Wien (OTS) - Während die EU-Gesundheitsminister am Montag auf
ihrem Sondertreffen in Luxemburg einen Notplan gegen die
Schweinegrippe erstellt hätten, sei SPÖ-Gesundheitsminister Stöger
nicht einmal dort gewesen, kritisierte FPÖ-Ärztesprecher NAbg. Dr.
Andreas Karlsböck das gefährliche Desinteresse des österreichischen
Ressortverantwortlichen.
Derzeit seien in Österreich drei Impfstoffe zugelassen. Vorbestellt
wurde jedoch nur ein Impfstoff. Dies sei insofern problematisch, als
die vom Hersteller zugesagte Menge an Impfstoff nicht geliefert
werden könne, da das Wachstum des Serums langsamer vor sich gehe als
ursprünglich angenommen, so Karlsböck. Die im österreichischen
Pandemieplan angestrebten 16 Millionen Impfdosen könnten daher
unmöglich in vertretbarer Zeit für die Bevölkerung bereitgestellt
werden, kritisierte Karlsböck. "Ich fordere daher die
Neuausschreibung des Pandemieimpfstoffes, da sich die ursprünglichen
Parameter dramatisch geändert haben", so der freiheitliche
Ärztesprecher.
Abgesehen davon zahle die Republik eine nicht unerhebliche Summe
alleine für die Vorreservierung des Impfstoffes, die dann bei
Bestellung vom Preis abgezogen werde, so Karlsböck. Dies verfälsche
jedoch die Marktbedingungen für andere Anbieter, so Karlsböck, der
sich von einer Neuausschreibung erwarte, dass die Bedingungen für
alle Anbieter gleich seien. Zudem solle das Ministerium endlich den
bestehenden Vertrag offen legen, forderte Karlsböck. "Wenn die
Liefermenge nicht eingehalten werden kann - und derzeit sieht es so
aus - müssen die von der Republik bereits geleisteten Zahlungen
rückerstattet werden", so Karlsböck.
Angesichts der schleppenden Impfstoffproduktion müsse das Ziel einer
Neuausschreibung sein, alle drei Anbieter zum Zug kommen zu lassen.
Anders sei es nicht möglich die für Österreich notwendigen Impfdosen
bereit zu stellen, so Karlsböck. Durch die monatelange Untätigkeit
des Ministers sei derzeit allerdings Eile geboten, so Karlsböck, der
sich durchaus ein verkürztes Verfahren vorstellen könne, da ohnehin
alle bietenden Firmen zum Zug kommen müssten.
"Stell dir vor Österreich hat einen Pandemieplan und keiner hält sich
daran", fasste Karlsböck die derzeitige Situation zusammen, denn laut
Plan müsste das Impfprogramm bereits voll laufen. Während in den USA
bereits flächendeckend geimpft werde, steckt Stöger den Kopf in den
Sand und versuchte den Österreichern die Impfung auszureden,
kritisierte Karlsböck. "Das ist gefährlicher Unsinn."
Zwar habe die Schweinegrippe bei den meisten Betroffenen einen milden
Verlauf, bei jungen Menschen könne das H1N1-Virus jedoch zu
dramatischen und lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Das ergaben
aktuell drei Studien aus Kanada, Mexiko und den USA, die im "Journal
of the American Medical Association" (JAMA) publiziert worden seien,
erinnerte Karlsböck.
So sei in den USA die Zahl der an der Schweinegrippe gestorbenen
Kinder in den vergangenen Tagen rasch angestiegen. Allein in der
Woche bis zum 3. Oktober seien 19 Kinder an Grippeinfekten gestorben,
16 von ihnen nachweislich an dem Schweinegrippe-Virus H1N1, wie das
Zentrum für Gesundheitsschutz und Prävention (CDC) am Freitag
mitteilte. Seit dem Ausbruch der Schweinegrippe im Frühjahr starben
damit bereits 76 Kinder in den USA an dem neuen Virus. Grund genug
für die für ihr Gesundheitssystem nicht gerade berühmten USA ein
Massenimpfprogramm zu starten, so Karlsböck.
Wichtig sei auch der Schutz vor der saisonalen Grippe, an der in
Österreich immerhin bis zu 3.000 Menschen jährlich sterben würden,
sagte Karlsböck. Im abgesehenen "British Medical Journal" sei
unlängst die Empfehlung für beide Grippe-Impfungen veröffentlicht
worden. Die Autoren warnen nachdrücklich vor einem Verzicht auf die
Impfung gegen das H1N1-Virus der Schweinegrippe. "Diese dürfe
keinesfalls durch die saisonale Grippeimpfung ersetzt werden."
Die Schweinegrippe dürfe nicht unterschätzt werden, sind sich alle
Experten einig. "Auch die 'Spanische Grippe' von 1918 mit bis zu 40
Millionen Todesopfern begann 'mild'. Jetzt haben wir die neue
A(H1N1)-Influenza. Wir wissen nicht, wie sie enden wird", warnte auch
der niederländische Experte Albert Osterhaus.
Da die Österreicher Impfmuffel seien, müsse die Bundesregierung eine
Kampagne für das Impfen starten - ein Vorbild ist in den USA zu
sehen, wo bereits eine breit angelegte Kampagne laufe, so Karlsböck.
"Die Gefahr klein zu reden, um die Österreicher von der Impfung
abzuhalten, weil zu wenig Impfstoff vorhanden ist, wie das Stöger
derzeit macht", ist jedenfalls gemeingefährlich, kritisierte
Karlsböck.
Rückfragehinweis:
FPÖ
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OTS0133 2009-10-14/12:19
141219 Okt 09
FPK0007 0643