• 26.10.2007, 10:24:44
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WWF: Straßenbau am Amazonas bedroht Weltklima

Infrastrukturprojekte in Brasilien haben katastrophale Folgen für die Welt

Wien. (OTS) - Wien, 26. Oktober 2007 - Die geplanten Maßnahmen der
brasilianischen Regierung zur Entwicklung der Infrastruktur im
Amazonasgebiet werden sich fatal auf das Weltklima auswirken, warnt
der WWF. Ohne ausreichende Schutzmaßnahmen droht die Entwaldung von
1,7 Millionen Quadratkilometern durch mehrere gigantische
Straßenbauprojekte bis 2050. Das entspricht einem Viertel des
gesamten Amazonasregenwaldes. "Die klimatischen Folgen der Schädigung
der grünen Klimaanlage des Planeten würden weltweit zu spüren sein",
warnt WWF-Sprecher Franko Petri.

Im Rahmen des "Plans zur Beschleunigung des Wachstums (PAC)" der
Regierung Lula sieht der nationale Logistik- und Verkehrsplan
umgerechnet 3,8 Milliarden Euro für den Straßenbau in Brasilien vor.
Besonders kritisch aus ökologischer Sicht sind dabei die
Asphaltierung der Transamazônica (BR 320), der 1780 Kilometer langen
Straße BR 163 von Cuiabá nach Santarém und der Ausbau der BR 319 von
Manaus nach Porto Velho. Auch den neuen Verbindungsstraßen zu anderen
Ländern zwischen Pazifik und Atlantik sollen mehrere Millionen Hektar
Regenwald zum Opfer fallen. Der WWF arbeitet derzeit an einem
Maßnahmenplan für die BR 163. Umgelegt auf den gesamten
brasilianischen Amazonas könnten so bis 2050 60 Prozent der
prognostizierten Regenwaldzerstörung von 1,7 Millionen
Quadratkilometer vermieden werden.

Auch die neu geplanten Staudämme im Amazonasgebiet sind eine
Bedrohung für die Klimaanlage des Planeten. Allein der Staudamm
Tucuruí überflutete 241.400 Hektar Regenwald. Inzwischen ist der
Stausee ein Brutplatz für Malariaüberträger und trägt mit einem
Sechstel zu den brasilianischen Treibhausgasemissionen bei, da sich
die überflutete Vegetation langsam zersetzt. In den nächsten Jahren
sollen weitere zehn Staudämme gebaut werden. Mehr als 13 Milliarden
Euro sind dafür vorgesehen.

In den letzten vier Jahren wurden durchschnittlich 19.000
Quadratkilometer Amazonasregenwald pro Jahr vernichtet. Das
entspricht etwa der Fläche Niederösterreichs. Bereits heute hat
Brasilien mit 1,7 Milliarden Tonnen CO2 den vierthöchsten
Treibhausgasausstoß der Welt. 17 Prozent des Regenwaldes in Brasilien
sind bereits zerstört, weitere 17 Prozent sind stark beeinträchtigt.
Die Zerstörung der tropischen Regenwälder verursacht heute ein
Viertel der weltweiten CO2-Emissionen. Und die Spirale der Zerstörung
dreht sich immer schneller. Neben den Infrastrukturprojekten bedrohen
Abholzung, Waldbrände, Bergbau und Pipelines den Waldbestand.
Satelliten entdecken jedes Jahr bis zu 170.000 von Menschenhand
verursachte Brandherde.

Mit der Abholzung des Amazonasregenwaldes verliert die Erde neben den
sozialen und ökologischen Problemen in Südamerika einen wesentlichen
Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Durch die Brandrodung werden
riesige Mengen Kohlendioxid freigesetzt und zugleich kann das durch
den Menschen verursachte CO2 nicht mehr gebunden werden. Der
weltweite Klimawandel übt zusätzlichen Druck auf den Amazonaswald
aus. Für das Amazonasbecken werden zwei Grad Temperaturerhöhung
erwartet. Dadurch verringert sich die Regenmenge um 20 Prozent mit
katastrophalen Auswirkungen auf die Landwirtschaft weltweit. "Wenn
der Amazonaswald komplett abgeholzt wird, würden 120 Milliarden
Tonnen Kohlenstoff freigesetzt, die sich in der Lust mit Sauerstoff
verbinden. Das entspricht der Menge an Treibhausgasemissionen der
gesamten Welt in 15 Jahren", so Petri. Durch die Beeinträchtigung des
Wasserkreislaufs im Amazonasgebiet verändern sich die Niederschläge
auch in anderen Kontinenten. Besonders der Weizengürtel der USA,
Indien und der westliche Pazifikraum sind stark bedroht. "Der Schutz
des Regenwaldes ist der kostengünstigste Weg für den Klimaschutz, wie
der Stern-Report 2006 festgestellt hat", verweist Petri auf die
zahlreichen Projekte des WWF im Amazonas - allen voran das
WWF-Netzwerk (ARPA), das bis 2012 eine halbe Million Quadratkilometer
Regenwald unter Schutz stellen will.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Amazonas-Sprecher WWF, Tel. 0676-83488231.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WWF

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