• 24.03.2009, 20:25:41
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "In der Tat zu billig" (Von MICHAEL SPRENGER)

(Ausgabe vom 25. März 2009)

Innsbruck (OTS) - Bravo! Unsere Politiker verordnen sich eine
Nulllohnrunde. Jetzt der Applaus.

Vielleicht erhoffen sich Bundeskanzler Werner Faymann und
Vizekanzler Josef Pröll tatsächlich diese Reaktion von breiten Teilen
der Bevölkerung. In Zeiten wie diesen. Natürlich wissen sie, dass ihr
Verzicht auf die ihnen zustehende Lohnerhöhung von 3,2 Prozent nichts
anderes als purer Populismus ist. Haben sie auch erahnt, dass sich
die populismuserprobte Opposition davon provoziert fühlen wird?
Jedenfalls wunderte es wenig, dass gleich im Anschluss an die
Verkündigung die FPÖ an der Populismusschraube drehte - und eine
Gehälter-Kürzung um vier Prozent forderte. Und das BZÖ sprach sich
für weitere Sparmaßnahmen der Regierung aus. Egal welche.

Auf der anderen Seite, so das mögliche Kalkül von Faymann und
Pröll, erspart sich die Politik von eben jener Seite, von der sie nun
insgeheim Applaus erhoffen, die Beschimpfungen und negativen
Schlagzeilen, die gekommen wären, wenn es eben die Lohnerhöhung im
Sommer gegeben hätte. Politikerleben heute, ein Dilemma eben?

Nicht zwangsläufig. Denn es geht nicht darum, dass unsere
Volksvertreter ihre Aufgabe billiger machen. Das wäre in der Tat zu
billig. Notwendig wäre hingegen die Rückkehr der Leidenschaft in die
Politik. Grundsätze zu haben, für die man einsteht und kämpft.
Leidenschaft gepaart mit Augenmaß. Diese beiden Grundvoraussetzungen
für den Politiker (nach Max Weber) sind vielen abhanden gekommen. Um
dies zu kaschieren, nehmen allzu viele allzu oft Anleihe beim
Populismus.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

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