• 30.01.2009, 13:28:19
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GMTN-Gesundheitskampagne: Psychische Erkrankungen entstehen auch am Arbeitsplatz

Rund 150 BetriebsrätInnen bei Auftaktveranstaltung in Oberösterreich

Leonding (GMTN/ÖGB) - "Bei dem dramatischen Anstieg der
psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren unterliegt hoffentlich
niemand dem Trugschluss, dass dafür nur seelische Belastungen im
Privatleben verantwortlich sind", sagte Franz Riepl, Bundessekretär
der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), beim
oberösterreichischen Auftakt der GMTN-Gesundheitskampagne am 30.
Jänner im Volkshaus Doppl-Punkt in Leonding. ++++

Rund 150 BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen waren der
Einladung der GMTN gefolgt, um mehr über den Ablauf, die Schwerpunkte
und ihre Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gesundheitskampagne zu
erfahren. In seinen Grußworten an die TeilnehmerInnen wünschte
Oberösterreichs gf. GMTN-Landesvorsitzender Hans Karl Schaller der
Gesundheitskampagne zum Wohle der ArbeitnehmerInnen allen nur
erdenklichen Erfolg. "Maschinen werden gehegt, gepflegt, es gibt
Inspektions- und Servicepläne. Die Beschäftigten hören genau hin und
registrieren jedes Störgeräusch der Maschinen", erzählte Schaller aus
der Praxis. "Aber hören wir auch so genau in uns selbst hinein?",
stellte er die Frage. "Genau hier setzt diese Kampagne an. Sie soll
motivieren und wachrütteln, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten.
Am besten gelingt das den Belegschaftsvertretungen und den
Gewerkschaften gemeinsam. Sie vergessen auch nicht darauf, die
Beschäftigten mit einzubinden, die genau wissen, wo Handlungsbedarf
besteht", sagte Schaller.

Kampagne bildete erste Gesundheitsvertrauenspersonen Österreichs aus

"Heute werden bereits 29 Prozent der Invaliditätspensionen
aufgrund psychischer Erkrankungen zuerkannt", zitierte Riepl die
neuesten Zahlen aus der Sozialversicherung. "Depressionen,
Angststörungen und Burn-out sind keine Privatprobleme", stellte Riepl
klar. "Belastungen am Arbeitsplatz sind mitverantwortlich für die
steigenden Zahlen der seelischen Leiden der Menschen in Österreich,
davor darf man nicht die Augen verschließen, dagegen müssen wir etwas
tun. Wir wissen, dass Arbeit die Gesundheit gefährden kann", sagte
Riepl, "aber Fakt ist: nur dann, wenn wir es zulassen!" Genau hier
setzt die GMTN-Gesundheitskampagne mit den fünf thematischen
Schwerpunkten arbeitsbedingte Erkrankungen, Arbeitsunfälle und
Berufskrankheiten, Arbeitszeit und ihre Auswirkungen auf die
Gesundheit, alternsgerechtes Arbeiten und gesundes Verhalten bei der
Arbeit an.

BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen kommen bei der
Kampagne besondere Rollen zu. Denn mit ihrem Wissen über die
arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken und -gefahren können sie
wirkungsvolle Gegenmaßnahmen setzen. "Bereits im Jänner haben wir im
Rahmen der Gesundheitskampagne die ersten Betriebsräte zu
Gesundheitsvertrauenspersonen ausgebildet. Mit hohem Know-how und
viel Engagement kehren sie in die Betriebe zurück und werden
Gesundheitsprojekte in den Betrieben umsetzen", erklärt Riepl. Neben
den Seminaren umfasse die GMTN-Gesundheitskampagne auch
Themenveranstaltungen, eine Befragung der ArbeitnehmerInnen in
Zusammenarbeit mit dem IFES im ersten Halbjahr 2009,
Informationsmaterial und Gesundheitstage in den Betrieben.

Das Märchen, dass die Medizin alle Krankheiten beheben kann

"Solange die Gesundheit vorhanden ist, wird sie als normal und
selbstverständlich empfunden, aber wenn man sie verliert, versucht
man alles, sie wieder zu bekommen", beginnt Prof. Prim. Dr.
Maximilian Gstöttner, Chefarzt der Oberösterreichischen
Gebietskrankenkasse, seinen Vortrag. "Lange Zeit galt für uns das
Märchen der Alles-Machbarkeit der Medizin: Wenn nur ausreichend
finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, hat die Medizin alle
Möglichkeiten der Krankheitsbehebung", sagte Gstöttner. Heute wissen
wir, dass man mit mehr Geld nicht mehr Gesundheit einkaufen kann."
Der Chefarzt erklärte, dass zwar genetische Bereitschaften zu
Krankheiten vorliegen, aber ob daraus auch wirklich Krankheiten
entstehen, bestimmt jeder Mensch durch seinen individuellen
Lebensstil. "Was ich genetisch mit bekomme, ist der Rohdiamant. Es
ist mir persönlich überlassen, was ich daraus mache", stellte
Gstöttner klar, der auch auf die Psychohygiene als Betriebliche
Gesundheitsförderung hinwies. Dazu würden eine offene Gesprächskultur
im Betrieb, mehr persönliche Kommunikation - "weg von der Unkultur
der E-Mails und SMS" - und Konfliktmanagement gehören. Auch dem Thema
Alkohol sollte besondere Aufmerksamkeit zukommen: "Gerade bei
Alkoholproblemen wird in unseren Betrieben viel zu lange weg
geschaut, dabei gibt es kaum zu übersehende Signale".

GMTN-Landessekretär Walter Schopf holte am Ende der Veranstaltung
noch einmal kräftig aus, um die BetriebsrätInnen und
JugendvertrauensrätInnen zu motivieren, aktiv bei der
GMTN-Gesundheitskampagne mit zu tun. "Denn es ist nicht Sinn des
Lebens, jedes Wochenende dafür zu nützen sich aufzurappeln, um die
nächste Woche die Anforderungen am Arbeitsplatz wieder knapp schaffen
zu können", stellt Schopf klar.

Bis ins Jahr 2010 sind mit der GMTN-Gesundheitskampagne viele
Aktionen geplant. Alle Kampagneninfos und Downloads finden Sie unter:
www.gmtn.at/gesundheit

Die GMTN-Gesundheitskampagne wird unterstützt von: Hauptverband
der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Bundesministerium für
Soziales und Konsumentenschutz, Allgemeine
Unfallversicherungsanstalt, Pensionsversicherungsanstalt,
Gebietskrankenkassen und Arbeiterkammern.

ÖGB, 30. Jänner 2009 Nr. 39

Rückfragehinweis:
Claudia Felix-Marks, GMTN
Tel. (01) 501 46 241, Mobil: 0664 6145 916
[email protected]
www.gmtn.at

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