- 06.05.2011, 11:26:16
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Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde 45 Jahre Neugeborenen-Screening an der MedUni Wien - BILD

Wien (OTS) - Bereits seit 45 Jahren läuft an der
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien
eines der umfangreichsten Neugeborenen-Screeningprogramme Europas.
Derzeit werden in Wien Proben von jährlich über 78.000 Neugeborenen
aus ganz Österreich untersucht. Der Test auf angeborene
Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Störungen kurz nach der
Geburt ist Teil des Mutter-Kind-Passes und ermöglicht frühzeitig
gezielte Therapien. Das Programm ersparte bis heute tausenden Kindern
ein Leben mit Behinderungen und schweren Erkrankungen.
Alois Stöger, Bundesminister für Gesundheit, und Wolfgang Schütz,
Rektor der MedUni Wien, präsentierten gemeinsam mit Arnold Pollak,
Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde und den
Experten für das Neugeborenen-Screening David Kasper und Kurt
Herkner, die 45-jährige Erfolgsgeschichte des international viel
beachteten österreichischen Vorsorgeprogramms zur Früherkennung von
angeborenen Stoffwechselerkrankungen bei Neugeborenen.
"Die Gesundheit aller Kinder in Österreich ist mir wichtig. Darum
habe ich den Kindergesundheitsdialog ins Leben gerufen. Hier
diskutieren Experten und Betroffene die Möglichkeiten der
Verbesserung der Gesundheit unserer Kinder", betonte Minister Stöger
und ergänzte: "Durch den Mutter-Kind-Pass ist es möglich, allen
Kindern in ganz Österreich Vorsorgeuntersuchungen anzubieten. Das
Neugeborenen-Screening ist ein weltweit einzigartiges Angebot zur
Früherkennung von Stoffwechselerkrankungen, die früh erkannt auch
leichter behandelt werden können."
Med-Uni Rektor Wolfgang Schütz über die Entstehung und Entwicklung
eines der umfangreichsten Neugeborenen-Screeningprogramme Europas:
"Ausgehend von einem Forschungsprojekt der MedUni Wien in den 1960er
Jahren wird das Neugeborenen-Screening im Auftrag des
Gesundheitsministeriums bereits seit 1966 von der MedUni Wien für
ganz Österreich routinemäßig durchgeführt. Dem jeweiligen Stand der
wissenschaftlichen Forschung entsprechend wurde und wird das Programm
von uns laufend ausgebaut und weiter entwickelt. International nimmt
die MedUni Wien mit dem Neugeborenen-Screening einen Spitzenplatz
ein."
Rasche Diagnose schützt Neugeborene vor schweren Erkrankungen und
Dauerschäden
Das Österreichische Neugeborenen-Screening verfolgt das Ziel,
angeborene Stoffwechselerkrankungen und endokrine, also hormonelle
Störungen bei jedem in Österreich geborenen Säugling zu erkennen und
zu diagnostizieren. Dadurch können die betroffenen Kinder zum
ehestmöglichen Zeitpunkt wirkungsvoll therapiert werden.
Immerhin eines von 800 Neugeborenen ist von einer solchen angeborenen
Krankheit betroffen, deren gefährliche Folgen von schweren
Erkrankungen und Dauerschäden bis hin zum Tod reichen können. Mit
Hilfe des Neugeborenen-Screenings können derzeit jährlich bei 110 bis
130 Babys - bisher insgesamt über 2.400 Kinder - Probleme im
Stoffwechsel- oder Hormonhaushalt rechtzeitig erkannt werden, noch
bevor diese Defekte einen Schaden im Organismus hinterlassen. Die
Zahl der kleinen PatientInnen, bei denen gefährliche angeborene
Krankheiten diagnostiziert werden können, stieg während der
vergangenen Jahrzehnte infolge neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse
und Diagnosemöglichkeiten laufend.
Vor Einführung des Screeningprogramms wurden diese Krankheiten in
der Regel nicht rechtzeitig erkannt. Betroffene Kinder verstarben
häufig frühzeitig oder mussten mit schweren gesundheitlichen
Beeinträchtigungen leben. Mittels eines kleinen Fersensstichs und
einigen dadurch gewonnenen Blutstropfen können diese Erbschäden heute
rasch diagnostiziert und frühe Therapiemaßnahmen gesetzt werden. Bei
Stoffwechselerkrankungen können zum Beispiel alleine durch das
vergleichsweise einfache Mittel einer individuellen Diät schwere
Folgeschäden wirkungsvoll verhindert werden. Ein Beispiel dafür ist
die Phenylketonurie. Diese Krankheit war in den 60er Jahren des
letzten Jahrhunderts Anlass für die Einführung des Programms.
Weltweite Spitzenposition in Diagnose, Therapie und Forschung
Am Beginn des österreichischen Neugeborenen-Screenings stand ein
wegweisendes Forschungsprojekt der MedUni Wien. Aufgrund des großen
Erfolges wurde das Programm im Auftrag des Gesundheitsministeriums
rasch österreichweit etabliert.
Heute ist das Neugeborenen-Screening an der MedUni Wien fest in
der österreichischen Gesundheitspolitik verankert und gleichzeitig
ein international bedeutendes Forschungszentrum. Grund dafür sind die
personell und technisch hervorragenden Voraussetzungen der MedUni
Wien sowie die gute Vernetzung mit den österreichischen Zentren für
Stoffwechselstörungen und den Ambulanzen für seltene Erkrankungen.
Dabei findet eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Berufsgruppen
wie Hebammen, ÄrztInnen und DiätologInnen mit unterschiedlich
spezialisierten Labors statt.
Dieses Umfeld begünstigt die laufende Weiterentwicklung des
Neugeborenen-Screenings: Ständig fließen innovative Technologien,
neue Erkenntnisse im Therapiemanagement und langfristige Studien in
die Prozessabläufe ein. Wichtige Verbesserungen beruhen auch auf
eigenen Forschungsergebnissen der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde. Das garantiert eine kontinuierliche Verbesserung in
der Präventivdiagnostik und der Therapie von PatientInnen mit
seltenen angeborenen Erkrankungen.
Aktuell forschen die WissenschafterInnen der MedUni Wien gemeinsam
mit internationalen Kooperationspartnern aus den USA und deutschen
KollegInnen an neuen innovativen Technologien. Ein Großprojekt ist
die Entwicklung neuer Verfahren zur Bestimmung von Enzymaktivitäten
bei Lysosomalen Speicherkrankheiten. Die MedUni Wien ist nun weltweit
führend bei der Früherkennung einer Vielzahl dieser Erkrankungen und
Anlaufstelle für Labors und Ärzte aus der ganzen Welt. Das
Gesundheitsministerium unterstützte das Pilotprojekt mit einer über
den Zeitraum von drei Jahren laufenden Förderung von 620.000 Euro.
Entstehung des Neugeborenen-Screeenings und laufende
Weiterentwicklung
Als eines der weltweit ersten derartigen Programme wurde 1966 das
österreichweite Neugeborenen-Screening zur Erkennung angeborener
Stoffwechselerkrankungen und Endokrinopathien eingeführt. Es entstand
im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit an der
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen
Universität Wien.
Die Liste der zu untersuchenden Erkrankungen wurde in den
Folgejahren sukzessive erweitert und umfasste bald neben der
Phenylketonurie und Galaktosämie auch die angeborene primäre
Hypothyreose, die Biotinidasedefizienz, die Cystische Fibrose und das
Adrenogenitale Syndrom. Im Jahre 2002 wurde eine neue bahnbrechende
Technologie eingeführt: die Tandem Massenspektrometrie (Verfahren zum
Messen der Masse von Atomen oder Molekülen). Somit war es möglich
auch eine Reihe weiterer Krankheiten nach der Geburt frühzeitig zu
diagnostizieren, die bis zu diesem Zeitpunkt oft unentdeckt blieben.
Dadurch konnte die Anzahl der untersuchten angeborenen
Stoffwechselerkrankungen auf über 30 Erkrankungen erweitert werden
und umfasst jetzt auch Aminosäure- und Fettsäureoxidationsstörungen
sowie Organoazidopathien.
Medizinische Universität Wien - Kurzprofil
Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren
31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über
48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Mag. Johannes Angerer Öffentlichkeitsarbeit & Sponsoring Medizinische Universität Wien Tel.: 01/ 40 160 11 501 E-Mail: [email protected] www.meduniwien.ac.at Mag. Thomas Kvicala Bundesministerium für Gesundheit Pressesprecher des Bundesministers Tel.: +43/1/71100-4506 E-Mail: [email protected]
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