- 11.08.2009, 10:28:00
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WWF: Kleinwasserkraft überflutet Oberösterreich
Infozelt und Herz für Flüsse stehen heute in Linz
Linz (OTS) - Linz, 11. August 2009 - Steile Schluchten,
ausgedehnte Auen und offene Schotterbänke: So naturnah präsentieren
sich Oberösterreichs Fließgewässer nur noch an wenigen Stellen.
Bereits über 90 Prozent von ihnen sind begradigt, eingestaut und ins
Korsett gezwängt. "Flüsse und Bäche sind wie die Finger einer Hand,
die nur funktionsfähig ist, wenn alle Finger dran sind", erklärt
Nicole Schreyer, Leiterin des WWF-Alpenprogramms. Auch die
Kleinwasserkraft wirkt sich großflächig und deshalb negativ auf unser
Flussadernetz aus. Obwohl es in Oberösterreich bereits über 600
Kleinwasserkraftwerke gibt, sollen diese massiv ausgebaut und durch
Landesförderung unterstützt werden. Der WWF und die Plattform Flüsse
voller Leben kritisierten heute in Linz den massiven Ausbaudruck der
Kraftwerkslobby in Oberösterreich. Sie treten für den dauerhaften
Schutz der letzten freien Fließstrecken ein und laden die Linzer zum
Besuch des Flussrätselzeltes und des Flüsse-Herzes am Taubenmarkt
ein.
Oberösterreich hat sein Wasserkraft-Potential bereits zu 90 Prozent
ausgeschöpft und liegt gemeinsam mit Niederösterreich bundesweit an
der Spitze. "Donau, Inn und Enns sind in Oberösterreich bereits zu
100 Prozent ausgebaut. Von den verbleibenden Fließwasserstrecken ist
etwa die Salzach in Oberösterreich zur Gänze als Schutzgebiet
einzustufen und für Kraftwerkspläne tabu", betont Karl Frais,
Bundesvorsitzender der Naturfreunde Österreichs. Klar sei, dass nicht
unter dem Deckmantel des Klimaschutzes die letzten natürlichen
Flusslandschaften verbaut werden dürfen. "Wasserkraft ist erneuerbar,
aber unsere letzten freien Flusslandschaften sind es nicht", so der
Naturfreunde-Vorsitzende.
Flüsse und Bäche dienen nicht nur der Energiegewinnung, sondern
erfüllen viele weitere Funktionen. Natürliche Flusslandschaften sind
wertvolle Lebensräume; sie dienen dem Hochwasserschutz, der
Trinkwasserversorgung und der Erholung.
Die Koppentraun bietet zum Beispiel in weiten Bereichen noch ein
Naturerlebnis höchster Güte und zieht jedes Jahr tausende
Wassersportler aus dem In- und Ausland an. Unverbaute Flussabschnitte
wie diese dürfen nicht unsinnigen, unrentablen und Natur zerstörenden
Kraftwerksplänen geopfert werden. "Schon in der Vergangenheit haben
wir Kajakfahrer und Kanuten gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist,
wenn es den letzten naturnahen und natürlichen Flüssen an den Kragen
gehen soll", sagt Peter Feldhammer von kajak.at. "Jetzt sind wir
wieder gefordert, die Oberösterreichischen Flüsse gegen den
Ausbauwahn der Energiekonzerne zu verteidigen."
Wasserkraft stillt nur Stromhunger der nächsten Jahre
"Selbst wenn man das vorhandene Restpotential der Wasserkraft in
Österreich zur Gänze ausbauen würde, wäre der Zugewinn an Energie
schon in fünf bis sechs Jahren allein durch den jährlichen Mehrbedarf
kompensiert, aber die letzten freien Flussstrecken unwiederbringlich
verloren", sind sich die Partner der Plattform Flüsse voller Leben
einig.
Sie rufen deshalb die Oberösterreicher zur Unterzeichnung der
Petition auf, die diese Forderungen unterstützt:
www.fluesse-voller-leben.at/petition. Für die Petition setzen sich
auch zahlreiche Prominente ein.
Allianz für Flüsse voller Leben
Angesichts des drohenden totalen Ausbaus der letzten österreichischen
natürlichen Flüsse und Bäche haben sich die größten
Naturschutzorganisationen (WWF, Naturschutzbund, Naturfreunde,
Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Fischereiverband,
kajak.at und der Alpenverein Edelweiß) zur Plattform Flüsse voller
Leben zusammen geschlossen. Das Ziel der Plattform ist der gesetzlich
verbindliche Schutz der Flüsse.
Der WWF und seine Partner treten für Effizienzsteigerung,
Energiesparen, die Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke und
den Ausbau anderer Erneuerbarer Energieträger ein. Dadurch sollen
auch wesentlich mehr neue Arbeitsplätze geschaffen werden als dies
mit dem Ausbau der Wasserkraft möglich ist.
"Herz für Flüsse" in ganz Österreich
Der WWF tourt in den ersten beiden Augustwochen mit einem
Fluss-Infozelt für Eltern und Kinder und einem überlebensgroßen Herz
für Flüsse durch alle Landeshauptstädte. Nach Innsbruck, Bregenz,
Salzburg, Graz, St. Pölten und Linz endet die Tour am 12. 8. in
Klagenfurt.
Fakten zu Flüssen und Kraftwerksplänen in OÖ, Fotos, Petition, und
weitere Pressematerialien: www.fluesse-voller-leben.at (Presse)
Rückfragehinweis:
Rückfragen:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 0676-83488-203, Email: [email protected]
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