• 31.03.2009, 20:40:00
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Todesfalle Mittelmeer" (Von Floo Weissmann)

Ausgabe vom 1. April 2009

Innsbruck (OTS) - Europa muss vor seiner Haustür rasch und
entschlossen eingreifen.

Dass das Mittelmeer erneut zur Todesfalle für Hunderte Flüchtlinge
geworden ist, muss die EU endlich aufrütteln. Nach Schätzungen sind
bisher Zehntausend Afrikaner beim Versuch umgekommen, dem Elend ihrer
Heimat zu entfliehen und in Europa ein besseres Leben zu finden.
Angesichts der Wirtschaftskrise, die die ärmeren Länder noch härter
trifft, wird der Strom der Flüchtlinge weiter anwachsen. Das schafft
auch eine neue Herausforderung für die Migrationspolitik. Es geht
nicht mehr alleine um Arbeitsmarkt und Sicherheit, sondern auch um
einen humanitären Notfall.Nicht, dass bisher gar nichts passiert
wäre. Die hauptbetroffenen Länder in Südeuropa sowie die
EU-Kommission machen Druck auf die EU-Partner und die Transitländer,
um das Problem endlich umfassend anzupacken. Doch vom großen Wurf ist
die europäische Politik offenbar noch weit entfernt. Kurzfristig geht
es um Informationskampagnen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge,
die den Menschen die Risiken einer Flucht Richtung Europa bewusst
machen. Und es braucht eine Aktion scharf gegen jene
menschenverachtenden Schlepper, die die Toten unmittelbar zu
verantworten haben. Langfristig braucht es umfassende
Entwicklungsprogramme für die Herkunftsländer, um den Menschen
Perspektiven in ihrer Heimat zu geben. Und es braucht eine gemeinsame
europäische Einwanderungspolitik; dazu gehört unter anderem,
Flüchtlinge unter den EU-Ländern fair aufzuteilen und die Außengrenze
gemeinsam zu sichern. Auch die beste Politik kann das Sterben im
Mittelmeer nicht gänzlich stoppen, solange Wohlstand und Frieden
ungleich verteilt sind. Aber die Politik kann das Ausmaß der Tragödie
verringern.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion, Tel.: 05 04 03 DW 610

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