitens der Ministerin der Plan gemeinsamer 
Asylbescheinigungen. Dies würde dem Subsidiaritätsprinzip 
widersprechen, betonte sie, weshalb auch die Mehrheit der 
Mitgliedstaaten dagegen seien. Anders würde die Frage von den 
Mittelmeerländern gesehen, die das Dublin-Abkommen außer Kraft setzen 
wollen. Einem solchen Ansinnen werde Österreich nicht zustimmen, 
bekräftigte Fekter. Skepsis bringe man auch den so genannten 
Mobilitätspartnerschaften entgegen, denn man dürfe keine 
Einbahnstraße für die Zuwanderung nach Europa eröffnen. 
Fekter zeigte sich zufrieden darüber, dass es Österreich gelungen 
ist, den Kampf gegen die grenzüberschreitende Massenkriminalität im 
Bereich der Eigentumsdelikte als einen weiteren Schwerpunkt im 
Programmentwurf zu verankern. 
Hundstorfer: Arbeitsmarkt muss nationale Kompetenz bleiben
Bundesminister Rudolf Hundstorfer thematisierte die sensible Frage 
des Zusammenhangs zwischen Migration und Arbeitsmarkt und bezeichnete 
die effiziente Steuerung der Migrationsströme als eine der größten 
Herausforderungen. Man müsse bedenken, dass die meisten MigrantInnen 
im Rahmen prekärer Arbeitsverhältnisse tätig sind, darüber hinaus sei 
darauf zu achten, dass es durch einen ungeregelten Zuzug auf den 
Arbeitsmarkt nicht zu einem Sozialdumping komme. Darüber hinaus habe 
die Finanz- und Wirtschaftskrise das ihre zum Abbau von 
Arbeitsplätzen beigetragen. Das alles sei im Rahmen der 
Gesamtthematik von Asyl und Migration zu berücksichtigen, stellte 
Hundstorfer fest und wies gleichzeitig darauf hin, dass Arbeit einen 
wichtigen Aspekt in Bezug auf Integration darstelle. 
Die Ablehnung der zirkulären Migration durch die Abgeordneten wurde 
auch von ihm geteilt. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine 
freiwillige Rückkehr trotz zeitlicher Befristung nicht realisierbar 
ist. Eine Beschneidung nationaler Kompetenzen in Bezug auf den Zugang 
zum Arbeitsmarkt wurde daher von ihm auch mit aller Deutlichkeit 
abgelehnt. 
SPÖ: Balance zwischen Schutz der Bürger und Wahrung der Grundrechte
Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger und die Gewährleistung der 
Grundrechte seien die Messlatte für die Beurteilung des Stockholmer 
Programms, sagte Abgeordnete Christine Muttonen (S). Der 
Datenaustausch müsse in Relation zur Zweckmäßigkeit stehen, bemerkte 
sie und der Datenschutz dürfe nicht ausgehöhlt werden. Ein besonderes 
Anliegen war ihr der Kampf gegen den Menschenhandel, wobei es ihrer 
Ansicht nach auch um Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung 
geht. 
Ihr Klubkollege Johann Maier ging dann näher auf die einzelnen Punkte 
der von SPÖ und ÖVP vorgelegten Ausschussfeststellung ein und 
unterstrich insbesondere die Notwendigkeit des ausreichenden 
Datenschutzes, vor allem im Hinblick auf die Umsetzung des 
Rahmenbeschlusses über den Datenschutz in der Dritten Säule. Kritisch 
äußerte er sich auch zum Vorhaben einer europäischen Beweisanordnung. 
Dies sei nur vorstellbar, wenn gleichzeitig ein hohes 
Rechtsschutzniveau und ein effektiver Zugang zu nationalen 
Rechtsschutzmechanismen gewährleistet ist, monierte er. Im 
Zusammenhang mit dem europäischen Haftbefehl müssten auch angemessene 
strafrechtliche Entschädigungsregelungen geschaffen werden, forderte 
Maier unter Hinweis auf die entsprechenden Passagen in der 
Ausschussfeststellung. 
Die Abgeordneten Renate Csörgits und Wilhelm Haberzettl (beide S) 
konzentrierten sich auf die Schnittstelle Sozialstaat, Arbeitsmarkt 
und Migrationspolitik. Csörgits begrüßte die von Minister Hundstorfer 
geforderte Einbindung der Sozialpartner und lehnte einheitliche 
europäische Regelungen für den Zugang zum Arbeitsmarkt ab. Man müsse 
alles unternehmen, um Sozialdumping zu verhindern, unterstrich sie. 
Ähnlich äußerte sich Abgeordneter Haberzettl, der darauf hinwies, 
dass die Mitgliedstaaten unterschiedliche Qualifikationen 
ausländischer Arbeitskräfte benötigten. 
ÖVP: Die EU muss den Menschen Sicherheit bieten
Die Bedeutung des Sicherheitsaspekts wurde von Abgeordnetem Norbert 
Kapeller (V) hervorgehoben. Um in den Herzen der Menschen anzukommen, 
müsse die EU Sicherheit gewährleisten, meinte er, und dazu sei das 
Stockholm-Programm durchaus geeignet. Er befürwortete daher auch 
europäische Standards im Asylwesen und die Stärkung von FRONTEX. Den 
Grünen warf er vor, Europa für einen ungehinderten Zuzug von 
MigrantInnen öffnen zu wollen. Mit einem übertriebenen Datenschutz 
könne man auch die Arbeit der Polizei unmöglich machen, fügte er 
hinzu. 
Die ehemalige Außenministerin Ursula Plassnik (V) thematisierte die 
Außendimension der Inneren Sicherheit und regte eine engere, 
vielleicht auch institutionelle Zusammenarbeit der Innen- und 
AußenministerInnen an. Gemeinsame Fragen betreffen zum Beispiel das 
Grenzmanagement, wobei dies für Österreich im Balkanraum wesentlich 
ist, oder auch die neue Form der Zusammenarbeit zwischen EUROPOL und 
UNO. Eine engere Vernetzung und stärkere Einbindung von Frauen wäre 
hier sehr sinnvoll, meinte sie. Plassnik schlug auch vor, die 
Thematik des gemeinsamen Katastrophenschutzes wieder stärker 
aufzugreifen. 
FPÖ: Man muss sich dem Thema realistisch stellen
Abgeordneter Johannes Hübner (F) vermisste klare Aussagen der beiden 
Koalitionsparteien in der Ausschussfeststellung. Man müsse sich den 
Fragen realistisch stellen, sagte er und stellte fest, Zuwanderung 
bedeute Senkung des Lebensstandards sowie sinkende Standards an 
Schulen und Krankenhäusern. Man müsse sich fragen, ob wir im Kern 
unsere Identität erhalten wollen oder nicht, so Hübner. Er vermutete 
darüber hinaus, dass die Kommission unter dem Deckmantel "Kampf gegen 
Diskriminierung" Grundfreiheiten einschränken möchte, indem sie 
vorhabe, Meinungsäußerungen, die nicht dem Konsens entsprechen, 
strafrechtlich zu verfolgen. Er hegte auch Zweifel an der 
Zweckmäßigkeit, der gegenseitigen Anerkennung von Vollstreckung und 
gerichtlichen Entscheidungen, da die Rechtssysteme große Unterschiede 
vorweisen. 
In diesem Sinne brachte er auch einen Antrag auf 
Ausschussfeststellung ein, indem den Plänen der Kommission in Bereich 
des Asyl- und des Fremdenwesens eine Absage erteilt wird. Die FPÖ 
begrüßt jedoch die Überlegungen in Richtung Erleichterung des Zugangs 
zum Recht in allen Mitgliedstaaten sowie eine verstärkte 
Zusammenarbeit in der Kriminalitätsbekämpfung. 
BZÖ: Political Correctness nicht zum normativen Maßstab machen
Auch Abgeordneter Ewald Stadler (B) hielt den Antrag der Koalition in 
den zentralen Punkten für verschwommen. Es könne nicht sein, so 
Stadler, dass "political correctness" zum normativen Maßstab gemacht 
wird. Ebenso hinterfragte er den Begriff "dynamische 
Einwanderungspolitik" und meinte, hier würde jede Schleuse 
aufgemacht. Auch die Aussagen zu den Auswirkungen auf den 
Arbeitsmarkt waren für Stadler nicht deutlich genug. Scharfe Kritik 
übte er auch am geplanten Einwanderungskodex, der bis 2014 umgesetzt 
werden soll. 
In der von ihm vorgelegten Ausschussfeststellung wendet sich das BZÖ 
demgemäß gegen den Überbegriff "dynamische Einwanderungspolitik", 
gegen die Forderung nach Förderung der legalen Einwanderung, gegen 
den Einwanderungskodex, gegen die Schaffung eines EU-Rahmens in Form 
einer flexiblen Aufnahmeregelung und gegen die Errichtung einer neuen 
Beobachtungsstelle zur besseren Analyse und zum besseren Verstehen 
der Migrationsphänomene. 
Abgeordneter Ewald Stadler griff auch das Thema des geplanten 
Betrugsbekämpfungsabkommens auf, das im ECOFIN verhandelt wird. Das 
BZÖ befürchtete, dass die vorgeschlagenen Formulierungen geeignet 
sind, das österreichische Bankgeheimnis zu gefährden. Dem wurde von 
Abgeordnetem Norbert Kapeller (V) widersprochen. Der diesbezügliche 
Antrag auf Ausschussfeststellung wurde ebenfalls abgelehnt. 
Grüne für Bleiberechtsmodell
Völlig anders als die Anträge von FPÖ und BZÖ liest sich der Antrag 
der Grünen auf Ausschussfeststellung. Darin üben sie Kritik an 
FRONTEX und verlangen, die Einreise in die EU zu ermöglichen und die 
Anträge auf internationalen Schutz zu überprüfen. Sie fordern weiters 
die Entwicklung eines Bleiberechtsmodells, eine solidarische Teilung 
der Verantwortlichkeiten innerhalb der EU und verbindliche 
Wiederansiedlungsprogramme für Flüchtlinge. Wer sich legal in der EU 
aufhält, soll laut Antrag der Grünen auch das Recht haben, sich durch 
Erwerbstätigkeit selbst erhalten zu können. 
Abgeordnete Alev Korun (G) zeigte kein Verständnis dafür, dass sich 
die Koalition im Bereich des Asyls gegen einheitliche Standards 
ausspricht. Die Stellungnahme der Bundesregierung sei von einem 
Abwehrgeist gegen solidarische Zusammenarbeit in der EU geprägt, so 
ihr Vorwurf. Zu meinen, den Zugang zum Arbeitsmarkt könne man 
nationalstaatlich regeln, sei eine Realitätsverweigerung, man bedenke 
nur den Familienzuzug und auch die Rahmenbedingungen für jene 
Personen, die sich längere Zeit legal aufhalten, bemerkte Korun. 
Einig mit der Regierung war sie sich in der Ablehnung der zirkulären 
Migration. 
Auch Abgeordneter Alexander Van der Bellen (G) wies darauf hin, dass 
man bereits heute einen flexiblen Zugang zum Arbeitsmarkt habe. Er 
nannte in diesem Zusammenhang die Regelungen für ForscherInnen und 
WissenschafterInnen und erwähnte auch die zahlreichen ausländischen 
PflegerInnen und BetreuerInnen in den Krankenanstalten. 
Fekter und Hundstorfer: Geordnete Migration notwendig
In seiner Reaktion auf die vorangegangene Diskussion betonte 
Sozialminister Rudolf Hundstorfer, man brauche die geordnete 
Migration zur Aufrechterhaltung des Systems. In den österreichischen 
Spitälern arbeiteten beispielsweise MitarbeiterInnen aus 65 Nationen. 
Den Bedenken, Migration würde zum Sozialdumping führen, hielt er 
entgegen, dass Österreich dagegen wirkungsvolle Schritte gesetzt 
habe. Mit Parolen wie "Österreich werde überschwemmt", könne man 
vielleicht kurzfristig erfolgreich sein, er halte aber eine solche 
Politik für fahrlässig. 
Bundesministerin Maria-Theresia Fekter stellte insbesondere gegenüber 
Abgeordneter Korun klar, man habe einheitliche Standards abgelehnt, 
weil das Niveau der Standards in nationale Kompetenzen eingegriffen 
hätte. Es könne nicht sein, dass AsylwerberInnen sofortigen Zugang 
zum Arbeitsmarkt haben sowie ein Recht auf Sozialhilfestandards. Das 
wäre eine Einladung für jede Schlepperorganisation, meinte Fekter und 
bemerkte, dass die Grundversorgung für AsylwerberInnen in Österreich 
sehr großzügig geregelt sei. Sie wandte sich auch gegen jene 
Vorschläge, wonach man sich sein Asylland aussuchen kann. Das würde 
zu einem Asylshopping führen, befürchtete sie. 
Im Gegensatz zu den Grünen bewertete sie die Arbeit von FRONTEX 
positiv. Die Risikoanalysen stellten eine wertvolle Information für 
die Mitgliedsländer dar, insbesondere im Hinblick auf gemeinsame 
Operationen und ein einheitliches Niveau der Grenzüberwachung. Durch 
die mit anderen Staaten gemeinsam organisierten Charterflüge habe man 
eine hohe Effizienz für die Rückführung von Personen erreicht. Fekter 
sprach sich dafür aus, die Kompetenzen von FRONTEX auszuweiten und 
der Behörde ein Recht für operative Tätigkeiten zu einzuräumen. So 
sollte FRONTEX selbst mit Herkunftsländern Kontakt aufnehmen oder von 
sich selbst aus Probleme in Angriff nehmen können. 
EUROPOL wolle man durch eine verbesserte gemeinsame Ausbildung 
stärken, betonte die Innenministerin und bekräftigte die 
Notwendigkeit hoher datenschutzrechtlicher Standards sowie die 
Evaluierung der bisherigen Datenschutzstrategie. 
Skepsis äußerte sie am Vorschlag der schwedischen Ratspräsidentschaft 
bei der Visaerteilung nur mehr eine reine Individualprüfung 
vorzunehmen. Bisher sei dieser eine allgemeine Risikovermutung, das 
heißt eine grundsätzliche Beurteilung aufgrund des Herkunftslandes, 
vorausgegangen. Bevor man ein neues System installiere, solle man 
Fekter zufolge das alte evaluieren und eine Kosten-Nutzen-Analyse 
vornehmen. 
Fekter griff auch gerne die Anregung von Abgeordneter Plassnik nach 
engerer Zusammenarbeit von Innen- und AußenministerInnen auf und 
unterstrich, wie wichtig der außen- und sicherheitspolitische 
Schwerpunkt ist, den Österreich am Balkan setzt. (Schluss)
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201750 Okt 09
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