- 11.09.2009, 12:25:07
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ARGE Eigenheim-Obmann Lugger: Staatsverschuldung nicht auf Kosten der Wohnbauförderung sanieren
St. Wolfgang (OTS) - "Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat
innerhalb eines Jahres eine unglaublich hohe Staatsverschuldung zur
Folge gehabt. Die nun notwendige Budgetsanierung darf aber keineswegs
zu Lasten des geförderten Immobilienmarktes gehen, denn gerade die
Gemeinnützigen sind ein enorm stabilisierendes Element", betonte
Obmann Prof. Dr. Klaus Lugger bei den 15. St. Wolfganger Tagen" der
ARGE Eigenheim.
Über 100 Manager der in der ARGE Eigenheim organisierten VP-nahen
gemeinnützigen Bauträger diskutieren alljährlich mit
Wissenschaftlern, Politikern, Technikern und Finanzexperten über
aktuelle Aufgaben und künftige Herausforderungen im geförderten
Wohnbau. Heuer stand die Finanzkrise und deren Auswirkungen nicht nur
auf die gemeinnützige Wohnungswirtschaft sondern auch auf deren
Kunden im Mittelpunkt.
Lugger: Finger weg von Wohnbauförderung
Lugger sieht den geförderten Wohnbau von Good News und Bad News
beeinflusst. Positiv seien geringe Baukosten, niedrige Energiekosten
und sehr günstige Bankzinsen. Negativ schlägt sich durch die Krise
die steigende Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen nieder, das
betrifft stark auch unsere Wohn-Klientel", so Lugger.
Vor allem aber befürchtet Lugger, dass bei der Sanierung der
Staatsfinanzen auch der geförderte Immobilienmarkt zum Handkuss
kommen könnte. Das gilt für Bund und die Länder. Die Delegierten zu
den 15. St. Wolfganger Tagen fordern die Politik einhellig auf, "die
Finger von der Wohnbauförderung zu lassen und auch die Grundsteuer
nicht anzutasten". Vor allem müsse die Zweckbindung der
Wohnbauförderung wieder eingeführt werden. Lugger: "Unsere Kunden
können nur mit der verfassungsrechtlichen Sicherung der
Wohnungsgemeinnützigkeit gut schlafen."
Großruck: Keine Kreditklemme bei Wohnbaufinanzierung
Die Krise brachte eine erhöhte Nachfrage nach sicheren Realwerten,
analysierte der frühere ÖVP-Bautensprecher NR Wolfgang Großruck.
Durch die Vergünstigung von Wohnbaukrediten für private Haushalte
wurde der Immobiliensektor insgesamt attraktiver. Dies gelte
insbesondere auch für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft.
Tatsächlich konnte die gemeinnützige Wohnungswirtschaft ihr
Bauvolumen im Jahr 2008 weiter erhöhen, "und es sind derzeit keine
Krisenzeichen erkennbar", betonte Großruck.
Unterstützt wird diese positive Einschätzung Großrucks durch die
Tatsache, dass es bei der Wohnbaufinanzierung in Österreich derzeit
keine Kreditklemme gebe. Auch das staatlich geförderte Bausparen ist
weiterhin eine beliebte Anlage- und Finanzierungsform - insbesondere
seit mit dem Konjunkturpaket 1 auch die staatliche Förderung
angehoben wurde.
Dazu kommt laut Großruck, dass im ersten Halbjahr 2009 die
Baukostendynamik abgeflacht ist. Dies wirkte sich positiv auf die
Nachfrage nach Immobilien aus. Großruck: "Konjunkturpakete,
Steuerreform, das Bankenpaket sowie die Förderung von thermischen
Sanierungsmaßnahmen wirken sich ebenfalls günstig auf die heimische
Wohnbauwirtschaft aus.
Scharinger: Fristenkonforme Finanzierung wichtig
Dr. Ludwig Scharinger, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen
Landesbank Oberösterreich, ist davon überzeugt, "dass sich die
gemeinnützige Wohnbauwirtschaft künftig nicht nur auf den Neubau
konzentrieren wird". Auch Revitalisierungen, thermische Sanierungen
und die Entwicklung von Ortskernprojekten zählen seiner Meinung nach
künftig zu wichtigen Leistungen der gemeinnützigen Bauträger. "Es
geht um die Lebens- und Wohnqualität. Bestehende Gebäude, auch in den
Ortszentren, bieten viele neue Nutzungsmöglichkeiten", ist Scharinger
überzeugt.
Scharinger verwies in diesem Zusammenhang auch auf die
Notwendigkeit fristenkonformer Finanzierungen: "In der Vergangenheit
wurde von manchen Instituten vielfach viel zu wenig Wert auf
fristenkonforme Finanzierungen gelegt. Langfristige Finanzierungen
wurden kurzfristig finanziert, das hat sich gerächt."
Scharinger strich drei Finanzierungsmöglichkeiten hervor:
- Kurzfristige Finanzierungen mit Zinscaps,
- Fixzinsfinanzierungen auf ein bis zwei Jahre mit
Kündigungsmöglichkeit, gekoppelt mit Zinscaps,
- eine sichere, stabile Finanzierung mit Spreads.
Schmidinger: Österreichs Wohnbaufinanzierungssystem krisenfest
Generaldirektor Dr. Josef Schmidinger von der S-Bausparkasse
betonte: "Das österreichische Wohnbaufinanzierungssystem hat sich als
sehr krisenresistent herausgestellt. Der gemeinnützigen
Wohnungswirtschaft ist dafür ebenso zu danken wie den verschiedenen
Instrumenten der Wohnbauförderung. Neben der direkten Vergabe von
Wohnbauförderungsmitteln durch die Länder sind das Bauspar- und das
Wohnbaubankensystem Garanten für leistbares Wohnen in unserem Land."
Dieses System von Spezialbanken müsse Schmidinger zufolge seinen
Anteil zur Krisenabschirmung auch in Zukunft halten können. Die
Erhöhung der Bemessungsgrundlage beim Bausparen auf 1.200 Euro hilft
das Primärmittelaufkommen der Bausparkassen zu erhöhen. "Ebenso
wichtig ist aber der Ausbau des Wohnbaubankensystems für den
mehrgeschossigen Wohnbau durch Einbezug der Wohnbauanleihen in die
Zukunftsvorsorge und in das System der Pensionskassen und
Mitarbeitervorsorgekassen in Österreich", unterstrich Schmidinger.
Stelzer: Mit mehr Wohnbau gegen die Wirtschaftskrise
"Forcierter Wohnbau ist auch eine wichtige konjunkturbelebende
Maßnahme und daher ist das Wohnbaupaket des Landes Oberösterreich ein
zentraler Bestandteil des oö. Konjunkturprogramms", ist
OÖVP-Wohnbausprecher und Klubobmann Mag. Thomas Stelzer überzeugt.
Damit wird einerseits den oö. Unternehmen der Rücken gestärkt,
Arbeitsplätze werden gesichert und neuer, moderner Wohnraum entsteht.
Konkret wird im Rahmen des Wohnbaupakets, das auf Initiative von
Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer geschnürt wurde, die Bauleistung
im heurigen Jahr von 2.000 auf 3.000 Wohneinheiten aufgestockt.
Gesondert gefördert werden auch Sanierungen. Erstmals gibt es für
eine Sanierung sogar 1.000 Euro bar auf die Hand. Damit möglichst
viele Eigentümer eine Sanierung in Angriff nehmen, wurden die
Einkommensgrenzen abgeschafft.
Die gesetzten Maßnahmen greifen: So wurde die Sanierungsförderung
aufgrund der großen Nachfrage bereits um ein halbes Jahr verlängert.
Teuschl:
Teuschl: "Der Österreichische Wohnungsmarkt blieb von einer
Immobilienkrise bisher verschont und einen wesentlichen Anteil daran
haben die Gemeinnützigen", diagnostizierte Dir. Ing. Dr. Herbert
Teuschl, Obmannstellvertreter der Gemeinnützigen Österreichs. Denn
die starke gemeinnützige Wohnungswirtschaft mit 520.000 Miet- und
300.000 Eigentumswohnungswohnungen sei ein entscheidender
Stabilitätsfaktor, der auch Spekulationen verhindere.
Um so wichtiger bleibe laut Teuschl die Langfrist- und
Gemeinwohlorientierung als Geschäftsmodell der gemeinnützigen
Bauträger. Dazu komme die Arbeitsplatzsicherung durch eine stabile
Neubauproduktion und Wohnraumsanierung. Deshalb benötige Teuschl
zufolge der Konjunkturmotor Wohnbau auch 2010 und 2011 erhöhte
Förderungsmittel durch die öffentliche Hand. Konjunkturpakete müssten
daher auch den Wohnbau im Auge haben, denn dieser schaffe nicht nur
leistbaren Wohnraum, sondern sichere auch Tausende Arbeitsplätze.
Teuschl: "Auch wir gemeinnützige Bauvereinigungen sind gefordert,
dazu kreative Beiträge zu leisten". Insbesondere die thermische
Sanierung verbinde hohe Beschäftigungseffekte mit langfristig
positiven ökologischen Auswirkungen: Energieeinsparung, Erreichung
der Kyoto-Ziele und Entlastung der Leistungsbilanz.
Um in allen Gebäuden Niedrigenergiestandards zu erreichen, müssten
über 30 Jahre hinweg jährlich 1,5 Milliarden Euro investiert werden.
Rückfragehinweis:
Prof. Dr. Klaus Lugger
Obmann der ARGE Eigenheim
Tel. +436502004505, mailto:[email protected]
www.nht.at
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