OTS0061 / 08.11.2007 / 09:31 / Channel: Politik / Aussender: SPÖ-Parlamentsklub
Stichworte: Frauen / Halbe-Halbe / Konrad / Prammer / SPÖ


Prammer: Ökonomische Unabhängigkeit von Frauen unverzichtbar

Utl.: Konrad: An einer gerechten Verteilung führt kein Weg vorbei =


   Wien (SK) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und
Frauenministerin a.D. Helga Konrad diskutierten am Mittwochabend im
EGA gemeinsam mit Sieglinde Rosenberger und Helene Klaar, sowie der
Autorin des Buches "Halbe/Halbe. Utopie Geschlechterdemokratie?"-
Hildegard Steger-Mauerhofer, über Vergangenheit und Zukunft der
Frauenpolitik in Österreich. Als Ausgangspunkt wurde hierzu die 1997
von Konrad gestartet Kampagne "Ganze Männer machen Halbe/Halbe"
genommen. Auch in Zukunft werden sich frauenpolitische Änderungen nur
erzielen lassen, wenn Frauen "dafür kämpfen", so Konrad. Von einer
fairen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sei man "noch
Lichtjahre entfernt", attestierte Prammer. ****
Konrad machte klar, dass die "Halbe/Halbe" Kampagne ein großes Paket
sein sollte, dass über mindestens drei Jahre hätte laufen sollen. Die
Werbespots hätten "nur ein winziges Teilchen der gesamten Aktivitäten
sein sollen", so Konrad. Leider sei die Kampagne in der
Öffentlichkeit schnell "lächerlich gemacht worden". Es habe sie immer
gestört, dass das "gesamte Konzept nur auf die Haushaltsaktivitäten
reduzierte" wurde, da es in der Kampagne "um gerechte Verteilung von
bezahlter und unbezahlter Arbeit" gegangen sei. Hierbei übte Konrad
auch Kritik am Verhalten der Medien zu dieser Zeit. "Nach wie vor"
ist die ehemalige Frauenministerin der Ansicht, dass "an der
gerechten Verteilung kein Weg vorbei führt, wenn wir es ernst meinen
mit der Gleichstellung von Frau und Mann".
   Auch die Nationalratspräsidentin erinnert sich gut an diese Zeit,
besonders im Hinblick auf die kleine Familienrechtsreform 1999: "Die
ÖVP hat den Kontakt in dieser Thematik gänzlich abgebrochen. Wir
mussten versuchen, sie wieder an den Verhandlungstisch zu holen".
Nachdem alles "negiert" und Widerspruch erhoben worden sei, habe sie
eine Studie in Auftrag gegeben, die erschreckendes ans Licht gebracht
habe, so Prammer. So wurde bei vielen Scheidungen in den Jahren
1990-97 von den Richtern "gleichteiliges Verschulden" der Ehepartner
attestiert, obwohl Männer ihre Frauen zwar oft physisch uns psychisch
misshandelten, die Frauen aber ihre "Haushaltspflichten - wie bügeln
und Betten machen" vernachlässigt hätten. Diese Studie hätte dann
auch die ÖVP wachgerüttelt.
Zwtl.: Frauen-Arbeitsverhältnisse als politische Herausforderungen
   Diese "kleine Reform" sei jedoch "viel nachhaltiger als man
annehmen würde", so Prammer, die darauf hinwies, dass "das alles erst
1999 beschlossen wurde". Dennoch, von einer "Bewusstseinsänderung,
was die Aufteilung von bezahlter und nichtbezahlter Arbeit betrifft",
sei man "noch Lichtjahre entfernt", bemängelte die
Nationalratspräsidentin. Als momentane Herausforderung im Bereich der
Frauenpolitik postulierte Prammer die Teilzeit-Erwerbstätigkeit sowie
die prekären Arbeitsverhältnisse. Fast 50 Prozent der erwerbstätigen
Frauen seien in Teilzeit beschäftigt. Die "ökonomische Unabhängigkeit
von Frauen" sei ebenso unverzichtbar, wie eine "Frauenerwerbsarbeit,
die ein menschenwürdiges Leben ermöglicht", so Prammer.
   Was die Zukunft der Frauenpolitik betrifft, so wolle Prammer
"nicht pessimistisch" sein. Wenigstens habe man wieder andere
Voraussetzungen als in den letzten sieben Jahren. Man müsse sich aber
vor Augen halten, dass "die großen Fortschritte unter der
SPÖ-Alleinregierung passiert sind". Konrad wünschte sich für die
Zukunft, dass die Frauen endlich wieder sagen "wir kämpfen wieder",
nur so wird die Politik auch reagieren. "Vom Einzelnen kann viel
kommen", so Konrad abschließend. (Schluss) ar
Rückfragehinweis:
   SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275, 
   Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493
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