• 13.01.2017, 15:37:19
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  • OTS0133

Das Jüdische Museum Wien, Direktorin Danielle Spera und ihr Team trauern um Ari Rath.

Wien (OTS/RK) - Ari Rath war unserem Haus zutiefst verbunden und hat
an hier an vielen Veranstaltungen mitgewirkt. Ein Interview über
seine Jugend in Wien, seine Flucht vor den Nazis nach Palästina und
der politischen Verantwortung Österreichs ist Teil unserer
Dauerausstellung. Die Persönlichkeit Ari Raths, sein Wissen und sein
Charme beeindruckten alle, die ihn kannten.

Ari Rath wurde am 6. Jänner 1925 in Wien geboren. „Wir waren eine
typische moderne jüdische Familie der dreißiger Jahre in
Mitteleuropa. Mein Vater hatte sich bereits vollständig an die
westeuropäischen Werte und Gebräuche angepasst, obwohl er
ursprünglich aus einer angesehenen Rabbinerfamilie stammte“, schreibt
er in seiner Autobiographie „Ari heißt Löwe“, die 2012 erschien. Nach
dem frühen, tragischen Tod seiner Mutter kümmerte sich die aus Stryj
in Galizien stammende Omama Frimtsche um Ari und seinen älteren
Bruder Max. Sie war es auch, die den Kindern die religiösen
Traditionen vermittelte: „Freitagabend zündete sie die Schabbatkerzen
an. Unser Vater sprach mehrmals den Segensspruch über den Wein und
das geflochtene Weißbrot, die ‚Challes‘. Es gab natürlich auch
„Gefilte Fisch“ als Vorspeise und Hühnersuppe mit Nudeln“, erinnert
sich Ari Rath. Zu seiner Bar Mitzwa Feier nach Vollendung des 13.
Lebensjahres, ab der ein Knabe als vollwertiges Mitglied in die
religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird und auch alle religiösen
Rechte und Pflichten erfüllen muss, schenkte ihm seine Großmutter ein
mit viel Liebe genähtes und besticktes Tefillin-Sackerl, samt
Gebetsriemen (Tefillin) und Gebetsmantel.

Auf das Tefillin-Sackerl stickte Großmama Frimtsche die
hebräischen Initialen für Ari Rath sowie das Datum seiner Bar Mitzwa
den 10 Tewet 698 nach jüdischer Zeitrechnung (14. Dezember 1937). Die
Feier war wohl das letzte fröhliche Ereignis, das die Familie Rath
gemeinsam in Wien feierte. Nach der Machtübernahme durch die
Nationalsozialisten wurde sie in alle Richtungen zerstreut. Ari und
sein Bruder Max konnten mit Hilfe der Jugend-Alijah nach Palästina
auswandern, sein Vater und dessen zweite Frau Rita emigrierten in die
USA. Großmutter Frimtsche, die polnische Staatsbürgerin war, wurde
aus Wien verwiesen und kehrte in ihren nach dem Hitler Stalin Pakt
sowjetisch besetzten Geburtsort Stryj zurück, wo sie im Juni 1940
starb.

Ari Rath, der selbst nicht sehr religiös war, hat dieses kostbare
Erinnerungsstück an seine Jugend im Dezember 2012 dem Jüdischen
Museum geschenkt. Wir sind dankbar, dass Ari uns nicht nur dieses
wesentliche Objekt geschenkt hat, sondern auch so viele wichtige
Augenblicke. Zuletzt hat er uns anlässlich einer ORF-III Präsentation
über die Kindertransporte besucht und mit unseren Gästen die
Geschichte seiner Jugend geteilt, ein ganz besonderer Moment. Mit Ari
Rath verliert die österreichische Gesellschaft einen wichtigen
Zeitzeugen, ich verliere einen langjährigen lieben Freund. Wir werden
ihn sehr vermissen.

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