"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fanatismus, der nur nervt" (Von GABRIELE STARCK)
Ausgabe vom 6. August 2009
INNSBRUCK (OTS) - Grabschändungen und Einschüchterungen unter dem
Deckmantel des Tierschutzes sind nichts anderes als sinnlose und
blinde Besessenheit.
Das Leben ist schützenswert und damit auch jedes Lebewesen.
Niemand wird widersprechen. Natürlich stimmt es nachdenklich, dass
die Zahl der Tierversuche in Österreich kontinuierlich steigt - trotz
verschärfter Regelungen, dem Einsatz alternativer Testmethoden und
des Verbots von Tierexperimenten im Kosmetikbereich. Und
selbstverständlich bleibt einem das Brathendl im Hals stecken, wenn
man darüber nachdenkt, welche Methoden zum Einsatz kommen, bis es auf
dem Teller landet.
Menschen, die sich für Verbesserungen im Umgang mit Tieren
einsetzen, sind bewundernswert. Eindeutig ausgenommen davon sind aber
jene, die zu gewalttätigen Mitteln greifen. Dazu gehören auch
Grabschändungen oder Brandstiftungen, wie sie zuletzt gegen den
Novartis-Chef eingesetzt worden sein sollen. Oder - was besonders
verabscheuungswürdig ist - die Drohungen und Einschüchterungen
gegenüber Mitarbeitern von Pharmafirmen und vor allem deren
Angehörigen.
Schutz von Leben setzt Achtung vor dem Leben voraus. Wer einem
anderen Lebenwesen schadet - egal, ob psychisch, physisch oder
strukturell -, lässt diese Achtung vermissen. Genau das trifft auf
militante Tierschützer zu, was die Spezies Mensch betrifft. Die
Diskussion, ob jegliches Töten von Tieren sinnlos ist und mit jedem
Mittel dagegen angekämpft werden muss, ist einfach nur nervtötend,
solange zig Millionen Menschen auf der Welt tagtäglich psychischer,
physischer und struktureller Gewalt ausgesetzt sind - nicht nur durch
Krieg und Ausbeutung in fernen Ländern, sondern in kleinerem Ausmaß
auch hierzulande.
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