- 28.10.2007, 11:51:05
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Armutskonferenz: Für eine Schule, die nicht sozial ausgrenzt
Bildungschancen sollen vom Talent der Kinder nicht vom Einkommen der Eltern abhängen.
Wien (OTS) - "Eine Schule, die nicht sozial ausgrenzt", ist
zentrale Voraussetzung für Armutsbekämfung und Aufstiegschancen von
Kindern aus benachteiligten Familien. "Dafür braucht es auch Lehrer,
die integrieren und nicht ausgrenzen", appelliert die Armutskonferenz
an die AHS-Lehrergewerkschaft.
"Trotz gut ausgebauten Sozialstaats sind die Aufstiegschancen von
Kindern unabhängig des soziales Status ihrer Eltern im europäischen
Vergleich in Österreich unterdurchschnittlich. In Österreich haben
wir eine im europäischen Vergleich geringe Kinderarmut, aber nur
durchschnittliche Werte bei den sozialen Aufstiegschancen von Kindern
aus ärmeren Haushalten. Die Schule hat eine zentrale Verantwortung
dafür, ob die Bildungschancen vom Talent des Kindes oder vom
Einkommen der Eltern abhängen.", zitiert Sozialexperte Martin Schenk
die internationalen Schul- und Armutsstudien.
Die Armutskonferenz: "Das liegt an der Schulorganisation genauso
wie an der Unterrichtsqualität, genauso wie an der
Schulraumarchitektur genauso wie an der Lehrerausbildung. Das eine
ist vom anderen nicht zu trennen."
"Eine Schule, in der zu wenig gelernt und zu viel gelehrt wird,
rechnet fix mit Nachhilfestunden anderswo. Das stellt in jedem Fall
eine Benachteiligung für einkommensschwache und ressourcenarme
Haushalte da", so Sozialexperte Schenk weiter. "Es braucht einen
anderen Unterricht, der den für alle Beteiligten fatalen Kreislauf
con (auswendig) Lernen - Prüfung - Vergessen zu durchbrechen
versucht; ein Unterricht, der statt aufeinanderfolgende
Vergessensabschnitte zu produzieren, Lernprozesse gestaltet. Anstelle
eines defizitorientierten Ansatzes zeichnen sich die sozial
erfolgreichen Schulkonzepte durch die Orientierung an den
unterschiedlichen Lebenswelten ihrer SchülerInnen aus: in heterogenen
statt homogenen Gruppen individuell fördern. Das heißt in
durchmischten statt in "gleichgemachten" Klassen individuell fördern.
Das geht nur mit einer neuen Unterrichtsqualität, einer neue
Lehrerausbildung und einer neuen Raumarchitektur in den Schulen",
fordert die Armutskonferenz.
In den sozial erfolgreichen Schulmodellen gibt es keine starren 50
Minuten-Einheiten, sondern Themenflächen und eine durchgehende
Fächerauflösung im Kernunterricht, die Schulen haben ein breites
Angebot an Wahlpflichtfächern, Projekt- und Teamarbeiten. Das hilft
individuell Schwächen zu beheben und Stärken auszubauen. Ganze
Jahrgänge wiederholen findet man pädagogisch dumm.
Und im Team arbeiten ist für die Pädagogen einfach lustvoller als
das Lehrer-Einzelkämpfertum mit seinem hohem Burn-Out Risiko. Für
eine andere Schulqualität braucht es auch eine andere
Schularchitektur wie flexibleren Schulräume etc.
Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es einen
Bildungsweg, der nicht sozial selektiert, sondern individuell
fördert, es braucht eine gut ausgebaute Frühförderung vor der Schule,
und es braucht den politischen Willen, wachsender sozialer
Polarisierung entgegenzutreten. Wichtig wäre auch, Schulen in sozial
benachteiligten Bezirken oder Regionen besonders gut auszustatten und
zu fördern, damit sie für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben.
Je weniger die Eltern verdienen, desto eher wechseln die Kinder
nicht in die AHS-Unterstufe, - auch wenn sie laut Volkschulzeugnis
die AHS-Reife gehabt hätten. Das setzt sich fort über die Oberstufe
bis zum Studium", so Sozialexperte Martin Schenk. Kinder aus
Haushalten bis 1.000 Euro Einkommen würden zu 35,9 Prozent eine
AHS-Oberstufe oder BHS besuchen, bei Einkommen über 2.500 Euro
dagegen zu 68,3 Prozent, so Schenk. Weiterer ausschlaggebender
Faktor: die berufliche Position der Eltern. 24,8 Prozent der Kindern
von Eltern, die Hilfstätigkeiten verrichten, besuchten eine
AHS-Oberstufe oder BHS, bei Eltern mit hochqualifizierten Tätigkeiten
seien es dagegen 74,3 Prozent.
http://www.armut.at/KeinKindBesch%E4men_MartinSchenk.pdf
Kinder aus Haushalten mit Niedrigsteinkommen werden mit 10 Jahren
zu 67% auf die Hauptschulen , zu 30% aufs Gymnasium aufgeteilt,
Kinder aus Haushalten mit mittlerem Einkommen gehen zu 58% auf die
Hauptschule und zu 40% aufs Gymnasium, Kinder aus Familien mit hohem
Einkommen zu 29% auf die Hauptschule und zu 71% aufs Gymnasium ",
zitiert die Armutskonferenz weitere Details des Armutsberichts der
Statistik Austria.
http://www.armut.at/Kindergarten%20und%20Schulbesuch.doc
In Finnland (6%), Schweden (13%) und den Niederlanden (11%) finden
sich beispielsweise deutlich weniger SchülerInnen am unteren Ende der
Leistungsverteilung als in Österreich (21%). Gleichzeitig erreichen
15 Prozent der finnischen, 11 Prozent der schwedischen und 9 Prozent
der niederländischen SchülerInnen mit Level 5 den obersten
Leistungsbereich im Lesen (Österreich 8%).
Spitzenleistungen und geringe Streuung der Ergebnisse schließen
einander nicht aus. Die Förderung von Spitzenleistungen muss nicht
auf Kosten der Förderung von schwachen SchülerInnen gehen. Vielmehr
können Schulsysteme ihre Besten für Spitzenleistungen qualifizieren,
gleichzeitig aber dafür sorgen, dass der Abstand der schwächsten
SchülerInnen zu den besten gering ist.", so die Armutskonferenz
abschließend.
Rückfragehinweis:
DIE ARMUTSKONFERENZ - Österr. Netzwerk gegen
Armut und soziale Ausgrenzung.
www.armutskonferenz.at
Rückfragen: 0664/ 544 55 54 oder 01/ 409 80 01
Koordinationsbüro: 01/ 402 69 44
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