• 25.11.2007, 11:16:52
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  • OTS0032 OTW0032

Armutskonferenz: Situation Armutsbetroffener verschärft sich

Armutsstatistik erfasst Realitäten unzureichend

Graz (OTS) - Dass sich die Situation Armutsbetroffener zunehmend
verschärft, machten VertreterInnen von
Erwerbsarbeitsloseninitiativen, Straßenzeitungen,
AlleinerzieherInnen-Plattformen, Selbsthilfegruppen von Menschen mit
psychischen Erkrankungen und Behinderungen und
MigrantInnenorganisationen) auf einer ersten österreichischen
Anti-Armuts-Demonstration von Betroffenen am Wochenende in Graz
öffentlich deutlich.

Die Kundgebung fand im Rahmen des von der Armutskonferenz
organisierten dritten österreichischen Treffens von Menschen mit
Armutserfahrungen (23.-25.11.,Graz) statt, zu dem gut 50
TeilnehmerInnen aus ganz Österreich gekommen waren, um aktuelle
Entwicklungen zu analysieren und Strategien zur Umsetzung
effektiverer Armutbekämpfungsmaßnahmen aus Sicht der Betroffenen zu
entwickeln.

Der geplanten Grundsicherung stehen sie mit großer Skepsis
gegenüber. "Wir erwarten keine Verbesserungen, vor allem wenn Miet-
und andere -beihilfen gestrichen werden, könnte es für viele sogar zu
Verschlechterungen kommen", sind sich die Betroffenen einig. Auch die
aktuell diskutierte AlVG Novelle lässt beträchtliche zusätzliche
Einschränkungen erwarten.

Armutsstatistik erfasst Realitäten unzureichend

Steigende Lebenshaltungskosten, vor allem die Teuerungen von
Grundnahrungsmitteln und Heizkosten schlagen sich stark auf die
schmalen Budgets von Menschen, die in Armut leben nieder.
Armutsstatistiken, die vornehmlich Einkommenslagen erheben, erfassen
die Realitäten von Betroffenen nur unzureichend. Auch wer knapp über
der statistischen Armutsgrenze lebt*, hat oft nicht genug Geld zum
Heizen, für den Schikurs der Kinder oder einen dringend notwendigen
Fortbildungskurs. Für Armutsbetroffene, die mit einem Einkommen
weiter unter der Armutsgrenze auskommen müssen, sind oft bereits
Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel und Ausgaben für
Grundnahrungsmittel kaum mehr leistbar.

Armut kann jede/n treffen: Soziale Sicherungssysteme sind löchrig

Biographische Erfahrungen von Armutsbetroffenen bestätigen immer
wieder: Armut kann jede/n treffen, nach Verlust des Arbeitsplatzes,
Scheidung oder Krankheit geht der Abstieg in die Armut schneller als
je gedacht.

Sozialpolitische Sicherungssysteme sind nur unzureichend auf die
Wechselfälle des Lebens ausgerichtet und weisen grobe Lücken auf.

Bessere Maßnahmen durch stärkere Beteiligung Betroffener

Neben einem existenzsichernden Mindesteinkommen, besserem Zugang
zu qualitätvollen sozialen Dienstleistungen und Gütern und einer
Arbeitsmarktpolitik, die adäquate Löhne und berufliche Perspektiven
sichert, fordern Betroffene mehr Mitbestimmung und
Mitsprachemöglichkeiten.

"Sogar von Seiten der EU-Kommission wurde bereits erkannt, dass
geeignete Maßnahmen zur Armutsbekämpfung nur unter Partizipation
Betroffener entwickelt werden können", erklärt eine Teilnehmerin.
"Wir fordern mehr Respekt für unsere Situation und unsere Expertise,
mehr Ressourcen zur Selbstorganisation und verstärkte Möglichkeiten
der Mitbestimmung."

Ihre Anliegen und Forderungen werden die Betroffenen per Brief
auch direkt an Sozialminister Buchinger übermitteln, der die
ursprüngliche versprochene persönliche Teilnahme am Treffen in Graz
aufgrund eines anderen Termins absagen musste.

Langversion mit konkreten Beispielen von Lücken im sozialen Netz,
sowie Bilder vom Treffen in Graz: www.armutskonferenz.at

* Die statistische Armutsgrenze liegt bei 60% des mittleren
Einkommens und beträgt derzeit 1.900 Euro für eine vierköpfige
Familie (900 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt)

Rückfragehinweis:
und InterviewpartnerInnen:
Michaela Moser
Tel. 0676-544 26 46

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