- 25.01.2008, 10:31:16
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Buch zum Streikjahr 2003: Damals hat´s gebrodelt
Zwischen Konsens und Konflikt - ÖGB hat einen echten Streikfonds
Wien (ÖGB) - "Wir müssen auf die Straße. Fangts endlich an",
erinnerste sich Regina Assigal, Betriebsrätin von Siemens, an das
legendäre Streikjahr 2003. Für Beate Holder, Personalvertreterin bei
den Wiener Linien, war "diese Einigkeit einfach phänomenal."
Donnerstag Abend wurde das im ÖGB-Verlag erschienene Buch "Das
Streikjahr 2003" der Journalistin Nina Horaczek in der Bus-Garage
Spetterbrücke in Wien-Ottakring präsentiert.++++
Mit der Regierungserklärung der neu gebildeten Koalition aus ÖVP und
FPÖ am 6. März 2003 startet eine enorme Belastungswelle für die
ArbeitnehmerInnen. In den Betrieben begann es zu brodeln, viele
ArbeitnehmerInnen waren aufgebracht. Das ganze Jahr über kam es zu
zahlreichen Protestaktionen, Betriebsversammlungen und Streik.
Emotionaler Höhepunkt war die Kundgebung am 13. Mai am Heldenplatz.
200.000 Menschen trotzten strömendem Regen, Hagelschauer und
Gewitter.
Am 3. Juni 2003 standen in Wien für 24 Stunden alle öffentlichen
Verkehrsmittel still. Am 12. November traten die Eisenbahner vorerst
unbefristet in den Streik. Am 14. November Punkt 17.40 Uhr wurde der
Streik nach 66 Stunden beendet. Erfolgreich, wie der damalige
Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft und heutige Vorsitzende der
Sektion Verkehr in der vida, Wilhelm Haberzettl, berichtete.
Haberzettl: "Der Streik hat Irres bewirkt. Die werden das Dienstrecht
nicht mehr anrühren."
Streiken bedeutet aber auch Verantwortung übernehmen. Etwa wenn es
den Gesundheitsbereich betrifft. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer,
damals Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten,
erinnerte sich: In den Wiener Spitälern wurde damals nicht gestreikt,
dafür gab es für alle PatientInnen als Zeichen der Solidarität nur
ein Mittagsmenü, eine schmackhafte Streiksuppe.
Fünf Jahre später gibt es eine ganz andere Situation. Der ÖGB hat
seine schwerste Krise hinter sich und erstmals in der Geschichte
"einen echten Streikfonds". Die "Ausbildungsgarantie bis 18" konnte
ausverhandelt werden, mit dem Zukunftsfonds für die
Lehrlingsausbildung wird eine jahrzehntelange Forderung des ÖGB
Realität. Der 1.000 Euro Mindestlohn ist bis auf wenige Bereiche
umgesetzt und das nächste Ziel, 1.200 Euro Mindestlohn, wurde bereits
in Angriff genommen.
Seit 1. Jänner dieses Jahres müssen die Arbeitgeber die
DienstnehmerInnen vor Dienstbeginn bei der Sozialversicherung
anmelden und die Generalunternehmerhaftung soll noch im ersten
Halbjahr 2008 beschlossen werden. Dazu kommt die soziale Absicherung
der atypisch Beschäftigten sowie der Mehrarbeitszuschlag für
Teilzeitbeschäftigte. Hundstorfer: "Als Gewerkschaft sind wir um den
Erfolg auf dem Verhandlungsweg bemüht. Die Konsenswelt ist aber dann
Geschichte, wenn Verhandlungen keinen Erfolg bringen." Egal ob
Verhandlungsweg oder Konflikt, so Hundstorfer, "ohne BetriebsrätInnen
und PersonalvertreterInnen funktioniert nichts".(ff)
ÖGB, 25. Jänner 2008 Nr. 29
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