• 09.01.2017, 20:01:19
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Neues Volksblatt: "Offenheit" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 10. Jänner 2017

Utl.: Ausgabe vom 10. Jänner 2017 =

Linz (OTS) - Die Kopftuch-Debatte — soll muslimischen Frauen im
öffentlichen Dienst das Tragen eines Kopftuches untersagt werden? —
hat eines gezeigt: Über Symbole lässt sich trefflicher streiten als
über inhaltliche Fragen. Wohl auch deshalb ist im Schatten des
Kopftuch-Themas einer breiten Öffentlichkeit verborgen geblieben, was
zeitgleich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ)
mitzuteilen wusste. Im Kurier-Interview sagte Ibrahim Olgun, dass die
IGGiÖ das religiöse Leben der Muslime in Österreich durch mehr
Transparenz in den Moscheen nachvollziehbarer machen wolle. Und, so
Olgun: Er wolle mehr Moscheevereine als bisher davon überzeugen, ihre
Predigten auch auf Deutsch vorzutragen.
Ob beabsichtigt oder nicht: Der IGGiÖ-Präsident legt mit beiden
Aussagen offen, warum es mit der Integration so hapert. Tatsächlich
werden Moscheen nicht selten wie Orte konspirativer Treffen von der
Öffentlichkeit abgeschirmt; und dass es nicht selbstverständlich ist,
dass auf Deutsch gepredigt wird beweist nur nachdrücklich, dass
Integration primär über Sprache erfolgen muss. Umso weniger darf sich
Olgun darüber wundern, dass es Andersgläubigen oft schwer fällt, ihre
Grundskepsis gegenüber dem Islam abzubauen — umso mehr, als nun
einmal Islam und Terror in einer fatalen Beziehung zueinander stehen.
Klar ist: Die von Olgun angekündigte Offenheit muss gelebt und nicht
nur gepredigt werden.

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