• 07.03.2017, 09:00:01
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  • OTS0016

ÖGfE-Schmidt: Frauen sehen die EU heute deutlich positiver als Männer

Seit Herbst 2014 Meinungsumschwung im EU-Bild der beiden Geschlechter - Umfrage

Utl.: Seit Herbst 2014 Meinungsumschwung im EU-Bild der beiden
Geschlechter - Umfrage =

Wien (OTS) - „Bei der Volksabstimmung über den österreichischen
EU-Beitritt im Jahr 1994 stimmten 70 Prozent der Männer, aber nur 62
Prozent der Frauen für eine Mitgliedschaft. Über fast 20 Jahre hinweg
waren Frauen der EU-Mitgliedschaft gegenüber stets kritischer
eingestellt als Männer. Seit November 2014 hat sich dieser Trend
jedoch gedreht: Während Frauen die Union immer positiver sehen,
äußern sich Männer immer skeptischer“, analysiert Paul Schmidt,
Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik
(ÖGfE), die Ergebnisse aktueller ÖGfE-Umfragen.

Seit Beginn der EU-Mitgliedschaft hat die ÖGfE in insgesamt 52
Umfragen regelmäßig die Frage gestellt, ob Österreich Teil der EU
bleiben oder wieder austreten sollte. Bei jeder einzelnen Befragung
war die absolute Mehrheit sowohl der Männer als auch der Frauen für
einen EU-Verbleib. Frauen waren dabei jedoch stets EU-kritischer als
Männer.

Seit November 2014 ist eine gegenläufige Tendenz feststellbar.
Während die Zahl der EU-Befürworterinnen über die letzten Jahre
hinweg leicht gestiegen ist, ging jene der Männer von Ende 2013 bis
Mitte 2016 stark zurück. In der aktuellsten Umfrage vom Jänner 2017
liegt die EU-Zustimmung von Männern bei 64 Prozent - mehr als zehn
Prozentpunkte unter dem 20-jährigen Mittel. Bei Frauen hingegen ist
der jüngste „bleiben-Wert“ mit 70 Prozent vier Prozentpunkte höher
als im Durchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte. Dezidiert aus der EU
austreten will derzeit knapp jeder dritte männliche, aber nur jede
fünfte weibliche Befragte. Der Austrittswunsch nimmt bei Frauen
tendenziell seit 2008 ab, während er bei Männern ab 2011 steigt und
ab 2014 in die Höhe schnellt.

Ein ähnlicher Meinungstrend zeigt sich beim Euro. So steigt das
Vertrauen in die Gemeinschaftswährung bei den Österreicherinnen,
während jenes der Österreicher sinkt. Im Jänner 2017 hatte genau die
Hälfte der Frauen „sehr großes“ bzw. „großes“ Vertrauen in den Euro,
und damit erstmals mehr als Männer (47 Prozent). Die Wichtigkeit des
Euro, etwa für die Stellung der EU in der Weltwirtschaft, schätzen
Frauen nun ebenfalls höher ein. Auch was den langfristigen Bestand
des Euro betrifft, sind 72 Prozent der Frauen optimistisch -
gegenüber 60 Prozent der Männer.

„In politisch zunehmend unsicheren Zeiten dürften Männer vermehrt auf
rasche, nationale Lösungen setzen. Frauen suchen stärker das
„Gemeinsame“ und betrachten einen potenziellen EU-Austritt angesichts
der aktuellen Herausforderungen eher als Sprung ins kalte Wasser“, so
Schmidt. „Männer wiederum scheinen erratischer zu reagieren und
häufiger mit emotionalen Austrittsargumenten zu sympathisieren.
EU-kritische bis ablehnende Parteien wurden daher auch in Österreich
bisher weit mehr von Männern als von Frauen gewählt. Frauen dürften
extremere Positionen eher suspekt sein.“

Die veränderte Einstellung zur EU zeigt sich auch darin, dass Männer
diese gegenwärtig deutlich stärker mit negativen Begriffen
assoziieren. Männer halten die EU heute mehrheitlich für unsicher (56
Prozent), fern (62 Prozent) und sehen sie als „Zwang“ (53 Prozent),
Frauen sehen sie hingegen mit teils deutlicher Mehrheit als sicher
(53 Prozent), nahe (56 Prozent) und verbinden sie mit „Freiheit“ (60
Prozent). Frauen halten die EU auch deutlich stärker als Männer für
demokratisch (64 Prozent zu 49 Prozent), sozial (67 Prozent zu 56
Prozent) und friedenstiftend (72 Prozent zu 57 Prozent).

Das Meinungsbild von Frauen und Männern hat sich in diesen Punkten
seit November 2014 völlig umgekehrt.

So ist etwa die Anzahl der männlichen Befragten, die die EU als
friedenstiftend ansieht, seit Herbst 2014 um 17 Prozentpunkte
gesunken, die Zahl jener, die die EU als demokratisch betrachten, ist
um 16 Prozentpunkte zurückgegangen. Dagegen ist die Zahl jener
Frauen, die die EU mit „Freiheit“ assoziieren, im gleichen Zeitraum
um 19 Prozentpunkte gestiegen, jene, die sie als „nahe“ sehen, sogar
um 20 Prozentpunkte.

„Der in den letzten Jahren zu verzeichnende Meinungsumschwung von
Männern und Frauen in Sachen EU ist beachtlich. Gerade die Diskussion
um den Brexit hat jedoch insgesamt zu einem verstärkten Bewusstsein
geführt, dass ein tatsächlicher EU-Austritt und nationale Alleingänge
für uns alles andere als das Gelbe vom Ei wären. Seit Mitte 2016
steigt nämlich die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft wieder an - und
das bei beiden Geschlechtern“, resümiert Schmidt.

Download Grafiken: http://bit.ly/2lNvbgP

Die für diese Analyse verwendeten Umfragen wurden von der
Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft im Auftrag der ÖGfE im
Zeitraum 1995 bis 2017 durchgeführt (Nähere Informationen sind in den
Download-Grafiken zu finden). Im Rahmen der aktuellen Umfrage vom
Februar 2017 wurden österreichweit 574 Personen per Telefon
(repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16
Jahre/Gewichtung nach Geschlecht, Alter und Bildung). Maximale
Schwankungsbreite ca. +/- 4,0 Prozent. Differenz auf 100 Prozent
aufgrund gerundeter Werte.

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