Lügenpresse, Fake News, Mainstream-Medien: „Kulturmontag“ mit Themenschwerpunkt

Außerdem: Dokumentation „Digitale Nebenwirkungen: Wenn Computer für uns denken“

Wien (OTS) - Klassische Medien sehen sich aktuell immer mehr Kritik und Misstrauen ausgesetzt – „Lügenpresse“, „Fake News“, „Mainstream-Medien“ sind geflügelte Schlagworte, die vor allem durch Social Media ihre rasante Verbreitung finden. In den sozialen Netzwerken treiben auch Verschwörungstheorien und „Gegen-Wahrheiten“ ihre Blüten. Was sind die demokratiepolitischen Folgen? Und gibt es Auswege aus der Misstrauensfalle? Der von Martin Traxl präsentierte „Kulturmontag“ am 16. Jänner 2017 um 22.30 Uhr in ORF 2 setzt einen Themenschwerpunkt zu neuen Herausforderungen für klassische Medien. Live in die Sendung geschaltet wird Medienwissenschafter Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen, Initiator der Charta der Digitalen Grundrechte der EU, Studiogast ist ORF-Türkei-Korrespondent Jörg Winter.
Anschließend an das Magazin steht passend dazu die Dokumentation „Digitale Nebenwirkungen: Wenn Computer für uns denken“ (23.15 Uhr) über die Folgen intensiver digitaler Mediennutzung auf dem Programm.

Die Krise klassischer Medien – Live-Schaltung zu Medienforscher Bernhard Pörksen

Der per 20. Jänner mächtigste Mann der Welt gebietet einem Reporter während einer Pressekonferenz zu schweigen und stempelt sein Medium als „Fake News“ ab. Die im vergangenen Jahr aufgekommene Wortschöpfung ist längst zum Kampfbegriff verkommen und zeigt das Dilemma der klassischen Medien auf: Einerseits werden diese wegen kritischer wie unliebsamer Berichterstattung insbesondere von Rechtspopulisten als „Lügenpresse“ gegeißelt. Andererseits kursieren in den sozialen Medien immer mehr fabrizierte Geschichten, die von Verschwörungstheoretikern, Geheimdiensten, aber auch Politikern lanciert werden. Dass es sich um bewusste Falschmeldungen oder vielmehr um platte Lügen handelt, die aus politischen oder ökonomischen Gründen platziert wurden, ist vielen Mediennutzern nicht nachvollziehbar. Faktum ist: Klassische Medien befinden sich in einer Vertrauenskrise, in sozialen Netzwerken kochen Emotionen – oftmals Ressentiments – hoch.
Viel Kritik entzündete sich an der Berichterstattung der sogenannten „Mainstream-Medien“ über die Flüchtlingskrise. Sündenfall war hier die Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht, die zögerlich und viel zu spät einsetzte. Laut Eurobarometer – von der EU in Auftrag gegebenen Meinungsumfragen – glauben 43 Prozent der Österreicher/innen, dass die klassischen Medien unter politischem oder wirtschaftlichem Einfluss stehen – im internationalen Vergleich ein immer noch relativ positiver Befund. Doch in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist das Krisenszenario vielfältig: Anzeigenkunden brechen weg, viele Medienkonsumenten suchen sich lieber Gratisinhalte aus dem Netz, Personal muss eingespart werden, immer weniger Zeit steht für Recherche zur Verfügung.
Der „Kulturmontag“ arbeitet das komplexe Themengeflecht auf und spricht via Live-Schaltung mit Medienforscher Bernhard Pörksen.

Der Stammtisch im Internet – Die Macht der sozialen Medien

Ist Österreich tatsächlich ein Boulevard-Land, wie Journalist Florian Skrabal behauptet, oder ist der investigative Journalismus im Aufwind, wie der „Journalist des Jahres“ Florian Klenk sagt. Hat sich die Qualität der Medienproduktion verbessert, wie Armin Wolf meint, oder hat sie abgenommen, wie Anneliese Rohrer glaubt? Wie erkennt man, dass man „Fake News“ aufsitzt? Und warum sind die Umtriebe sogenannter Wutbürger in den Echokammern sozialer Netzwerke nicht ein demokratischer Befreiungsschlag, sondern höhlen die Demokratie aus?

Krieg gegen Journalisten – Wo die Pressefreiheit unter Druck ist; im Studio: Jörg Winter

Dass die Situation heimischer Journalisten vergleichsweise immer noch frei und privilegiert ist, zeigt sich besonders am Beispiel Türkei, in der eine beispiellose Hatz auf regierungskritische Medienmitarbeiter eingesetzt hat. Zu Wort kommt u. a. Muratcan Sabuncu, Sohn des jüngst inhaftierten Chefredakteurs der Tageszeitung „Cumhuriyet“, Murat Sabuncu. Studiogast zur Situation in der Türkei ist ORF-Korrespondent Jörg Winter.

Dokumentation: „Digitale Nebenwirkungen: Wenn Computer für uns denken“ (23.15 Uhr)

Digitale Medien sind in Form von Computern, Smartphones und Tablets fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Laut aktuellen Studien nutzen Jugendliche Bildschirmmedien bis zu siebeneinhalb Stunden pro Tag. Geschätzte 70 Prozent der Fahrgäste in einer U-Bahn tippen oder telefonieren lautstark. Kaffeehäuser und Restaurants werden immer öfter nach der Verfügbarkeit von WLAN gewählt. Selbst im Urlaub sind Beachbars und Appartements mit kostenloser Internetanbindung klar im Vorteil. Digitale Medien erleichtern unseren Alltag enorm, aber:
Haben sie neben den bekannten Wirkungen auch unterwünschte Nebenwirkungen? Ihr Einsatz könnte größeren Einfluss auf unsere Gehirnfunktionen haben, als viele wahrhaben wollen. Langzeitstudien stehen zwar noch nicht zur Verfügung, allerdings warnen einige Wissenschafter davor, dass zu intensive Onlinenutzung zu einer Art „Digitaler Demenz“ mit Symptomen wie Gedächtnisproblemen sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten führen könnte. Sie zweifeln nicht an den negativen Folgen für unsere Gehirne, die sich nach Art ihrer Benutzung entwickeln. So bauen diese etwa im Alter rascher ab, weil man sich wegen Google, Wiki oder Navi immer weniger merken muss. In der ORF/3sat-Dokumentation lässt Filmemacher Peppo Wagner Internetkritiker und Experten aus Europa, den USA und Asien zu Wort kommen.

Der „Kulturmontag“ – produziert in HD – wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III sowie ORF SPORT + – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

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