- 30.09.2007, 10:19:45
- /
- OTS0017 OTW0017
Neuerlicher Giftanschlag mitten im Seeadler-Gebiet!
Wien (OTS) - Im Jagdrevier Hanfthal im niederösterreichischen
Laaer Becken hat ein unbekannter Täter einen illegalen Giftanschlag
auf Wildtiere verübt: Bei einer Kirrung (Anlockstelle) für Füchse
wurde ein Köder sicher gestellt, der mit dem hochgiftigen Pestizid
Carbofuran präpariert war. "Nur zehn Kilometer entfernt hat es im
März 2007 einen Seeadler getroffen", erklärt Dr. Bernhard Kohler vom
WWF Österreich. Im Laaer Becken überwintern jährlich zwei bis drei
Exemplare dieser weltweit gefährdeten Adlerart. "Gerade in diesem
besonders sensiblen Gebiet kann man keinerlei Toleranz gegenüber
Giftlegern üben!" betont Kohler. Seeadler nehmen in der kalten
Jahreszeit verstärkt Aas auf und sind deshalb durch Giftköder
besonders gefährdet.
Der Täter hat offenbar mit Bedacht gehandelt: Der von einem Jäger
verdeckt ausgelegte Köder zum Anlocken von Füchsen - die Innereien
("Aufbruch") eines Rehkitzes - wurde vom Täter mit dem lilafarbenen
Gift Carbofuran versetzt. Ein Jagdhund entdeckte die auf diese Weise
vergifteten Innereien und fraß eine kleine Menge davon. Trotz rascher
tierärztlicher Behandlung verendete der Jagdhund qualvoll. Eine
Untersuchung von Jagdhund und Köder ergab eindeutig, dass einmal mehr
das gefährliche Pestizid Carbofuran zum Einsatz gekommen war. "Der
Täter ist heimtückisch vorgegangen", stellt Kohler klar. "Wenn ein
Fuchs den Köder ausgegraben und gefressen hätte, wäre er selbst zum
offen herumliegenden Köder für Greifvögel geworden." Dem Jagdhund,
der den Köder zufällig gefunden hat, wurde das Gift ebenfalls zum
Verhängnis.
Auch die bundesweite Standesvertretung der Jägerschaft ist über den
neuerlichen Vorfall im Bezirk Mistelbach - einem langjährigen
Häufungsgebiet des illegalen Carbofuran-Einsatzes - empört.
Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle Österreichischer
Landesjagdverbände sagt: "Erschütternd ist, dass auch die örtliche
Jägerschaft und deren Jagdhunde vor solchen Anschlägen nicht
verschont bleiben - hier ist offenbar ein Insider am Werk, der die
Gewohnheiten der Jäger (Luderplätze für die Fuchsjagd) kennt und für
seine Giftanschläge ausnützt. Der vom Verlust seines Hundes
betroffene Jäger hat bei der Polizei sofort Strafanzeige gegen
unbekannte Täter erstattet." Beim Carbofuran-Missbrauch handelt es
sich um eine verabscheuungswürdige Praxis, die im Widerspruch zu
allen geltenden Jagd-, Tierschutz und Naturschutzgesetzen steht, sind
sich WWF und Landesjagdverband einig.
Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich mindestens 236 Wild- und
Haustiere Opfer von Giftanschlägen, wobei in 80 Prozent der Fälle
Carbofuran verwendet wurde. Mit acht Seeadlern, zwei Kaiseradlern und
einem Rotmilan befanden sich darunter auch Rote-Liste-Arten, für die
Bund und Länder gesamteuropäische Verantwortung tragen. 56 Prozent
aller Giftanschläge fanden in Niederösterreich statt; das nördliche
Weinviertel ist eines der Häufungsgebiete.
Im Rahmen der Aktion "Vorsicht Gift!" leisten WWF und Jägerschaft
seit dem Jahr 2004 gemeinsam intensive Aufklärungsarbeit. Dennoch kam
es bislang zu keinem nachhaltigen Rückgang der Giftfälle, sondern
bestenfalls zu einem Stagnieren auf mittlerem Niveau. Allein im
Winter 2006/07 wurde 29-mal die Verwendung illegaler Giftköder
registriert. Hinweise zu diesem und anderen Giftfällen werden von der
WWF-Gifthotline unter der Telefonnummer 0676/444 66 12 und vom
NÖLJV-Gifthandy unter der Telefonnummer 0664/9255070
entgegengenommen.
Rückfragehinweis:
Dr. Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Seeadlerprojekts, Tel. 0676/83 488 281.
Dr. Peter Lebersorger, Niederösterreichischer Landesjagdverband, Tel.01/405 16 36; 0664-9255070.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WWF






