- 23.08.2007, 10:13:52
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GLOBAL 2000 deckt auf: Freizeitgebiet im Tiroler Nassereith mit Schwermetallen belastet!
Aktuelle Bodenproben liefern erschreckendes Ergebnis - wird Untätigkeit der Behörden durch fehlendes Bodenschutzgesetz ermöglicht?
Innsbruck (OTS) - Auf einem ehemaligem Bergbaugebiet errichtete
die Gemeinde Nassereith bereits in den 70er Jahren einen Fußballplatz
und nun eine Eislaufanlage. Aber Sport und Spiel in der wunderschönen
Natur könnten auf die Gesundheit der TirolerInnen nicht den
gewünschten positiven Effekt haben. Auf eine genauere Prüfung des
kontaminierten Bodens wurde nämlich verzichtet. Die
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zog auf und rund um das
Nassereither Freizeitgebiet Bodenproben, welche ein alarmierendes
Ergebnis lieferten: Das Gebiet um die besagte Freizeitanlage ist
stark mit gesundheitsgefährdendem Blei und Cadmium belastet. Vor
allem das Gelände neben dem Sportplatz, auf welchem auch Kinder
spielen, ist stark mit Schwermetallen kontaminiert. Auch 40
Zentimeter unter dem Sportplatz wurden stark erhöhte Bleiwerte
gemessen. "Im angrenzenden Waldstück liegt das belastete Material
teilweise ohne Vegetationsdecke frei zugänglich herum und es kommt
dabei zu einer blei- und cadmiumbelasteten Staubbildung. Immer wieder
werden außerdem spielende Kinder in den Ruinen der ehemaligen
Erzaufbereitungsanlage beobachtet", berichtet Kernegger.
In Nassereith wurden die Maßnahmen-Schwellenwerte, also jene Werte ab
deren Erreichung Handlungsbedarf besteht, teilweise weit
überschritten. Der gemessene Spitzenwert beträgt 200 Gramm Blei pro
Kilogramm Boden. Das entspricht einem Bleigehalt von 20 Prozent. Auch
eine Gefährdung des Grundwassers kann in fünf von sieben
Probenahmepunkten nicht ausgeschlossen werden. "Unsere Bodenproben
zeigen deutlich, dass der mit Schwermetallen belastete Boden eine
potenzielle Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt. GLOBAL 2000
fordert daher detaillierte Untersuchungen sowie eine umfassende
Sanierung des Gebietes", so Kernegger.
Das gesundheitliche Risiko, das von Blei und Cadmium ausgeht, ist
beträchtlich. "Wenn Blei über einen längeren Zeitraum in geringen
Dosen aufgenommen wird, kann es vor allem bei Kindern zu einer
negativen Beeinflussung des Nervensystems kommen. Bei entsprechender
Belastung führt Cadmium zu einer gestörten Nierenfunktion, darüber
hinaus zählt Cadmium zu den Krebs erregenden Stoffen. Die Aufnahme
sollte daher auf jeden Fall minimiert werden", erläutert der
Umweltmediziner Dr. med. Klaus Rhomberg die potenziell gefährliche
Situation. Es muss sichergestellt werden, dass Blei und Cadmium das
Grundwasser nicht verschmutzen, denn sonst besteht die Gefahr, dass
diese Schwermetalle ins Trinkwasser gelangen. Auch durch
landwirtschaftliche Bewässerung können die Schwermetalle in das
Ökosystem und so in die Nahrungskette kommen. Die Verwehung von
belasteten Stäuben von Oberflächen mit hohem Schwermetallgehalt kann
über den Atemtrakt zu einer unerwünschten Aufnahme der Schadstoffe
führen.
GLOBAL 2000 hat - gemäß Umweltinformationsgesetz - alle bisher
erhobenen Bodenuntersuchungen im Bereich der Sportanlage Nassereith
angefordert. Das Amt der Tiroler Landesregierung räumt aber selbst
ein, dass lediglich vier Bodenproben gezogen wurden. Diese
entsprechen allerdings nicht den gängigen fachlichen Standards
(ÖNORMEN) und lassen laut Behörde keine repräsentative Aussage zu.
"Es ist skandalös und unverantwortlich, dass in diesem Gebiet
Bauarbeiten genehmigt wurden, ohne die genaue Belastung sowie deren
Ausbreitung zu kennen," kritisiert Kernegger.
In Tirol existiert jedoch kein Bodenschutzgesetz wie etwa in
Salzburg. "Das Fehlen eines bundesweiten einheitlichen
Bodenschutzgesetzes ist ein großes Versäumnis", ärgert sich
Kernegger. GLOBAL 2000 fordert, dass die Grenzwerte für Schwermetalle
bundesweit gesetzlich bindend werden. Denn auch in der neuen -
frühestens in zwei Jahren - in Österreich geltenden
EU-Bodenschutzrichtlinie sind keine bindenden Schwellenwerte für
Schwermetalle vorgesehen. Umweltskandale wie in Nassereith können
aber nur durch gesetzliche Verbindlichkeiten verhindert und geahndet
werden.
Rückfragehinweis:
Mag. Lydia Matzka, Tel.: 0699/14 2000 26 und Mag. Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, mailto:[email protected]
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