- 20.06.2007, 20:52:14
- /
- OTS0347 OTW0347
"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: " Glamour ohne Glanz " (Von Manuel Fasser)
Ausgabe vom 21. Juni 2007
Innsbruck (OTS) - Dem bekanntesten Skirennen der Welt, dem
Hahnenkamm-Rennen, droht 2010 das Aus - und ausnahmsweise ist nicht
der Klimawandel schuld daran. Es sind die Kitzbüheler selbst, die
seit Jahren im Kreis diskutieren und sich in Interessenskonflikten
verrannt haben. Eine Diskussion über eine von der FIS vorgeschriebene
Aufrüstung oder den Neubau des Streifalmlifts, der mittlerweile 41
Jahre auf dem Buckel hat und sich in Zeitlupengeschwindigkeit den
Berg hinaufquält. Er ist nötig für Slalom und Super-G. Lediglich die
Abfahrt kommt ohne den Sessellift aus und ist gesichert.
Christian Harisch, Kitzbüheler Tourismusobmann, hat die
Lift-Diskussion um eine Facette bereichert: Er schlug vor, die
reichen (deutschen) Zweitwohnsitzbesitzer könnten ein Herz zeigen und
den Lift sponsern. Als Gegenleistung würde ein Sessellift-Sessel
ihren Namen tragen. In amerikanischen Skiressorts, argumentiert
Harisch, sei diese Art der Finanzierung üblich.
Harischs Idee mag gut sein und führt gleichzeitig die
selbsternannte Weltstadt des Sports öffentlich vor: Das "Zentrum des
alpinen Skilaufs" ist nicht in der Lage, aus eigener Kraft einen Lift
für das berühmteste Skirennen der Welt zu bauen? Eine Veranstaltung
mit einer Wertschöpfung von 30 Millionen Euro pro Jahr soll an einem
vier bis fünf Millionen Euro teuren Lift scheitern? Das ist
beschämend. Und zum Schmunzeln. Oder weinen. Die zweite Botschaft,
die Harischs Sesselverkauf-Idee mitträgt, ist ein Begriff, den man
aus Berlin-Kreuzberg, Pariser Vororten und dem FPÖ-Wahlkampf kennt:
die Parallelgesellschaft. Ein Teil der wohlhabenden Besitzer von
Zweitwohnsitzen lebt selten, zurückgezogen und in deren eigenen Welt
in Kitz. Die Zweitwohnsitzler, sagt die Hotellerie, schmälerten ihren
Umsatz. Harischs Sessellift-Aktion wäre, aus Sicht der Kitzbüheler
Touristiker, der Obolus, den Reiche zur Duldung ihrer
Nicht-Integration zahlen sollten.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






