Höhere Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel dient dem Budget, nicht dem Klima

Verkehrssektor mit deutlich größeren Einsparungspotenzialen bei Treibhausgasen

Wien (OTS) - Auch wenn bei der Verdauung von Gras und anderen Futtermitteln im Magen der Wiederkäuer Methan entsteht, deswegen ist die Kuh noch kein Klimasünder. Sie erzeugt lediglich aus einem für den Menschen nicht nutzbaren Futter eiweißhaltige Lebensmittel. Fakt ist, dass Wiederkäuer und damit Rinder Methan emittieren, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie in der Öffentlichkeit häufig vermittelt wird - wie zuletzt vom deutschen Umweltbundesamt, das daraufhin eine Erhöhung des derzeit ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7% in Deutschland auf 19% für tierische Nahrungsmittel gefordert hat.

"Konkret umfassen Methanemissionen aus dem Verdauungstrakt von Rindern 4,1% aller Treibhausgas-Emissionen in Österreich", teilt Horst Jauschnegg, Leiter der Abteilung Tierzucht in der Landwirtschaftskammer Steiermark, mit. Zudem ist die Branche laufend bemüht, die Emissionen weiter zu senken, wie etwa durch Zuchtarbeit, die Optimierung der Fütterung und Düngerlagerung oder -ausbringung. "Gelingt es, durch gezielte Rationsgestaltung, die mikrobiologische Methanproduktion im Pansen zu reduzieren, so stellt dies einen Beitrag zum Klimaschutz dar", weiß Jauschnegg.

Deutlich umfangreichere Treibhausgas-Einsparungen sind dagegen durch Anpassungen im Verkehr oder etwa bei der Heizenergie erzielbar. So kann eine Person in einem Jahr durch den Verzicht auf Langstreckenflüge, durch weniger Autofahrten, die Verwendung von Pellets statt Heizöl und den Konsum von Rindfleisch aus der Region den CO2-Ausstoß um 78% auf 2,3 t CO" reduzieren, geht aus Berechnungen der Landwirtschaftskammer Österreich hervor.

Gleichzeitig ist Österreich nach einer Studie des Joint Research Centre in der Rindfleischproduktion EU-weit vorbildlich. Werden im Durchschnitt der EU-Staaten bei der Produktion von 1 kg Rindfleisch 22 kg CO2-Äquivalente frei, sind es laut Studie hierzulande nur 14,2 kg, was dem niedrigsten Wert in der gesamten EU entspricht. Auch die Emissionen je Kilogramm Kuhmilch liegen in Österreich und Irland mit 1 kg CO2-Äquivalent am niedrigsten, der EU-Durchschnitt liegt hier bei 1,4 kg, wie die Wissenschafter ermittelt haben. Als Grund für die geringen Werte in Österreich nennt Jauschnegg vor allem den hohen Selbstversorgungsgrad bei Futtermitteln und einen hohen Grünfutteranteil. Der Untersuchung zufolge weist Österreich auch in den Produktionsbereichen Schaf- und Ziegenfleisch, Schweine- und Hühnerfleisch sowie bei Eiern die niedrigsten Emissionen auf.

Laut Jauschnegg kann eine Aufgabe der Rinderhaltung das Problem des Klimawandels nicht lösen. "Gerade ein Land wie Österreich braucht seine Rinder zur Bewirtschaftung der alpinen Gebiete und der wenig begünstigten Lagen, wo andere Formen der Landwirtschaft oft nicht möglich sind. Außerdem ist das Rind durch seine Verdauungsphysiologie - indem es schwer verdauliche Kohlenhydrate aufschließen kann - kein Nahrungskonkurrent für den Menschen", so der Experte.
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