- 14.11.2007, 08:57:27
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Armutskonferenz an Ministerin Kdolsky: Aktionsplan Gesundheit und Armut
Für eine österreichische Gesundheitsstrategie gegen den frühen Tod und das hohe Krankheitsrisiko Armutsbetroffener.
Wien (OTS) - "Als die Titanic sank, waren die Überlebenschancen
für die Passagiere - je nach dem, welche Klasse man sich leisten
konnte- ungleich verteilt. Die Ungleichheit vor dem Tod ist nicht mit
der Titanic versunken, sondern aktueller denn je. Reichere leben in
Österreich zwischen 5 und 7 Jahren länger als Arme.", so die
Armutskonferenz am Vortag der großen Tagung des Fonds Gesundes
Österreich zu sozialer Ungleichheit und Gesundheit.
Die Armutskonferenz ruft Ministerin Andrea Kdolsky auf, "eine
österreichische Gesundheitsstrategie gegen den frühenTod und das hohe
Krankheitsrisiko Armutsbetroffener zu entwicklen".
"Im Gesundheitsbericht des Ministeriums kommen sozioökonomische
Analysen und Strategien nicht vor. In der Gesundheitsförderung gibt
es bis jetzt keine integrierten Ziele zur Verringerung des hohen
Krankheitsrisikos Ärmerer.", kritisiert Diakonie-Sozialexperte Martin
Schenk von der Armutskonferenz. "In der Gesundheitspolitik und
Prävention muss mehr Augenmerk auf die sozialen Lebensbedingungen
gelegt werden. Einen Teil der Energie, die in den
Anti-Raucher-Kampagnen gebunden ist, wäre jedenfalls auch gut
investiert in Maßnahmen gegen die steigende Zahl der working poor,
der wachsenden Einkommensschere oder der Reduzierung der hohen
"sozialen Vererbung" im Bildungssystem. Auch reiche Raucher leben
länger als arme Raucher".
Erfahrungen und Programme in acht europäischen Ländern
"Anderswo gibt es schon Erfahrung mit einem umfassenderen
Vorgehen." so Sozialexperte Schenk. "In acht europäischen Staaten
sind größere Programme zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit
dokumentiert: UK, Nl, Sp, It, Fr, Fn, Lt, Swe. Das mit hoher sozialer
Polarisierung ausgestattete Großbritannien genauso wie die
egalitäreren Niederlande haben bereits in den 80er Jahren begonnen,
umfassende Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit
zu entwickeln. Gemeinsam ist allen Programmen, dass sie
unterschiedlichste Politikfelder einbeziehen, dass sie quantitative
Zielvorgaben setzen und dass sie die Umsetzungsschritte evaluieren.
Die Maßnahmen stellen auf Armutsbekämpfung genauso ab wie auf
Verbesserung individueller Lebensbedingungen, Gesundheitsverhalten
und Gesundheitsversorgung in sozialen Brennpunkten; also Verhältnis-
und kontextbezogene Verhaltensprävention gemeinsam.", so das
österreichische Anti-Armutsnetzwerk.
http://www.ots.at/redirect.php?armut
"Wer mit Arbeitslosen zu tun hat, denkt an Bildung, an
Existenzsicherung, an Wohnen, Familie, Gesundheit. Wer mit
Gesundheitsfragen von Armutsbetroffenen zu tun hat, sorgt sich um
Beschäftigung, nicht-schimmlige Wohnungen, Bildung,
Erholungsmöglichkeiten und eine Lösung der stressenden Existenzangst.
Den Menschen als Ganzes sehen.", so Schenk. "Davon kann besonders die
Politik lernen: Statt sektoral und in eingeschlossenen
Handlungsfeldern besser in Zusammenhängen denken: Gesundheitspolitik
ist Wohnungspolitik, Bildungspolitik ist Sozialpolitik, Stadtplanung
ist Integrationspolitik. Es geht um einen ganzheitlichen Approach.
Der Kontext entscheidet", betont die Armutskonferenz.
"Die Bevölkerung unter der Armutsgrenze weist dreimal schlechteren
Gesundheitszustand auf (11%) als hohe Einkommen (4 %).Und ist doppelt
sooft krank wie mittlere Einkommen (7%)", veröffentlicht die
Armutskonferenz die neuesten Daten aus dem Armutbericht*. Fragt man
nach den Bildungsabschlüssen, sind PflichtschulabsolventInnen doppelt
so oft von chronischer Krankheit betroffen (21%) wie Personen mit
Maturaabschluß (11%). Nach der beruflichen Stellung bezeichnen 90%
mit höheren bzw. führenden Tätigkeiten ihren Gesundheitszustand als
"gut", während es bei Hilfsarbeitern nur 76% sind." so die
Armutskonferenz: "Armut kann ihre Gesundheit gefährden."
DIE ARMUTSKONFERENZ.
Österr. Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung.
Die Mitglieder der Armutskonferenz betreuen und unterstützen über
500 000 Hilfesuchende im Jahr.
www.armutskonferenz.at
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Kooridnationsbüro: 01/ 402 69 44
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