- 19.06.2007, 09:53:36
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WWF: Naturschutz in Österreich wird kaputt gespart
Umweltminister Pröll erteilt engagierten Bauern klare Absage für die Landschaftspflege - schwerer Rückschlag für Wachtelkönig, Rebhuhn und Co.
Wien (OTS) - Wien, am 19. Juni 2007 - Das österreichische
Agrarumweltprogramm ÖPUL steht - zumindest auf dem Papier - für eine
"umweltgerechte und den natürlichen Lebensraum schützende
Landwirtschaft". Eine der wichtigsten Maßnahmen, für die Landwirte
ÖPUL-Förderungen erhalten, ist die Pflege von Flächen, die dem
Naturschutz dienen - wie Feuchtwiesen, artenreiche Trockenrasen und
Brachen oder die Anlage von Hecken. Die Bauern leisten dadurch einen
wichtigen Beitrag für den Erhalt gefährdeter Arten und Lebensräume
von österreichischer und europäischer Bedeutung, wie es die
EU-Naturschutzrichtlinien erfordern. Ab sofort erteilt der Bund
jedoch ausgerechnet jenen Aktivitäten, die der Verbesserung der
Landschaft dienen, eine finanzielle Absage. "Der Einsatz engagierter
Landwirte wird im so genannten Umweltmusterland nicht gefördert,
sondern bestraft", ist Johannes Frühauf von BirdLife empört.
Besonders dramatisch ist die Situation in Niederösterreich und der
Steiermark. Hunderten Betrieben, die in den letzten Jahren wichtige
Partner im Naturschutz waren, werden Pflegeverträge nicht verlängert.
"Die Bäuerinnen und Bauern sind bitter enttäuscht und sehen das als
schweren Vertrauensbruch an", so Margit Gross vom Naturschutzbund NÖ.
Landwirt Gerd Treitler aus Hitzendorf in der Steiermark hatte mit
einer Gruppe Gleichgesinnter eine Initiative ins Leben gerufen, um
gefährdete Arten zu fördern: Späte Mähtermine sollen Vogelnestern wie
z. B. jenen des vom Aussterben bedrohten Wachtelkönigs ein sicheres
Versteck bieten; auch für Rebhuhn oder Feldhase sind Hecken und
naturnahe Wiesen mit blühenden Blumen ein unersetzlicher Lebensraum.
Für Landwirte bedeuten solche Maßnahmen freilich Einkommenseinbußen,
die bisher im Umweltprogramm abgegolten wurden. "Wir stehen nun vor
einem Scherbenhaufen und wissen nicht mehr, wie es weiter gehen
soll", so Treitler verzweifelt über den Stopp der Fördergelder.
Positive Impulse für die Regionalentwicklung bleiben durch diese
Einsparungen im Vertragsnaturschutz auf der Strecke. "Hunderte
Millionen Euro werden sinnlos ausgegeben, aber nichts in die Umwelt
investiert", kritisiert Bernhard Kohler vom WWF. Statt das Geld für
innovative Projekte zu nutzen, wird es ohne Lenkung und klares
Konzept nach dem Gießkannenprinzip verteilt, so die NGOs. Paradoxer
Weise erbringen gerade die ÖPUL-geförderten Maßnahmen mit dem größten
Budget- und Flächenanteil kaum Umweltleistungen, wie Evaluierungen
mehrfach zeigten. "Die Deckelung der Naturschutzmittel bedeutet, dass
in Österreich gerade die besonders effizienten Naturschutzmaßnahmen
eingespart werden müssen", ärgert sich Frühauf.
Auch der Europäischen Kommission ist die schwache Leistung des ÖPUL
ein Dorn im Auge: Sie wird die Genehmigung und Kofinanzierung des
Umweltprogramms im Herbst nur erteilen, wenn deutliche
Nachbesserungen erfolgen. Der Naturschutz-Sparkurs könnte das in
Sachen Natura 2000 erst jüngst vom Europäischen Gerichtshof
verurteilte "Umwelt-Musterland" teuer zu stehen kommen. Den
Steuerzahlern drohen Strafzahlungen von bis zu 150.000 Euro pro Tag,
wenn kein "günstiger Erhaltungszustand" für gefährdete Lebensräume
und Arten erreicht wird, was jedoch ohne Unterstützung der
LandwirtInnen nicht möglich ist.
Die Naturschutz-Organisationen appellieren deshalb zum wiederholten
Mal an Minister Pröll, die Kontingentierung der Naturschutzmaßnahmen
aufzulassen. Betriebe, die im öffentlichen Interesse wertvolle
Flächen sichern oder entwickeln wollen, seien besonders zu
unterstützen, so die NGOs.
Weitere Informationen:
Claudia Mohl, WWF Österreich, 01/48817-250 oder 0676/83 488 203
Johannes Frühauf, BirdLife Österreich, Tel. 0699/12736059
Rückfragehinweis:
WWF Österreich
Tel.: (++43-1) 488 17 - 0
Fax: (++43-1) 488 17 - 44
mailto:[email protected]
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