Graf: CERN-Ausstieg degradiert Österreich zur forschungspolitischen Bananenrepublik"

Parlamentarische Petition in Vorbereitung

Wien (OTS) - "Wissenschaftsminister Hahn verhindert mit Gewalt österreichische Forschungserfolge", kommentierte der freiheitliche Wissenschaftssprecher und Dritte Nationalratspräsident Martin Graf den über Nacht bekannt gegebenen Ausstieg Österreichs aus der gemeinsamen Forschung im Zentrum CERN in Genf (Schweiz). Die Entscheidung, der offenbar der Wunsch nach Einsparung der knapp 20 Millionen Mitgliedsbeitrag zu Grunde liege, könne er sich nur durch völlige Ahnungslosigkeit Hahns im Bereich der Physik-Forschung erklären. Diesen Schritt noch dazu gerade jetzt zu setzen, wo im CERN die vielleicht bedeutendste Entdeckung in der Forschung über die Struktur der Materie bevorsteht, sei geradezu grotesk und degradiere Österreich zur forschungspolitischen Bananenrepublik. "Wenn es gelingt, das sogenannte Higgs-Teilchen nachzuweisen, gibt das zudem hundertprozentig einen Nobelpreis, zu dem auch österreichische Physiker maßgeblich beitragen. Kurz bevor die Früchte von 20 Jahren Arbeit geerntet werden, stößt sie der Wissenschaftsminister jetzt aus dem Boot", so Graf weiter.

Es sei geradezu peinlich, wie Hahn nun versuche, die Bedeutung der Teilchenphysik in Österreich herunterzuspielen, um den CERN-Ausstieg zu rechtfertigen. "Fakt ist nämlich, dass alle hochrangigen Physik-Institute an Österreichs Universitäten maßgeblich mit CERN kooperieren. Sie würden durch den Ausstieg völlig abgeschnitten vom Mutterschiff der Forschung", befürchtet Graf. Hahns Argumentation heute stehe zudem im krassen Gegensatz zu seiner Einschätzung vor einem halben Jahr, als er das beginnende Experiment mit dem Teilchenbeschleuniger LHC mit folgenden Worten gelobt hat: "Der LHC ist ein eindrucksvoller Beweis für die Schlagkraft der Grundlagenforschung und deren Bedeutung für die technologische Weiterentwicklung" und sich damit "in seiner Forderung nach einer stärkeren Dotierung der Grundlagenforschung bestärkt" sah -nachzulesen auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums - verlinkt auf www.unzensuriert.at .

Experten weisen zudem darauf hin, dass ein Großteil des CERN-Beitrags von 20 Millionen Euro wieder nach Österreich zurückfließt, etwa die Hälfte schon in Form von Löhnen und Gehältern für die etwa 170 dort tätigen Österreicher. Auch zahlreiche österreichische Firmen profitieren als Auftragnehmer und letztlich vor allem auch Forschungseinrichtungen. So greife das Krebs-Forschungszentrum Med Austron in Wiener Neustadt im Rahmen eines Abkommens kostenlos auf CERN-Erkenntnise zurück. Graf: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die CERN-Leitung an einer solchen Zusammenarbeit weiter interessiert ist, wenn Österreich durch einen Ausstieg demonstrativ sein Desinteresse zeigt."

Gemeinsam mit den freiheitlichen Abgeordneten-Kollegen im Wissenschaftsausschuss will Graf alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Ausstieg zu verhindern. "Wir bereiten als Erstes eine parlamentarische Petition vor", so der Dritte Nationalratspräsident. Zudem würden sämtliche Maßnahmen der österreichischen Physiker unterstützt. Für die werde die Lage in Österreich nämlich immer trüber. "Zuerst der Abschied aus der friedlichen Atomforschung, jetzt der Abschied von der europäischen Grundlagenforschung. Schön langsam kann man als Österreicher in diesem Bereich nur noch als Physiklehrer arbeiten!"

Rückfragen & Kontakt:

FPÖ

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FPK0004