Podiumsdiskussion zu Islam europäischer Prägung

Expert/innen-Diskussion zum Thema "Wie viel Europa braucht der Islam?" u.a. mit Islamexperten Mouhanad Khorchide, Ednan Aslan sowie Zekirja Sejdini und Nahostexpertin Karin Kneissl

Wien (OTS) - Unter dem Titel „Wie viel Europa braucht der Islam?“ fand am 28. Februar 2017 an der Universität Wien eine vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) veranstaltete Expert/innen-Diskussion statt: Mit den über 150 Besucher/innen diskutierten Univ.-Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (Universität Münster), Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan und Dr. Evrim Ersan-Akkilic (Universität Wien), Univ.-Prof. Dr. Zekirja Sejdini (Universität Innsbruck) sowie Nahostexpertin Dr. Karin Kneissl über die Herausforderungen eines Islams europäischer Prägung. Im Rahmen der Podiumsdiskussion präsentierte Univ.-Prof. Sejdini außerdem die neue, von der Universität Innsbruck entwickelte Onlineplattform "Islamportal" (www.islamportal.at)

Islam europäischer Prägung als Basis für Integration

Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Zentrum für islamische Theologie der Universität Münster, betonte im Rahmen der Diskussion die Bedeutung eines kontextbezogenen Islams für die Integration von Muslim/innen in Europa: „Kontexte prägen Menschen und Gläubige prägen den Islam. Wir müssen uns deshalb die Frage stellen, in wie weit die islamische Theologie mit der modernen Gesellschaft, in der Muslime in Europa leben, harmoniert. Zugleich müssen wir auch hinterfragen, in wie weit sich Muslime mit Europa identifizieren. Die demokratischen Verhältnisse in Europa bieten viele Chancen, den Islam abseits politischer Einflüsse neu zu interpretieren."

Ednan Aslan, Professor für Islamische Religionspädagogik und Leiter des Instituts für Islamische Studien (IIS) an der Universität Wien, trat für eine islamische Theologie europäischer Prägung ein: „Ein Islam europäischer Prägung ist keine geografische Zuordnung, sondern eine Geisteshaltung. Muslime sind herausgefordert, Religion unter den Herausforderungen der neuen Zeit zu interpretieren und zu reflektieren. Wer den Islam in der heutigen Zeit mit Quellen aus dem 13. Jahrhundert rechtfertigen muss, hat den Islam nicht verstanden. Diese Reflexion braucht Mut, aber sie kann den Islam nur bereichern.“

Für Nahostexpertin Karin Kneissl muss der Grundsatz eines Islams europäischer Prägung die Trennung von Politik und Religion sein: "Religiöse Zugehörigkeit als Identitätsmerkmal war in der Vergangenheit zum Beispiel für Muslime in Ex-Jugoslawien vielfach kein Thema, hat aber in den letzten Jahrzehnten stark  zugenommen. Damit das Zusammenleben in Österreich funktionieren kann, muss aber die staatsbürgerliche Identität im Vordergrund stehen und wir müssen klarstellen, dass Religion Privatsache ist." 

Neue Online-Plattform www.islamportal.at vorgestellt

Zekirja Sejdini, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, stellte das neue, von der Universität Innsbruck entwickelte "Islamportal" vor: „Im Mittelpunkt steht das Konzept einer kontextuellen Prägung des Islam, die Zusammenleben, Kultur und Werte in Österreich und Europa im Fokus hat. Die Onlineplattform bietet dazu wissenschaftlich fundierte, objektive, kontextuelle und kritische Informationen zu den verschiedensten Themen rund um den Islam.“

Franz Wolf, Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds: „Knapp 700.000 Menschen muslimischen Glaubens leben derzeit in Österreich. Allerdings gibt es oft kein klares Bild davon, was den Islam in Österreich ausmacht und wer für ihn sprechen darf. Ziel muss es sein, jene gemäßigten Kräfte zu fördern, die für einen moderaten und toleranten Islam eintreten. Das von der Universität Innsbruck entwickelte Onlineportal leistet dabei einen wichtigen Beitrag.“

Weitere Informationen unter www.islamportal.at

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Integrationsfonds
MMag. Franziska Troger
+43 1 7101203 333
franziska.troger@integrationsfonds.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OIF0001