- 25.09.2007, 09:36:36
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WWF: Klimawandel bewirkt Teufelskreis im Amazonasregenwald
Entwaldung bedroht Wirtschaft, Fischerei und Gesundheit der Bewohner
Wien/Brasilia. (OTS) - Der Klimawandel wird sich verheerend auf
den Amazonasregenwald auswirken, beschreibt eine neue Untersuchung
des WWF. Durch die stetige Abholzung des Waldes und die Umwandlung in
landwirtschaftliches Kulturland verschlimmert sich dieser Effekt noch
weiter. Eine Abnahme der Niederschläge in der Trockenzeit bewirkt die
Versteppung großer Teile heute noch bestehender Regenwaldgebiete. Die
Versorgung mit Trinkwasser für die Bevölkerung im Amazonaslebensraum
ist dadurch ebenso gefährdet wie die Landwirtschaft, die Fischerei
und die Gesundheit der Menschen. Durch die Veränderung des Klimas in
Brasilien werden Hungersnöte und die Ausbreitung von Krankheiten
befürchtet. "Der Amazonas ist eine wichtige Klimaanlage für den
gesamten Planeten. Wenn der Regenwald stirbt, hat dies verheerende
Auswirkungen nicht nur in Südamerika sondern auf die Erde insgesamt",
so WWF-Amazonas-Sprecher Franko Petri.
Die monatliche Durchschnittstemperatur im Amazonasraum ist in den
90-er Jahren des 20. Jahrhundert um bis zu 0,8 Grad gestiegen.
Wissenschaftler sagen für den Amazonas bis 2050 einen
Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad voraus. Durch die stetige
Abholzung des Regenwaldes verändern sich die Regen- und
Trockenzeiten. Während in der Regenzeit vermehrt Starkniederschläge
erwartet werden, führt die Abnahme des Regens in der Trockenzeit zu
Dürren und der Ausbreitung der Savannen. Durch Erosion und Verlust an
wertvollem Boden kommt es zu Veränderungen in den Ökosystemen und bei
der Artenvielfalt. Dadurch stirbt der Regenwald noch schneller.
Weiters mutiert der Wald vom Kohlendioxidspeicher, der eigentlich die
Treibhausgase der Welt binden sollte, zum CO2-Produzenten. Bereits
jetzt ist Brasilien wegen der Waldvernichtung der weltweit
viertgrößte Produzent von CO2. Durchschnittlich wurden in den letzten
Jahren 42.000 Waldbrände pro Jahr registriert. Insgesamt wurden von
1978 bis 2004 520.000 Quadratkilometer Wald im brasilianischen
Amazonas vernichtet. Trotz eines Rückgangs der Entwaldungsrate verlor
der Amazonas zwischen 2002 und 2006 im Durchschnitt 59
Quadratkilometer Wald pro Tag - das entspricht einer Fläche von fünf
Fußballfeldern pro Minute.
Der Feuchtigkeitskreislauf im Amazonasgebiet wird durch den
Temperaturanstieg ebenfalls gestört. Der Amazonas hat mehr als
Tausend Zuflüsse und transportiert pro Sekunde 60 mal so viel Wasser
wie der Nil. 15 Prozent allen Süßwassers, das in die Meere fließt,
kommt aus dem Amazonasraum. Durch die Veränderungen im Niederschlag
werden Überflutungen häufiger und intensiver, sind sich die
Wissenschaftler einig. Dadurch wird die Wasserversorgung und die
sanitäre Situation gefährdet, denn die dort lebenden Menschen
benutzen das Wasser aus dem Fluss zum Trinken, Kochen, Baden, als
Abwasserleitung und die Flüsse dienen auch als Transportweg. Wärmeres
Wasser in den Flüssen beinhaltet zudem weniger Sauerstoff was wieder
die Larven und Eier der mehr als 3000 Fischarten gefährdet. Damit ist
die Fischerei im Amazonasgebiet als Eiweißquelle für 30 Millionen
Menschen bedroht. Der Anstieg des Meeresspiegels bewirkt, dass die
Mangrovenwälder an der Küste, die als Laichplatz und Rückzugsgebiet
der Fische und Schalentiere dienen, pro Jahr um ein Prozent abnehmen.
Das Vordringen des Salzwassers in den Amazonas, wo der Tidenhub noch
in Hunderten Kilometern Entfernung landeinwärts zu spüren ist
gefährdet ebenfalls Landwirtschaft und Fischerei.
Auch in der Landwirtschaft werden durch die veränderten Niederschläge
und den Raubbau an der Natur Ernteeinbußen von bis zu 21 Prozent in
Nordostbrasilien erwartet, die Waldbrände und das Ausbreiten von
Pflanzenschädlingen noch nicht mit einberechnet. In der
Holzwirtschaft müssen bis zu 38 Prozent mehr Flächen bebaut werden um
den selben Ertrag zu erwirtschaften was wiederum den Druck auf den
Regenwald erhöht. Negative Effekte werden auch bei den Ernten von
Weizen, Mais und Soja erwartet. Weitergehende Untersuchungen fehlen
noch. Besonders verheerend würden sich Dürren und Hungersnöte in der
kritischen Zone in Nordostbrasilien auswirken, wo 45 Mio. Menschen
leben. Weitere Folgen der Entwaldung wären eine steigende
Sterblichkeitsrate, mehr Infektionskrankheiten, soziale Probleme, die
Verschlechterung der sanitären Verhältnisse vor allem in den Slums
der Städte. Die Menschen in Brasilien werden sich außerdem vermehrt
auf übertragbare Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber sowie
Epidemien von Cholera und Gehirnhautentzündung einstellen müssen. Die
Luftverschmutzung durch Waldbrände und Ruß, das Wachstum von
allergenen Pflanzen und der freiere Pollenflug gefährden die
Gesundheit zusätzlich.
Spendeninfo des WWF: "Mit 120 Euro kann man einen Quadratkilometer
Regenwald retten. Schicken Sie dazu eine SMS an 0664/6200088. Der WWF
ruft Sie zurück. Es entstehen keine weiteren Kosten. Spendenkonto
7451061 BLZ 60000. Weitere Infos unter www.wwf.at."
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Amazonas-Sprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231.
Download der Studie unter www.wwf.at.
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