• 03.12.2008, 09:53:50
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Lapp: "Frauen die von Gewalt betroffen sind, dürfen nicht alleine gelassen werden"

Tabuthema Gewalt an behinderten Frauen in den gesellschaftlichen Diskurs bringen

Wien (SK) - "Keine Frau ist Schuld, wenn sie Gewalt erlebt hat.
Diese Frauen brauchen Hilfe und Schutz. Gerade behinderte Frauen
wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen", betonte
SPÖ-Nationalratsabgeordnete Christine Lapp am Dienstag Abend im
Rahmen der von ihr moderierten Diskussionsveranstaltung "Gegen Gewalt
an Frauen mit Behinderungen." Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen
der Internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" statt
und wurde von den Organisationen Jugend am Werk und WS FÖBE,
unterstützt und vom ega und dem Sozialministerium veranstaltet. Lapp
hob hervor, dass es wichtig sei, den Frauen zu zeigen, welche
Möglichkeiten sie hätten und wo sie Hilfe und Unterstützung finden
könnten, denn: "Über Gewalterfahrungen zu reden ist der erste Weg, um
die Gewaltspirale zu durchbrechen. Frauen die von Gewalt betroffen
sind, dürfen nicht alleine gelassen werden." ****

An der Diskussion nahmen Maria Schwarz von der Organisation vienna
people first, Sabine Franz von Jugend am Werk, Hemma Hilscher (WS
FÖBE), Tamara Grundstein (Zentrum für Kompetenzen) und Lisa Udl von
der Beratungsstelle NINLIL teil. Lapp betonte, wie wichtig es sei,
dass auch Menschen mit Behinderungen in der Diskussionsrunde
vertreten wären und dass es höchste Zeit sei, das Tabuthema Gewalt an
Frauen mit Behinderungen in den gesellschaftlichen Diskurs zu
bringen. Sabine Franz sprach in ihrem Vortrag über die Formen der
Gewalt, schilderte ihre persönlichen Erfahrungen in einer betreuten
Einrichtung und kritisierte den Umgang der Gesellschaft mit
behinderten Frauen.

Maria Schwarz formulierte Forderungen von behinderten Frauen an
die Gesellschaft und Politik. Sie forderte bessere sexuelle
Aufklärung für behinderte Mädchen und Frauen,
Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen mit Lernschwächen und sprach
sich deutlich gegen die Zwangssterilisation aus. "Behinderte Frauen
möchten endlich als Frauen gesehen werden, nicht nur als Behinderte",
kritisierte die Vertreterin von vienna people first. Tamara
Grundstein vom Zentrum für Kompetenzen, einer Beratungsstelle, in der
behinderte Frauen von behinderten Frauen beraten werden, schilderte
den Alltag ihrer Arbeit und kritisierte die geringen Möglichkeiten
zur selbstständigen Gestaltung von Freizeit in betreuten
Wohneinrichtungen. Grundstein sprach sich für eine höhere
Durchlässigkeit des Systems aus, die Übergänge von Vollbetreuung,
Teilbetreuung und persönlicher Assistenz müssten fließender und
weniger stark abgegrenzt erfolgen.

Hemma Hilscher schilderte die Situation aus der Sicht einer
Betreuerin. Zahlreiche Frauen seien von Gewalt betroffen und häufig
würden diese Frauen erst sehr spät über das Erlebte sprechen. Hemma
Hilscher betonte die Wichtigkeit der BetreuerInnen als
Vertrauenspersonen, die auf Wunsch der Betroffenen diese zur Anzeige
bei der Polizei begleiten. Lisa Udl vom Beratungszentrum NINLIL,
einem Beratungszentrum für von Gewalt betroffene Frauen mit
Lernschwierigkeiten kritisierte die strikten, fremdbestimmten
Strukturen, in denen behinderte Frauen aufwachsen und leben.
"Strukturelle Gewalt ist der Nährboden für jede andere Form von
Gewalt", so Udl und führte weiter aus, dass behinderte Frauen selten
selbstständig entscheiden könnten und es von Kindesbeinen an gewohnt
seien, ein fremdbestimmtes Leben zu führen. Und diese Abhängigkeit,
dieser angelernte Gehorsam, so Udl würde die Frauen zu leichteren
Opfern von sexueller Gewalt machen. Laut einer Studie aus dem Jahre
1996 seien behinderte Frauen doppelt so häufig von sexueller Gewalt
betroffen als andere Frauen.

Lapp betonte, wie wichtig es sei, die BetreuerInnen bei der Aus-
und Weiterbildung darin zu schulen, die ersten Anzeichen von
sexueller Gewalt an ihren Klientinnen zu erkennen. Außerdem müsse man
das Selbstbewusstsein von behinderten Mädchen und Frauen stärken.
"Man muss behinderten Mädchen und Frauen klar machen, dass sie gut
sind wie sie sind", unterstrich die SPÖ-Abgeordnete. Lapp betonte
abschließend, dass die Politik die Wünsche und Forderungen von
behinderten Frauen ernst nehmen müsse und behinderte Frauen auch im
neuen Regierungsprogramm ein Thema seien. "Um den integrativen
Gedanken zu leben, um unsere Gesellschaft ins 21. Jahrhundert zu
bringen, müssen behinderte Menschen gleichgestellt werden", schloss
Lapp. (Schluss) sv

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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