- 28.06.2007, 12:00:00
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Prognose für 2007 und 2008: Konjunktur bleibt robust - Industrie und Bauwirtschaft bestimmen die Dynamik
Wien (WIFO) - Der Konjunkturaufschwung, der 2005 in Gang kam, hält
heuer an. Nach einem Wirtschaftswachstum von 3,1% im Jahr 2006 ist
2007 mit einem realen Anstieg des BIP von 3,2% zu rechnen. Während
die Exportdynamik leicht nachlässt, gewinnt die Investitionsnachfrage
an Kraft und übernimmt die tragende Rolle im Aufschwung. Der Konsum
der privaten Haushalte nimmt heuer zwar zu, bleibt aber nach wie vor
hinter seiner konjunkturtypischen Entwicklung zurück. Das hohe
Wirtschaftswachstum ermöglicht eine deutliche Ausweitung der
Beschäftigung und lässt die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen. Im
Jahr 2008 dürfte es sich aufgrund des Nachlassens der Konjunktur in
den USA, der Stärke des Euro und des Anstiegs der langfristigen
Zinssätze auf 2,5% verlangsamen.
Auch im Mai deuteten die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests unter
den heimischen Unternehmen nicht auf eine Abschwächung der überaus
regen Konjunktur hin. Für heuer kann daher ein Wirtschaftswachstum
von 3,2% erwartet werden. Erst im kommenden Jahr werden sich die
Verlangsamung in den USA, der Anstieg der langfristigen Zinssätze und
die Stärke des Euro auf die Wirtschaftsentwicklung in Österreich und
der EU dämpfend auswirken.
Die größten Wachstumsimpulse gehen zurzeit nach wie vor vom Export
und der anziehenden Investitionsnachfrage aus. Davon profitieren
besonders die Sachgütererzeugung und die Bauwirtschaft, im
Dienstleistungsbereich vor allem die Anbieter von unternehmensnahen
Dienstleistungen (darunter der konjunkturempfindliche
Arbeitskräfteverleih).
Laut Außenhandelsstatistik ist die Dynamik der Ausfuhr anhaltend
hoch. Im I. Quartal erhöhte sich der Wert der exportierten Waren
gegenüber dem Vorjahr um rund 9%. Wie in der Vergangenheit dürfte
sich die Abschwächung der Konjunktur in den USA mit einiger
Verzögerung auf die Wirtschaftsentwicklung in Europa auswirken,
sodass die Exportnachfrage im Laufe des Jahres 2007 abebben wird. Die
anhaltend kräftige Binnenkonjunktur im Euro-Raum wird jedoch die
negativen Auswirkungen auf den österreichischen Außenhandel mindern.
Die heimische Exportwirtschaft wird sich entsprechend ihrem
Marktwachstum entwickeln und die Warenausfuhr heuer real um 8 3/4%
steigern. 2008 wird sich das Wachstum auf 7 1/4% abschwächen.
Neben den Bauinvestitionen, welche bereits im Vorjahr deutlich
expandierten, werden heuer auch die Investitionen in Maschinen und
Elektrogeräte erheblich steigen. Sowohl der WIFO-Investitionstest als
auch der WIFO-Konjunkturtest unter den Herstellern von
Investitionsgütern deuten auf diese Entwicklung hin. Bislang
enttäuschten lediglich die Fahrzeuginvestitionen. Allerdings ist auch
hier mit einer Zunahme der Dynamik im 2. Halbjahr zu rechnen. Das
WIFO erwartet heuer einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 8%
und im kommenden Jahr um 4 1/2%. Die Bauinvestitionen werden mit real
+4 1/2% nur wenig schwächer wachsen als im Vorjahr (+5 1/4%). Auch
2008 wird die Baukonjunktur gut sein, die Investitionen sollten um 3
1/4% zunehmen.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/presse)
Die privaten Konsumausgaben werden zwar mit real +2 1/4% stärker
ausgeweitet als im Vorjahr, entwickeln sich aber angesichts der guten
Konjunktur nach wie vor sehr verhalten. Die Nachfrage stieg im I.
Quartal nur sehr schwach. Dieses Ergebnis spiegelt jedoch auch den
wegen des milden Wetters merklich verringerten Energieverbrauch für
Heizung wider; dieser negative Effekt dürfte in den Folgeperioden
ausgeglichen werden. Der Anstieg der Haushaltsnettoeinkommen speist
sich heuer vorrangig aus der Zunahme der Beschäftigung, während das
Arbeitseinkommen pro Kopf in realer Rechnung über den gesamten
Prognosezeitraum stagniert. Der Beitrag der Konsumnachfrage der
privaten Haushalte zum Wirtschaftswachstum bleibt aus diesem Grund in
diesem Aufschwung sehr gering.
Von der Lohnentwicklung ist keinerlei inflationärer Kostendruck zu
erwarten, und die daraus resultierende Schwäche der Konsumnachfrage
hält ihrerseits den Anstieg der Verbraucherpreise niedrig. Daher wird
trotz der guten Konjunktur und der Dauer des Aufschwungs die
Inflationsrate in Österreich in beiden Jahren unter 2% bleiben. Darin
liegt ein wesentlicher Unterschied zu vergangenen Konjunkturzyklen.
Wie im Vorjahr reagiert der Arbeitsmarkt auch heuer deutlich auf
das Wirtschaftswachstum. Die Zahl der unselbständig aktiv
Beschäftigten wird 2007 um 60.000 (+1,9%) höher sein als im Vorjahr,
gleichzeitig wird die Zahl der Arbeitslosen um 15.000 reduziert.
Dadurch sinkt die Arbeitslosenquote nach österreichischer
Berechnungsmethode auf 6,3%. 2008 hält diese günstige Entwicklung in
vermindertem Tempo an, die Beschäftigtenzahl steigt neuerlich um
25.000 (+0,8%). Durch die gleichzeitige Verringerung der
Arbeitslosigkeit um 5.000 Personen sinkt die Arbeitslosenquote auf
6,1%.
Nachdem der Finanzierungssaldo der öffentlichen Haushalte bereits
im Vorjahr auf -1,1% des BIP gesunken ist, ist heuer mit einem
weiteren Rückgang zu rechnen. Für 2007 ist mit einem Fehlbetrag von
0,7% und für 2008 von 0,6% zu rechnen. Die Rückführung des Defizits
resultiert aber ausschließlich aus der dank der guten Konjunktur
günstigen Entwicklung der Steuereinnahmen. Der vorliegenden Prognose
liegt die Annahme einer rigorosen Umsetzung der geplanten
Sparmaßnahmen auf der Ausgabenseite zugrunde.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
7/2007!
Rückfragehinweis:
Mag. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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