• 08.07.2009, 12:58:01
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Sozialpartner: Alternsgerecht arbeiten - Arbeitsfähigkeit erhalten

www.arbeitundalter.at bringt Best-Practice-Beispiele

Wien (ÖGB/IV/AK/WKÖ) - Österreichs Bevölkerung und Arbeitskräfte
werden älter. In den Betrieben ist mittlerweile jeder zweite
Mitarbeiter bzw. jede zweite Mitarbeiterin über 40 Jahre alt -
Tendenz steigend. Und wir alle wollen - nicht zuletzt im Umfeld
unserer beruflichen Tätigkeiten - möglichst gut älter werden. Sicher
ist auch: Die Wirtschaft braucht das Wissen und die Fachkenntnisse
der Älteren. Eine Sozialpartnerveranstaltung am 7. Juli in der
ÖGB-Fachbuchhandlung hat gezeigt, wie altersgerechtes Arbeiten in den
Alltag österreichischer Betriebe Einzug halten kann, sodass die
Umsetzung auf selbstverständliche Weise zum Vorteil aller Beteiligten
führt. Anlass war die Präsentation der Informations-Website
www.arbeitundalter.at, die zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der
Praxis zeigt.++++

"Nicht das Erschweren des Pensionsantritts, sondern das
Erleichtern des Verbleibs in der Arbeitswelt ist das Ziel", sagte
Christine Schwanke, Bereichsleiterin Generationenbalance beim IBG
Institut für humanökologische Unternehmensführung. Sie wies darauf
hin, dass es keine Universallösung für alternsgerechtes Arbeiten
gebe: "Die Betriebe brauchen immer maßgeschneiderte Lösungen. Diese
brächten nicht nur den Arbeitnehmern etwas, sondern auch den
Unternehmen: "Sie können sich als attraktive Arbeitgeber
positionieren. Die Menschen denken: ‚Hier kann ich bis zur Pension
bleiben.’"

AK: Gesundheit wichtigstes Motiv für längeres Arbeiten

"Für 70 Prozent ist betriebliche Gesundheitsförderung ein
Fremdwort. Das kommt in den Unternehmen gar nicht vor", sagte die
AK-Bereichsleiterin für Soziales, Alice Kundtner. Dabei sei der
Gesundheitszustand das wichtigste Motiv von Menschen, die länger in
der Arbeitswelt bleiben als unbedingt notwendig. Dass alle
ArbeitnehmerInnen so schnell wie möglich in Pension gehen wollen,
verwies Kundtner in das Reich der Märchen: "Viele erreichen gar nicht
das Regelpensionsalter, weil sie vorher mit Staublunge in
Invaliditätspension müssen." Auch für die Notwendigkeit von
Weiterbildung müssten viele Arbeitgeber, aber auch ArbeitnehmerInnen
erst sensibilisiert werden: "Noch immer sagen viele Arbeitgeber,
jemand ist zu alt für eine Schulung, und der Arbeitnehmer sagt, in
meinem Alter brauche ich keine Schulung mehr."

IV: Ältere sind Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

"Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möglichst lange im
Erwerbsprozess zu halten bzw. rasch wieder in den Erwerbsprozess zu
integrieren ist für die Industrie ein zentrales Anliegen", so
Wolfgang Tritremmel, Bereichsleiter Arbeit und Soziales der IV. Die
Industrie habe ältere Arbeitskräfte schon seit längerem als einen
wichtigen Zukunftsfaktor erkannt. Ältere Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer länger im Erwerbsprozess sei nicht zuletzt gerade in der
Krise eine Chance: "Ältere verfügen zumeist über eine hohe Erfahrung,
Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine hohe
Problemlösungskompetenz. Sie können daher für ein Unternehmen einen
wesentlichen Wettbewerbsvorteil bedeuten", betonte Tritremmel. In
vielen Unternehmen sei man daher bereits bemüht, gemeinsam mit den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Betriebsrat sowie Experten an
vielfältigen Problemlösungen und Maßnahmen zur altersgerechten
Gestaltung der Arbeitswelt zu arbeiten. "Alternsgerechte
Arbeitsorganisation, betriebliche Gesundheitsförderung und
Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens sind dabei die
wichtigsten drei Hebel, an denen wir ansetzen müssen", forderte
Tritremmel. Das verfrühte Ausscheiden Älterer aus dem Arbeitsmarkt
sei überdies aufgrund der demografischen Entwicklung für
voraussehbare Arbeitskräfteengpässe der Wirtschaft und für das
Pensionssystem nicht länger tragbar.

ÖGB: Das Wissen ist da, wird aber oft nicht umgesetzt

"Das Wissen, wie man Arbeitsplätze alternsgerecht gestaltet, ist
durchaus vorhanden", sagte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär im
ÖGB, "aber es wird in vielen Unternehmen nicht umgesetzt, solange es
keinen Rechtsanspruch zum Beispiel auf einen entsprechend angepassten
Arbeitsplatz gibt." Das alternsgerechte Arbeiten fange bei den Jungen
an: "Wer nicht früh beginnt sich weiterzubilden, wird das später auch
nicht mehr tun." Ähnliches gelte für die Gesundheitsvorsorge. Dass
ein frühzeitiger Pensionsantritt in Österreich von vielen nicht
gerade als unangenehm eingestuft werde, sei eine Folge von falscher
Politik: "Lang wurde Arbeitsmarktpolitik auf Kosten der
Pensionsversicherung betrieben, nach dem Motto: ‚Lieber ein
glücklicher Pensionist als ein unglücklicher Arbeitsloser’. Dann kam
die Pensionsreform, der Zugang wurde erschwert, aber es gab keine
begleitenden Maßnahmen, die den Menschen ermöglicht haben, auch
wirklich länger im Berufsleben zu bleiben.

WKÖ: Das Sinn Stiftende der Arbeit herausstreichen

"Die EU verliert 20 Prozent an Produktivität im Vergleich zu Asien
oder den USA, weil Erfahrungswissen nicht ausreichend genutzt wird",
sagte Martin Gleitsmann, WKÖ-Bereichsleiter für Sozial- und
Gesundheitspolitik. Sensibilisiert müssten sowohl die
ArbeitnehmerInnen als auch die Führungskräfte werden: "Man muss das
Sinn stiftende der Arbeit auch für die älteren Arbeitskräfte
herausstreichen. Aussteigen macht nicht glücklich, das belegen
zahlreiche Studien." Den älteren MitarbeiterInnen müssten
Perspektiven geboten werden: "Auf Qualifikation, auf
Weiterentwicklung, aber auch auf Karriere." Das müsse in
individuellen Zielvereinbarungen umgesetzt werden, könnte aber auch
zur Orientierung in Unternehmensleitbildern verankert werden.

SERVICE: Fotos von der Veranstaltung, vor allem aber viele
Umsetzungsbeispiele aus der Praxis, finden Sie auf
www.arbeitundalter.at (fk)

ÖGB, 8. Juli 2009 Nr. 442

Rückfragehinweis:

ÖGB Öffentlichkeitsarbeit 
   Florian Kräftner 
   Tel.: (+43-1) 534 44/290 DW 
   Fax: (+43-1) 533 52 93 
   http://www.oegb.at
   
   IV-Newsroom
   Tel.: (+43-1) 711 35-2306
   Fax: (+43-1) 711 35-2313
   mailto:[email protected]
   http://www.iv-net.at/medien
   
   AK Wien Kommunikation
   Thomas Angerer 
   Tel.: (+43-1) 501 65-2578 
   mailto:[email protected] 
   http://wien.arbeiterkammer.at
   
   WKÖ Stabsabteilung Presse
   Mag. Sabine Radl
   Tel.: 0590900/DW 3590 
   mailto:[email protected]
   http://wko.at/Presse

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