- 04.06.2007, 11:42:24
- /
- OTS0118 OTW0118
Neue Daten: Armut kann Ihre Gesundheit gefährden
Arme dreimal so oft krank wie "Reiche". Armutskonferenz fordert E-card für SozialhilfeempfängerInnen und soziale Indikatoren für die österr. Gesundheitsstrategie.
Wien (OTS) - "Die Bevölkerung unter der Armutsgrenze weist dreimal
schlechteren Gesundheitszstand auf (11%) als hohe Einkommen (4 %).Und
ist doppelt sooft krank wie mittlere Einkommen (7%)", veröffentlicht
die Armutskonferenz die neuesten Daten aus dem Armutbericht*. Fragt
man nach den Bildungsabschlüssen, sind PflichtschulabsolventInnen
doppelt so oft von chronischer Krankheit betroffen (21%) wie Personen
mit Maturaabschluß (11%). Nach der beruflichen Stellung bezeichnen
90% mit höheren bzw. führenden Tätigkeiten ihren Gesindheitszustand
als "gut", während es bei Hilfsarbeitern nur 76% sind." so
Sozialexperte Martin Schenk von der Armutskonferenz: "Armut kann ihre
Gesundheit gefährden."
"100 000 Menschen sind noch immer ohne Krankenversicherung, 20 000
Menschen in Sozialhilfe haben noch immer keine e-card. Seit 2 Jahren
sind mögliche Lösungen im Bund-Länder Dschungel verschollen.",
fordert Schenk die Verantwortlichen zum Handeln auf.
"Und im Gesundheitsbericht des Ministeriums kommen sozioökonomische
Analysen und Strategien nicht vor. In der Gesundheitsförderung gibt
es bis jetzt keine Ziele zur Verringerung des hohen Krankheitsrisikos
Ärmerer.", kritisert Schenk. "In der Gesundheitspolitik und
Prävention muss mehr Augenmerk auf die sozialen Lebensbedingungen
gelegt werden. Einen Teil der Energie, die in den
Anti-Raucher-Kampagnen gebunden ist, wäre jedenfalls auch gut
investiert in Maßnahmen gegen die steigende Zahl der working poor,
der wachsenden Einkommensschere oder der Reduzierung der hohen
"sozialen Vererbung" im Bildungssystem."
"Ein wichtiger Schritt wäre, Gesundheitsdeterminanten in den
anderen Politikfeldern zu implementieren: in der Budgetpolitik, in
der Arbeitsmarktpolitik, in der Verkehrsplanung, im Sozialressort."
regt die Armutskonferenz an. "Anderswo gibt es schon Erfahrung mit
einem umfassenderen Vorgehen. In acht europäischen Staaten sind
größere Programme zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit
dokumentiert: UK, Nl, Sp, It, Fr, Fn, Lt, Swe. Das mit hoher sozialer
Polarisierung ausgestattete Großbritannien genauso wie die
egalitäreren Niederlande haben bereits in den 80er Jahren begonnen,
umfassende Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit
zu entwickeln. Gemeinsam ist allen Programmen, dass sie
unterschiedlichste Politikfelder einbeziehen, dass sie quantitative
Zielvorgaben setzen und dass sie die Umsetzungsschritte evaluieren.
Die Maßnahmen stellen auf Armutsbekämpfung genauso ab wie auf
Verbesserung individueller Lebensbedingungen, Gesundheitsverhalten
und Gesundheitsversorgung in sozialen Brennpunkten; also Verhältnis-
und kontextbezogene Verhaltensprävention gemeinsam.", so
Sozialexperte Schenk.
"Wer mit Arbeitslosen zu tun hat, denkt an Bildung, an
Existenzsicherung, an Wohnen, Familie, Gesundheit. Wer mit
Gesundheitsfragen von Armutsbetroffenen zu tun hat, sorgt sich um
Beschäftigung, nicht-schimmlige Wohnungen, Bildung,
Erholungsmöglichkeiten und eine Lösung der stressenden Existenzangst.
Den Menschen als Ganzes sehen. Davon kann besonders die Politik
lernen: Statt sektoral und in eingeschlossenen Handlungsfeldern
besser in Zusammenhängen denken: Gesundheitspolitik ist
Wohnungspolitik, Bildungspolitik ist Sozialpolitik, Stadtplanung ist
Integrationspolitik. Es geht um einen ganzheitlichen Approach. Der
Kontext entscheidet", so die Armutskonferenz.
Die Gründe für das hohe Erkrankungsrisiko Ärmerer sind
vielschichtig: Leben am Limit macht Stress. Leben am Limit schwächt
die Abwehrkräfte und das Immunssystem. Leben am Limit macht
verletzlich. Finanzielle Not, Arbeitslosigkeit oder schlechte
Wohnverhältnisse machen krank. Auch reiche Raucher leben länger als
arme Raucher. So leben beispielsweise in Städten Ärmere vermehrt an
den Ausfallstrassen oder städtischen Durchzugsrouten mit mehr Lärm,
mehr Schmutz, weniger Licht. AlleinerzieherInnen in prekären Jobs
schicken aus Sorge vor Jobverlust ihre kranken Kinder in die Schule,
usw. Vier Faktoren führen zum hohen Krankheitsrisiko
Armutsbetroffener:
1. die Unterschiede in den gesundheitlichen Belastungen,
2. die Unterschiede in den Bewältigungsressourcen und
Erholungsmöglichkeiten,
3. die Unterschiede in der gesundheitlichen Versorgung und
4. die Unterschiede im Gesundheits- und Krankheitsverhalten.
* Statistik Austria (2007): Einkommen, Armut und Lebensbedingungen.
Rückfragehinweis:
DIE ARMUTSKONFERENZ. - Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. www.armutskonferenz.at Rückfragen Medien: 01/ 409 80 01 oder 0664/ 544 55 54 Kooridnationsbüro: 01/ 402 69 44
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ARM






