• 09.10.2009, 09:00:17
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Psychotherapie hilft!

Tag der seelischen Gesundheit

Wien (OTS) - Der Welttag der seelischen Gesundheit wurde 1992 von
der WHO ausgerufen, um in der Öffentlichkeit auf die Anliegen
seelisch kranker Menschen aufmerksam zu machen. Genauso lang besteht
der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP). Die
dringlichen Forderungen nach flächendeckender psychotherapeutischer
Behandlung auf Krankenschein und Erleichterung des Zugangs durch
Erhöhung des Krankenkassenzuschusses stehen auch am Tag der
seelischen Gesundheit an erster Stelle.

Seelische Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit

Jeder vierte Österreicher hat das Risiko, zumindest einmal in
seinem Leben an einer psychischen Störung zu erkranken oder an einem
massiven psychischen Problem zu leiden. Österreich erreicht einen
Versorgungsgrad von gerade 0,5 Prozent der Bevölkerung. Bei Kindern
und Jugendlichen liegen wir etwa bei 0,3 Prozent. Im Vergleich dazu
erreicht Deutschland 2,6 Prozent. Der Bedarf liegt laut
internationaler Studien aber bei 2,1 bis 5 Prozent.

Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu und sind die
Hauptgründe für längeren Krankenstand bzw. Invaliditätspension. Der
volkswirtschaftliche Schaden dieser Entwicklung ist enorm und
übertrifft die Kosten für die erforderliche Psychotherapie um ein
Vielfaches. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der
Krankenstände wegen psychischer Probleme verdoppelt. Psychische
Erkrankungen sind mittlerweile - laut WIFO Report - bei den
österreichischen Männern die zweithäufigste und bei Frauen die
häufigste Ursache für Invaliditätspension. Die diesbezüglich
geschätzten Kosten belaufen sich auf 2,8 Mrd. Euro.

"Depression, Angst, Burn-Out und andere seelische Erkrankungen
dürfen kein Tabu mehr darstellen. Verstecken oder Unterdrücken ist
keine Lösung, denn je früher man diese Erkrankungen erkennt und
behandeln lässt, desto größer ist die Heilungschance", betont Frau
Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des ÖBVP.

Alarmierende Zustände bei Kindern und Jugendlichen

Besonders bedenkliche Zustände herrschen laut der OECD-Studie
(Quelle: OECD, September 2009, Doing Better for Children) bei
Österreichs Kindern und Jugendlichen. Einige Zahlen in der Studie
geben Anlass zur Besorgnis um den seelischen Zustand unserer Jugend.
Die Sterblichkeit bei den 15- bis 19-jährigen Jungen liegt deutlich
über dem OECD-Schnitt und um fast 40 Prozent höher als in Deutschland
bzw. mehr als doppelt so hoch wie in Japan. Auch nehmen
österreichische Jugendliche relativ häufig Risiken in Kauf und sind
vergleichsweise stark selbstmordgefährdet. Der Anteil der
regelmäßigen Raucher der 15-Jährigen liegt mit 27 Prozent um mehr als
ein Drittel über dem OECD-Schnitt.

Alkoholkonsum unter unseren 13- bis 15-Jährigen ist weiter
verbreitet als im OECD-Mittel. So berichten 22,7 Prozent in
Österreich, dass sie schon mindestens zwei Mal betrunken waren, wobei
das OECD-Mittel knapp 20 Prozent beträgt. Österreich hat zudem
weltweit die sechsthöchste Selbstmordrate unter den 15- bis
19-Jährigen. Auch Mobbing scheint an österreichischen Schulen stärker
verbreitet zu sein als im OECD-Schnitt. 16 Prozent der SchülerInnen
geben an kürzlich gemobbt worden zu sein (elf Prozent im
OECD-Schnitt).

All diese aktuellen Daten geben Anlass zur Sorge um die seelische
Gesundheit unserer Jugend und erfordern somit dringenden
Handlungsbedarf, was die psychotherapeutische Versorgung in
Österreich betrifft.

Gravierende Versorgungsprobleme in Österreich:

- Nur rund 46.000 Personen sind in Österreich aktuell in 
   psychotherapeutischer Behandlung. Etwa die Hälfte der 
   PatientInnen, die derzeit Psychotherapie in Anspruch nehmen, 
   erbringen hohe Eigenleistungen, weil die Kassen den nicht 
   valorisierten Zuschuss zur psychotherapeutischen Behandlung seit
   1992 bei Euro 21,80 eingefroren halten. Die reine Indexanpassung 
   würde heute bereits 31,40 Euro betragen (Quelle: Statistik 
   Austria).

 - Die Kostenerstattung (Erstattung von 80 % des Kassentarifs), wie 
   sie im ASVG für die Psychotherapie vorgesehen ist, wird mit der 
   Refundierungsregelung umgangen. Viele Psychotherapiebedürftige 
   können sich Psychotherapie deshalb nicht leisten. 

 - Die Kontingente für "Psychotherapie auf Krankenschein" sind oft 
   schon in der ersten Jahreshälfte ausgeschöpft. Wer im Herbst 
   Psychotherapie braucht, hat oft das Nachsehen! PatientInnen 
   warten - laut Studie des Österreichischen Bundesinstituts für 
   Gesundheitswesen (ÖBIG) 2009 - zwischen vier und 30 Wochen auf 
   einen Kassenplatz.

Der ÖBVP fordert daher:

- Kassenfinanzierte Psychotherapie für alle, die Behandlung
brauchen.
- Sofortige Erleichterung des Zugangs zur Psychotherapie durch
Erhöhung des Krankenkassenzuschusses auf 40,- Euro.

Psychotherapie hilft! Unterschriftenaktion für leistbare
psychotherapeutische Behandlung

Darauf zielt auch die bundesweite Unterschriftenaktion für das
Recht auf leistbare psychotherapeutische Behandlung auf
www.psychotherapie.at ab. Der ÖBVP sammelt die
Unterstützungserklärungen und leitet sie an den Gesundheitsminister,
die politischen Parteien und die Krankenkassen weiter.

Rückfragehinweis:

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP)
   www.psychotherapie.at
   1030 Wien, Löwengasse 3/5/6 
   T +43 1 512 70 90  0 
   F +43 1 512 70 90  44 
   E [email protected]

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