- 16.10.2007, 09:21:45
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Internat. Tag gegen Armut: Unterwegs zu einem sozialen Europa
80 Millionen von Armut betroffene Menschen warten auf die Einlösung von Versprechen und eine Stärkung der sozialen Dimension Lissabons
Wien (OTS) - Am Vortag des Internationalen Tages gegen Armut ruft
die Armutskonferenz in einem offenen Brief Wirtschaftsminister Martin
Bartenstein und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zum Handeln auf: "80
Millionen armutsbetroffene Frauen, Männer und Kinder in Europa warten
auf die Einlösung der Versprechen von Lissabon 2000 und auf die
Realisierung eines sozialen Europas für alle."
"Wir appellieren daher an Sie, sich als Vertreter Österreichs in
der europäischen Union mit Nachdruck für die Stärkung der sozialen
Dimension von Lissabon einzusetzen, und damit einen Beitrag zur
Realisierung des Versprechens eines sozialen Europas zu leisten.",
heißt es im Brief wörtlich.
"Auf europäischer Ebene haben es Wirtschaftsminister und
Bundeskanzler in der Hand, jetzt Weichen für ein soziales Europa zu
stellen", so Michaela Moser und Martin Schenk von der
Armutskonferenz:
1. Dabei gilt es insbesondere die Aufnahme sozialer Zielsetzungen
in die sog "Integrierten Leitlinien für Wachstum und
Beschäftigung" sicherzustellen.
2. Darüber hinaus müssen Schlüsselprozesse der Armutsbekämpfung
und damit die Offene Methode der Koordinierung, sowie
insbesondere die Nationalen Aktionspläne für soziale
Eingliederung auf nationaler und regionaler, wie auch auf EU-
Ebene höhere politische Priorität erhalten.
3. Im Interesse einer effektiven Armutsbekämpfungspolitik ist
weiters eine verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung bei der
Erstellung der Nationalen Reformprogramme und der sozialen
Strategieberichte, sowie die Einbeziehung aller relevanten
Akteure, darunter auch Armutsnetzwerke und soziale
Organisationen und Betroffenengruppen in beide Prozesse
sicherzustellen.
4. Entscheidend für die Realisierung eines sozialen Europas ist
auch der transparente Einsatz von Strukturfondsmitteln für
armutsbekämpfende Maßnahmen, auch hier ist die Einbeziehung
zivilgesellschaftlicher Akteure und deren Expertise in
Armutsfragen im Sinne eines effektiveren Mitteleinsatzes
unerlässlich.Vor über sieben Jahren haben die Staats- und Regierungschefs aller
EU-Länder in Lissabon entschieden, bis zum Jahr 2010 einen
entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten.
"Die Umsetzung dieses Vorhabens steht bis dato noch aus.", bedauert
Michaela Moser, Vizepräsidentin des Europäischen Armutsnetzwerkes.
Ökonomische Stabilität kann und muss nicht auf Kosten sozialer
Zielsetzungen erreicht werden. Einsparungen im Sozialsystem sind
nicht nur kurzsichtig sondern auch unproduktiv. "Wie die
Entwicklungen einiger Länder belegen, vermögen gute soziale
Sicherheitssysteme vielmehr einen wesentlichen Beitrag zum
wirtschaftlichen Erfolg zu leisten.", führt Diakonie-Sozialexperte
Martin Schenk aus.
"Die Vernachlässigung der sozialen Dimension Lissabons in den
letzten Jahren hat deutlich gezeigt, dass wachsender sozialer
Zusammenhalt keine automatische Folge von verstärktem Wachstum und
Beschäftigung ist, sondern als politische Priorität in Wirtschafts-
und Beschäftigungspolitik integriert werden muss.", so die
Armutskonferenz abschließend.
Rückfragehinweis:
DIE ARMUTSKONFERENZ.
www.armutskonferenz.at
Tel.: 01 /409 80 01 oder 0664/ 544 55 54
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