- 10.05.2009, 13:15:13
- /
- OTS0043 OTW0043
Graf: CERN-Ausstieg degradiert Österreich zur forschungspolitischen Bananenrepublik"
Parlamentarische Petition in Vorbereitung
Wien (OTS) - "Wissenschaftsminister Hahn verhindert mit Gewalt
österreichische Forschungserfolge", kommentierte der freiheitliche
Wissenschaftssprecher und Dritte Nationalratspräsident Martin Graf
den über Nacht bekannt gegebenen Ausstieg Österreichs aus der
gemeinsamen Forschung im Zentrum CERN in Genf (Schweiz). Die
Entscheidung, der offenbar der Wunsch nach Einsparung der knapp 20
Millionen Mitgliedsbeitrag zu Grunde liege, könne er sich nur durch
völlige Ahnungslosigkeit Hahns im Bereich der Physik-Forschung
erklären. Diesen Schritt noch dazu gerade jetzt zu setzen, wo im CERN
die vielleicht bedeutendste Entdeckung in der Forschung über die
Struktur der Materie bevorsteht, sei geradezu grotesk und degradiere
Österreich zur forschungspolitischen Bananenrepublik. "Wenn es
gelingt, das sogenannte Higgs-Teilchen nachzuweisen, gibt das zudem
hundertprozentig einen Nobelpreis, zu dem auch österreichische
Physiker maßgeblich beitragen. Kurz bevor die Früchte von 20 Jahren
Arbeit geerntet werden, stößt sie der Wissenschaftsminister jetzt aus
dem Boot", so Graf weiter.
Es sei geradezu peinlich, wie Hahn nun versuche, die Bedeutung der
Teilchenphysik in Österreich herunterzuspielen, um den CERN-Ausstieg
zu rechtfertigen. "Fakt ist nämlich, dass alle hochrangigen
Physik-Institute an Österreichs Universitäten maßgeblich mit CERN
kooperieren. Sie würden durch den Ausstieg völlig abgeschnitten vom
Mutterschiff der Forschung", befürchtet Graf. Hahns Argumentation
heute stehe zudem im krassen Gegensatz zu seiner Einschätzung vor
einem halben Jahr, als er das beginnende Experiment mit dem
Teilchenbeschleuniger LHC mit folgenden Worten gelobt hat: "Der LHC
ist ein eindrucksvoller Beweis für die Schlagkraft der
Grundlagenforschung und deren Bedeutung für die technologische
Weiterentwicklung" und sich damit "in seiner Forderung nach einer
stärkeren Dotierung der Grundlagenforschung bestärkt" sah -
nachzulesen auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums - verlinkt
auf www.unzensuriert.at .
Experten weisen zudem darauf hin, dass ein Großteil des CERN-Beitrags
von 20 Millionen Euro wieder nach Österreich zurückfließt, etwa die
Hälfte schon in Form von Löhnen und Gehältern für die etwa 170 dort
tätigen Österreicher. Auch zahlreiche österreichische Firmen
profitieren als Auftragnehmer und letztlich vor allem auch
Forschungseinrichtungen. So greife das Krebs-Forschungszentrum Med
Austron in Wiener Neustadt im Rahmen eines Abkommens kostenlos auf
CERN-Erkenntnise zurück. Graf: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass
die CERN-Leitung an einer solchen Zusammenarbeit weiter interessiert
ist, wenn Österreich durch einen Ausstieg demonstrativ sein
Desinteresse zeigt."
Gemeinsam mit den freiheitlichen Abgeordneten-Kollegen im
Wissenschaftsausschuss will Graf alle Möglichkeiten ausschöpfen, um
den Ausstieg zu verhindern. "Wir bereiten als Erstes eine
parlamentarische Petition vor", so der Dritte Nationalratspräsident.
Zudem würden sämtliche Maßnahmen der österreichischen Physiker
unterstützt. Für die werde die Lage in Österreich nämlich immer
trüber. "Zuerst der Abschied aus der friedlichen Atomforschung, jetzt
der Abschied von der europäischen Grundlagenforschung. Schön langsam
kann man als Österreicher in diesem Bereich nur noch als Physiklehrer
arbeiten!"
Rückfragehinweis:
FPÖ
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FPK






